hier ist
hohle forme ohne inhalt
passepartout für alles
spekulatius=
sommer und =winter
hier ist
das einerlei im ganzegal
fünf gerade sein lassen im nichts
marzipan=
frühling und =herbst
hier ist
but the fountain sprang up
ich wachte spät auf
krümel=
kriemhild und nuß=wahl

„Non ha detto „odore di cesso“, ha detto „odore di cortile“ o qualcosa del genere.“ (Natalia GINZBURG: Caro Michele)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 1 Kommentar

s : schrieb ich : und wartete : auf die fortsetzung : als ob ein buchstabe : allein ausreichte : als keim für einen text : selbst ein Es : bedeutet nichts : es verbirgt sich : und treibt sein unwesen : im verborgenen des offenbarten verborgenen : und borgt mir bilder : aus denen ich : schreibend mich herauswinde : um dahin zurückzukehren : was ich verlassen wollte : s

Gehe in dich, das ist leicht gesagt. Doch es zu tun, ist schon deshalb schwerer, weil da wenig Auslauf ist. Was aber nicht hindert, sich immerhin zu versenken. Nur wer verstockt ist, steht in sich still.
(Ernst BLOCH: Tübinger Einleitung in die Philosophie)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 4 Kommentare

Er schien auf mich zu warten, denn als ich mit dem auto an der kreuzung angelangt war, wo das asphaltierte stück straße anfängt, und wo die zahlreiche katzenkolonie ihr zuhause hat, da lag Er in der hängematte vor dem haus, das zuweilen römer beherbergt. Er sprang gleich auf, als Er mein auto um die ecke fahren sah, und erst im letzten moment ward ich Seiner gewahr, bremste, ließ die scheibe hinuntergleiten, hob meine rechte hand, legte den daumen an die kuppen der anderen finger, und ließ so die hand ein paarmal auf mich zu wippen: „mbeh?“
Er: Konntest dich wohl wieder nicht losreißen?
Ich: Du meinst von der begierde auf neues im wehwehweh?
Er: Blog, genau!
Ich: Tja, weiß auch nicht, als ob ständig müßte…
Er: Schlimmer!
Ich: Du meinst? – Steig ein.
Er (einsteigend): Danke. Wohin geht’s? – Ich meine, du vernetzt dich an allen ecken und enden, so daß du schließlich nur noch im netz hängst, weil nichts mehr unabhängig voneinander besteht. Ein sich selbst verschlingender kreis. Darum brauchst du mich: ich bin außer dir und deinem netz.
Ich: Post, zigaretten, supermarkt. – Mein wohltäter, mein erlöser, mein erretter! Magnanimo wie immer! Einerseits meinst du, ich sei im netz gefangen, andererseits behauptest du, ich sei von dir abhängig. Ich fürchte, weder das netz noch du haben mir dreinzureden.
Er: Und tun es doch.
Ich: Also bitte, das müßte ich ja nun wirklich wissen.
Er: Und weißt es nicht.
Ich (uneinsichtig): Doch.
Er (beharrlich): Nein.
Um nicht in das kindliche und endlose nein-doch-spiel zu verfallen, versuchte ich einzulenken, weil die diskussion in meiner heutigen verfassung sowieso zu nichts geführt hätte, und ich meinen widerpart doch schon etwas kannte:
Ich: Ich werd‘ drüber nachdenken, aber was hältst du davon, wenn wir uns beim „Golosauro“ zwei brötchen mit porchetta holen?
Dies schien Ihn aufzuheitern (wer weiß, aus welch geschmacks-mnemotischen gründen), und Er ließ sein beifahrerfenster hinuntergleiten, legte den arm flach in die öffnung mit der in fahrtrichtung nach vorn auf den luftstrom gebetteten hand.
Er (singend): Don’t sleep in the subway, darling…
Ich sah Ihn angesichts der letzten kurve vorm dorf nur einen kurzen moment lang von der seite an: Seine augen schienen wie abwesend, und ich mußte mich an den werbespot für ein auto mit panoramafenster nach oben hin von gestern abend erinnern, bei dem ich zu meiner frau sagte: „Vedrai che adesso sbatte contro un albero con tutto ’sto cielo che sta a guarda'“.
Er (versonnen): Paß auf, da vorn ist der friedhof!

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 1 Kommentar

fortschritte machen
schritte unternehmen
rückschritte vermeiden
oder einfach nur
jeden schritt zählen
raum und zeit vermählen
so ganz ohne uhr
aus dem jetzt scheiden
das hier fortnehmen
im nirgend-nie wachen

jede wahre sprache ist unverständlich (ARTAUD)
wahr sind nur die gedanken, die sich selber nicht verstehen (ADORNO)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

wer ständig nur zitiert, um sich mit erlesener weisheit zu schmücken, weiß zwar, wie er im spiegel aussieht, aber nicht, warum er so aussieht.

