Da war ein Juwel in meiner Hand – … (Emily Dickinson)

Da war ein Juwel in meiner Hand –
Ich ging zu Bett –
Der Tag war warm, die Winde nüchtern –
Sagte: „’S wird gut“ –

Schalt – aufgewacht – die guten Finger,
Fort der Juwel –
Ein Amethyst-Erinnern ist – Was
Mir bleibt – Nichts sonst

I held a Jewel in my fingers –
And went to sleep –
The day was warm, and winds were prosy –
I said “’Twill keep” –

I woke – and chid my honest fingers,
The Gem was gone –
And now, an Amethyst remembrance
Is all I own.

Veröffentlicht unter Uebersetzungen | 3 Kommentare

zersammen …

zersammen
undergahn
im strammen
nitverstahn

der töne
flitterglanz
o schöne
redundanz

mag lieber
erdenschwer
schau’n über
du-nicht-meer

Wir aber schwammen vorüber

lyrisches intermezzo XLII (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 4 Kommentare

wind ist geschwind …

wind ist geschwind
er hat ein verlangen
will um ein „minnt“
dich sträflich belangen

er weht davònn
wássidir mit golde
na du weiß’ schònn
du untugendholde

mit dem visier
„wenn ich dich erst habe“
und dem pläsier
der „ich-lieb’-dich“-gabe

Das kann nicht sein, sprach sie zu mir

lyrisches intermezzo XLI (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter lyrisches intermezzo | Kommentar hinterlassen

Ich bin Niemann. Aber Du? (Emily Dickinson)

Ich bin Niemann. Aber Du?
Bist – Niemann – Auch Du?
Dann sind wir ja zu Zwot!
Sag Nichts! sie tratschen – weißt es ja!

Öd – dies Sein – ein Irgendmann!
Ein Frosch – in allen Gassen –
Nam’ hin, Nam’ zu – dies Juni-Sein –
Für so’n Maulaffensumpf!

I’m Nobody! Who are you?
Are you – Nobody – Too?
Then there’s a pair of us!
Don’t tell! they’d advertise – you know!

How dreary – to be – Somebody!
How public – like a Frog –
To tell one’s name – the livelong June –
To an admiring Bog!

Emily Dickinson (288)

Veröffentlicht unter Uebersetzungen | 2 Kommentare

wachsend in ringen …

wachsend in ringen
wartest du nun bang
auf das verklingen
der wellen : ich sprang

dir in dein sehnen
und du in die höh’ –
suchst mich zu wähnen
dort unten im see

Das einst die Liebste sang

lyrisches intermezzo XL (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter lyrisches intermezzo | Kommentar hinterlassen

dich dreht das rädchen …

dich dreht das rädchen
das dich hat erwählt
all das andre
ist wie verzählt

du wirst zum verberger
wie der dunkle tann’
der zwar laufen
will, doch nicht kann

doch wär’s eine fichte
die wäre nicht scheu
macbeth stieret
ins einerlei

Der Jüngling ist übel dran

lyrisches intermezzo XXXIX (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter lyrisches intermezzo | Kommentar hinterlassen

du willst überleiten …

du willst überleiten
zum alten trab
und schwörest der nähe
unreuig ab

ziehst, sie verträumend
den zaun drum rum
nur der altböse zahn
knabbert sich dumm

weiß es nicht besser
so wie das meer
im wellengewander
nicht hin nicht her

die rendezvous mit
dem apfelglück
unter wolkenmolken
wie eis am stück

da aber er hause
der mensch und seh’
lauter dichterfenster
raset er weh

dem kredenzt er
was alle dann seh’n
die bunten gedichte
auf wiederseh’n

Und sahst mich im Mondenlichte

lyrisches intermezzo XXXVIII (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter lyrisches intermezzo | Kommentar hinterlassen

Salustius, Über die Götter und die Welt – Nachtrag

Als >>> „Abhandlung von den Göttern und von der Welt“ (mit gelehrten und moralischen Anmerkungen) in einer 1761 erschienenen Ausgabe auch nachzulesen!

Veröffentlicht unter salustius | Kommentar hinterlassen

ich wachs’ mir ein übel

die eine wurzel : dankbarer
atem : eines fauligen baums

ich wachs’ mir ein übel
im leben : das zu verwandeln
auch ein erdulden fürs fleisch

Salvatore Quasimodo

Grato respiro una radice
esprime d’albero corrotto

io mi cresco un male
da vivo che a mutare
ne soffre anche la carne

Veröffentlicht unter Uebersetzungen | Kommentar hinterlassen

ich schaue weg: nein …

ich schaue weg: nein,
dacht’ ich mir nur
ich schau’ nicht weg: dein
sinnenpurpur

sucht ja auch augen
(der tag verblüht)
saugen, wir saugen
uns matt und müd’

unbegrenzter
dann schmiegt nachttuch
körperfenster
… lippenbuch

uns vereinet
und versenket gleich
was verneinet
wird im himmelreich

[denn] Die alte Liebe erscheinet,
Sie stieg aus dem Totenreich

lyrisches intermezzo XXXVII (nach vorgeschriebenen endreimen)

Veröffentlicht unter lyrisches intermezzo | 2 Kommentare