butterbrot mutterbrot
marmelade butter brot
stullenmesser buttermutter
messermutter butterstulle
mutterbrüll messernot
müllerbrut buttermüll
mutternot stullenmesser
stillt die not messerbrot
stullt das brot butterdick
marmelade strull strull strull –
ist das maul auch mampfevull?

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ohne scheibenwischer : im strömenden mairegen : anfangs sich wellender asphalt : danach tanzt das auge : hinter tausend verschieden : geschliffenen regenlinsen : koordiniert nur noch : vage farbeindrücke : weißer mittelstreifen : rechter fahrbahnrand : grau in grün in weiß : rechts grauer himmel : links ferne sonnenflecken : aber ich weiß nicht : ob dort : wo ich hin muß : aber wozu brauche ich scheibenwischer : verborgen hinter regentropfen : nicht mal die carabinieri sehen : daß ich nichts sehe : nichts sehen will : außer dem : was ich notgedrungen sehen muß : den flirrenden weg

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[Wo das Meer stillsteht 2,13]

Trüber sommer

wenn’s dem grün      an kraft mangelt, sich tiefer in die haut des patienten zu saugen
dann ist der sommer notwendigerweise trübe

jeder regentropfen ist bereits fünfmal gefallen
der schwere sumpf auf dem dach zehnmal gewellt und angehoben
die felder      eine matratze ohne wäscheleinen zum trocknen
trockengelegt in deinen gedanken
die in die kiefernnadeln eingravierte geduld kehrt licht unendlich um
es wütet der tote, weil er keine risse im schlamm finden kann

im trüben sommer      bist du genug geschwächt
einen letzten sturm zu erfinden

samen zu splittern und den glasbaum im samen
eier zu splittern und den im gedärm bewahrten schrei
doch worte lassen sich nicht splittern      jedes wort
ein hölzerner haken aus fleisch und blut
ein irriger himmel hundertmal ausgegraben aus einem fötus

stimmt      dieser sommer ist dein sommer
auf dem roten bahnsteig gibt’s nur eine erklärung für das, was unsterblich
der rostige zug darf nicht ankommen
du wirst tausendmal belagert von der luft, welche die toten ausgeatmet
lungen      ein bunt glänzender fluß
der nicht fließt      keine luftlöcher im gestein aus fleisch
jede geschichte endete zweitausendmal

dort, wo du hinstarrst      dort      tränen      wieder

[Wo das Meer stillsteht 2,12] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,14]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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kaum im tag
kaum hier
kaum dort
kaum ich
kaum du
kaum wir
kaum
kau gummi!

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Formavit igitur Dominus Deus hominem de limo terrae

da nahm jemand ein stück lehm, drückte ihn platt, und ritzte mit einfachen strichen eine mannesgestalt, so entstand der erste mann, dann kopierte er das strichmännchen und fügte rundes hinzu, so entstand die erste frau, dann trocknete der fluß aus, und das ganze flußbett war ein einziges stück trockenen lehms, da fing er an zu ritzen wie ein wahnsinniger, so daß schließlich das ganze tohuwabohu der welt seinen anfang nahm, dann kam das wasser wieder und löschte alle die krakeleien aus, das war die sintflut

auch eine schöpfungsgeschichte (der es zugegebenermaßen des sündenfalls ermangelt)

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 1,2

1,2 Diejenigen Kenntnisse sind allgemein, in denen alle Menschen übereinstimmen, sofern sie recht befragt werden: daß zum Beispiel jeder Gott gut, jeder Gott unerschütterlich (apathis), jeder Gott unwandelbar ist. Denn alles, was sich ändert, ändert sich zum Besseren oder zum Schlechteren: wandelt es sich aber zum Schlechteren, wird es schlechter; und falls zum Besseren, dann war es zu Beginn schlechter. Dies also seien die Merkmale des Zuhörers.

[Salustius 1,1] <<>> [Salustius 2,1]

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die mit dem stock im erdreich
nach laune gezogenen rinnsale
in denen das wasser abwärts fließt

du sollst fließen
aber du sollst fließen
nach meiner façon
bergab geht’s immer
eine frage des wie

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wespen umlungern
die noch verschlossenen
pfingstrosen
flaumenleichte pollenluft
um so schwerer die worte
denen du verfallen

zwingen dich immer
wieder zur erde hinab

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[Wo das Meer stillsteht 2,12]

Der turm des komponisten

3

die tür knallt zu      und die wut des inquisitors wandelt sich
ein vater rechtfertigt sich leise      überhaupt nicht wie ein vater

da ist ein elf jahre altes ohr im turm
von all seinen jahren an die wand geklebt

lauscht die ganze zeit      wie klang in klang hinstirbt
so wie schweigen      einen stein gehäuften schweigens schafft

ein kind steht oben auf dem hohen turm
verschlingt das böse, das dunkle sterne in seine hand stopfen

der sturm stopft einen schweigenden magen voll
an diesem junimorgen      und zieht dich zurück in des verrückten vergangene nacht

den letzten pfiff hinschreibend
wird der turm mit seiner alternden haut      leicht hinweggeblasen

[Wo das Meer stillsteht 2,11] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,13]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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im autosalon ungeduldiges
warten auf einen freien
autoverkäufer zum glück
kleines büffet zum abkürzen
der zeit finger grabschen
plastikbecher „was willst du?“
zweimal raus zum rauchen
„wann sind die denn fertig?“
dreht sich um auf ihrem
sessel die andere wartende
kundin in spe, achselzucken
und tadelblick: „die machen
auch nur ihre geschäfte“

[meine geschäfte verrichte ich auf dem abort [morgens werden immer die wichtigsten geschäfte erledigt : morgenstund’ hat geschäftsmäßig gold im mund [psychologie des geldes]]]

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