Er (staub aus seinen klamotten klopfend): Hi.
Ich (abstand nehmend wegen des aufwirbelnden staubes): Hi.
Er: Nun übertreib mal nicht mit deinen fragen!
Ich: O, bitt‘ um vergebung: alles i.o.?
Er: Bestens.
Ich (nachäffend): Nun übertreib mal nicht mit deinen antworten!
Er (seinerseits nachäffend): O, bitt‘ um vergebung: was hältst du davon?
Er kramte ein stockfleckiges buch aus der tasche und blies über die oberseite des einbands. nochmal staub! und muffgeruch! Er drehte den titel zu sich.
Er: Jou Pu Tuan.
Ich: Wie bitte?
Er: Jou Pu Tuan: Andachtsmatten aus Fleisch.
Ich: Allegorie des staubs?
Er: Mitnichten! erotischer sittenroman von Li Yü. 17. jahrhundert.
Priapos (plötzlich auftauchend): Interessant!
Er: Das erstmals 1959 von Franz Kuhn übersetzte buch (er wedelte mit dem buch) wurde zuvörderst wegen der „sehr freizügigen“ chinesischen holzschnitte 1961 in der Schweiz verboten und beschlagnahmt!
Priapos: Darf ich mal sehen?
Er: Nun reiß dich doch mal zusammen, du alter hurenbock!
Er reichte es mir, und – Priapos abwiegelnd – blätterte ich in der verbotenen ausgabe.
Ich (versonnen): Ich muß dabei immer an die morgendlich sich spreizenden blüten denken, weiß auch nicht warum…
Er: Und ich an das Barberini-Wappen…
Lar: Bienchen, bienchen, summ herum…
Priapos eierte rasch und sich eine gesäßhälfte haltend von dannen, als hätte ihn irgendetwas dorthin gestochen.
Ich: War bestimmt teuer?
Er: Iwo! in Zürich fand ich’s für 37 euro.
Er setzte sich daraufhin an den tisch, nicht bevor er – mit dem zaunpfahl winkend – in die weinecke geschielt hatte.

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