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 1 Kommentar

Er (staub aus seinen klamotten klopfend): Hi.
Ich (abstand nehmend wegen des aufwirbelnden staubes): Hi.
Er: Nun übertreib mal nicht mit deinen fragen!
Ich: O, bitt‘ um vergebung: alles i.o.?
Er: Bestens.
Ich (nachäffend): Nun übertreib mal nicht mit deinen antworten!
Er (seinerseits nachäffend): O, bitt‘ um vergebung: was hältst du davon?
Er kramte ein stockfleckiges buch aus der tasche und blies über die oberseite des einbands. nochmal staub! und muffgeruch! Er drehte den titel zu sich.
Er: Jou Pu Tuan.
Ich: Wie bitte?
Er: Jou Pu Tuan: Andachtsmatten aus Fleisch.
Ich: Allegorie des staubs?
Er: Mitnichten! erotischer sittenroman von Li Yü. 17. jahrhundert.
Priapos (plötzlich auftauchend): Interessant!
Er: Das erstmals 1959 von Franz Kuhn übersetzte buch (er wedelte mit dem buch) wurde zuvörderst wegen der „sehr freizügigen“ chinesischen holzschnitte 1961 in der Schweiz verboten und beschlagnahmt!
Priapos: Darf ich mal sehen?
Er: Nun reiß dich doch mal zusammen, du alter hurenbock!
Er reichte es mir, und – Priapos abwiegelnd – blätterte ich in der verbotenen ausgabe.
Ich (versonnen): Ich muß dabei immer an die morgendlich sich spreizenden blüten denken, weiß auch nicht warum…
Er: Und ich an das Barberini-Wappen…
Lar: Bienchen, bienchen, summ herum…
Priapos eierte rasch und sich eine gesäßhälfte haltend von dannen, als hätte ihn irgendetwas dorthin gestochen.
Ich: War bestimmt teuer?
Er: Iwo! in Zürich fand ich’s für 37 euro.
Er setzte sich daraufhin an den tisch, nicht bevor er – mit dem zaunpfahl winkend – in die weinecke geschielt hatte.

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 2 Kommentare

wärmende sonne : vertreibt morgenkühle : reibt sich in den rücken : auf der terrasse stehend : ragt weit unter mir : auf dem zementierten hof : mit verwischten konturen : mein schatten voran : ihm nachblickend : denk‘ ich ihn nach : und begreif‘ mich : zumindest als körper

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 1 Kommentar

das erste gold aus amerika : an der decke : santa maria maggiore : erkaufte absolution für christliches morden : beichtstühle polyglott : eine gruppe deutscher touristen : laut betend vor einer madonna : auf dem platz davor : inmitten des verkehrs : fehlte nur noch eine gruppe andenmusiker : während die straße weiter abwärts : schon die chinesen in grüppchen stehen : um jeweils immer einen : der mit seinem handy : geschäfte abschließt wahrscheinlich : flirrendes schreiten : im halbschatten der bäume : hin zum platz : blendende lichtschüssel : sich stauende hitze : in der u-bahn dann wegschauen : als die kleine schwester : des jungen akkordeonspielers : handhaltend freundlich : die gesichter der fahrgäste : nach und nach musterte : und ich stellte mir die menschenkenntnis vor : die solch ein tun wohl mit sich bringt : der offene blick : kein lamentierendes insistieren : wie wissend sah sie nach der runde den bruder an : und klapperte mit den münzen in der rechten : und fast tanzte sie : mehr noch als daß sie ging : im zug, der mich wieder fortbrachte : aus der stadt : verschmolzen isabella von spanien : und isebel, tochter des ethbaal : bauten flämische türme : dort, wo ich’s nicht erwartet hatte : in paris

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

angebunden an mich selbst : durch mich selbst : schlingr‘ ich fortgerissen von mir selbst : und rühr mich nicht vom fleck : (oder bin ich mein rettungsboot : im schlepptau meiner selbst : auf hoher fahrt : (ich weiß das alles nicht))

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 7 Kommentare

o sichel des abnehmenden mondes : dein glanz über öd-leeren wassern : o silbersichel, welch ein traumbote : wallet hienieden in deinem milden schein! : kurze atemzüge der blätter : seufzer der blumen aus dem hain : dem meere zugehaucht – nicht singen nicht schrei : nicht klang durchquert das schweigen so weit : von liebe gedrückt und freudenschwer : entschlummert der lebenden volk… : o abnehmende sichel, welch ein traumbote : wallet hienieden in deinem milden schein!

(O falce di luna calante / che brilli su l’acque deserte, / o falce d’argento, qual mèsse di sogni / ondeggia al tuo mite chiarore qua giù! / Aneliti brevi di foglie / sospiri di fiori dal bosco / esalanao al mare: non canto non grido / non suono pe ‚l vasto silenzio va. / Oppresso d’amor, di piacere, / il popol de‘ vivi s’addorme… / O falce calante, qual mèsse di sogni / ondeggia al tuo mite chiarore qua giù!)

nach Gabriele D’ANNUNZIO, Canto Novo, VII (dt. von Helmut Schulze)

Veröffentlicht unter Uebersetzungen | Kommentar hinterlassen