zwiesprach 6


Er: nervös?
Ich: nö, wieso?
Er: du sitzt da, als wartetest du auf etwas?
Ich: warte-test?
Er: tete-a-tete-test.
Ich: tätest du mir einen gefallen?
Er: doch nicht etwa deinen tee testen?
Ich: kalt steht stets der tee auf dem herd. wenn du möchtest? ich ziehe kaffee vor.
Er: wie steht’s denn nun mit dem gefallen.
Ich: stell dich doch mal in pose, damit ich dich fotografieren kann.
Er: du hast mich doch schon mal fotografiert. das reicht doch.
Ich: war etwas vergnubbelt, jemand assoziierte gar kaugummi.
Er: ich weiß, in einem jahr könnte ich durchaus zum marsmännchen werden.
Ich: gut, danke. schon geschehen.
Er: aber bitte nur die visage.

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nullgrund

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blut bad sind

blut bad sind
bins bald lind
bin lad bins
silb’s bald blind
bild in bild

bade das!

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zwiesprach 5

Ich: du atmest so lang im kurzen auf und ab.
Er: soll ich aufhören?
Ich: natürlich nicht.
Er: nun, ich sauge am luftreich.
Ich: angenehme brüste?
Er: so rund wie die hände.
Ich: nachgiebig?
Er: wie die luft, in die man hineinragt.
Ich: homo erectus.
Er: nicht ganz. glücklich ist die form gefüllt.
Ich: was dein leeres sich als form bedungen…
Er: glocken klingen, weil sie hohl.
Ich: je leerer, desto tiefer der klang.
Er: moment… und je voller die flasche, desto höher klingt die vorfreude!

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mit wanken ästen …

mit wanken ästen
kratzt der wind
dem schrundigen acker
die stirne

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[Wo das Meer stillsteht 4,17]

Oper

der klang des singens kehrt uneilig zurück zum letzten sitz des nachmittags
wir sind nackt unter dem nackten himmel
aufrichtiger noch sind die vögel – fliegen alle vorüber goldgelb
kein jugendliches timbre in altersschwachen ohren
dies ist der frühling – frühling ist zum sterben die beste zeit
um die tragödie eines jeden buches zu lesen

wenn schweigen eine geschichte nochmals erzählen kann
die flamme des himmels – umarmend und dennoch erschreckend
gibt diesem fenster einen strauß fleischfarbener blumen
gibt dem zuschauenden nachmittag ein endlos fallendes meer
der goldene sturm – schmiedet den schmerz im hören
läßt uns kalt werden wie kinder
eine dämmerung zu spät für abschiede, um vom himmel abschied zu nehmen
doch der himmel – was sagte er?

nacht hat uns den rücken gekehrt
dunkelheit ist die trostlosigkeit hinter den kulissen

[Wo das Meer stillsteht 4,16] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,18]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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zwiesprach 4

Er: bin kein dieb, bin kein dieb!
Ich: und ich habe keine pistole… wiewohl scharfe messer.
Er: eh du ein solches hervorgekramt hast…
Ich: du spielst scheinbar auf das neue gesetz an: kein gefängnis mehr für den, der auf einen bewaffneten einbrecher bei sich zu hause oder in seinem geschäft schießt.
Er: ja, das opfer eines diebstahls, eines raubüberfalls und einer bedrohung kann reagieren, um seine und die unversehrtheit seiner angehörigen zu schützen, bei sich zu hause, in seiner praxis, seiner kanzlei oder in seinem geschäft, wenn der angreifer keine anzeichen von nachgeben zeigt. in diesem fall wird schießen zu einer legitimen notwehr.
Ich: so wird es dann wohl bald eine aufwärtskurve in der statistik der angemeldeten waffen geben.
Er: und einen boom an schießständen.
Ich: und die diebe werden sich entsprechend darauf einstellen.
Er: twelve o’ clock highnoon-duelle am ladentisch.
Ich: na, vielleicht gibt’s dann bald ein paar illegale ausländer weniger. abschiebung nicht mehr vonnöten.
Er: mehr platz in den gefängnissen.
Ich: und berlusconi bittet darum, zwei wochen länger regieren zu dürfen…
Er: wer weiß, vielleicht verjährt ja in diesen zwei wochen irgend ein dreck, den er am stecken hat.
Ich: by the way, welche notwehr ist eigentlich gegenüber finanzhaien erlaubt????
Er: ich schlucke nicht gern trocken.
Ich: hier, „american coffee“… andern filterkaffee gibt’s hier nicht in der nähe.
Er: zustände sind das.

1. All’articolo 52 del codice penale sono aggiunti i seguenti commi:
„Nei casi previsti dall’articolo 614, primo e secondo comma, sussiste il rapporto di proporzione di cui al primo comma del presente articolo se taluno legittimamente presente in uno dei luoghi ivi indicati usa un’arma legittimamente detenuta o altro mezzo idoneo al fine di difendere:
a) la propria o altrui incolumità;
b) i beni propri o altrui, quando non vi è desistenza e vi è pericolo d’aggressione.
La disposizione di cui al secondo comma si applica anche nel caso in cui il fatto sia avvenuto all’interno di ogni altro luogo ove venga esercitata un’attività commerciale, professionale o imprenditoriale“.

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post meridiem

post meridiem

zerbröseln im nachmittag
im sich zerstreunenden sein
das sich aufgebaut und -gebäumt
noch vor und kurz nach dem aufstehen
die tasse kaffee in der hand

als wäre die sonne auf halbem wege
schon müde, mir tag zu sein
und als wolle als dunklere hälfte
sie mir die nacht versüßen

als das kleinere übel des falls

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zwiesprach 3

Er: mach das fenster zu!
Ich: frische luft!
Er: erstickt sind schon viele, aber erstunken noch keiner.
Ich: sagte sieglinde.
Er: und so bliebet ihr in eurem muff.
Ich: und ergötzten einander.
Er: schon lange her, was?
Ich: il tempo passa.
Er: und je mehr zeit verstreicht, desto größer der flur, den sie durchqueren, die erinnerungen.
Ich: zwar groß der raum, doch kürzer die zeit des durchquerens.
Er: ich weiß, ich weiß, das langzeitgedächtnis nimmt mit dem alter zu, während das kurzzeitgedächtnis schwächer wird.
Ich: banal gesagt.
Er: so dreht sich das lebenshaus um die zeitachse und krümmt sich der jugendzeit hin.
Ich: und strampelt blind in die zukunft.
Er: war wohl eher der wortgestus als realität?
Ich: schöne worte machen froh, besonders die von haribo!
Er: und schmelzen im munde, und nicht in der hand!
Ich: smart, fürwahr.

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 9,1

9,1 Es ist möglich, die Vorsehung der Götter bereits aufgrund dessen zu erkennen, was oben gesagt wurde.
Denn: Woher käme die Ordnung der Welt, gäbe es zufällig kein ordnendes Prinzip? Oder das Vorhandensein eines jeden Dinges im Hinblick auf einen Zweck, wie die irrationale Seele, damit man empfinde, und die rationale zur Zierde der Erde.

[Salustius 8,5] <<>> [Salustius 9,2]
Einleitendes

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