grüne augenkorridore
grasbedeutung
und feldzeichen
im gleitflug die krähe
legt träume aus

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 1,1

1,1 Diejenigen, die sich über die Götter unterrichten wollen, müssen als Kinder [paidon] gut aufgezogen worden und nicht inmitten törichter Meinungen aufgewachsen sein; desgleichen müssen sie von Natur gut und verständig sein, damit sie etwas den Lehren [logois] Verwandtes aufweisen. Außerdem müssen sie in den allgemeinen Kenntnissen bewandert sein.

[Salustius 1,2]

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da im vorletzten beitrag von heidnischen göttern die rede war, kam mir wieder ein buch in den sinn, daß ich zwar angefangen zu lesen, aber schon lange nicht mehr angerührt habe. es handelt sich um Saloustiou philosophou „Peri theoi“, oder entsprechend der italienischen übersetzung um „Über die Götter und die Welt“ von Salustius (geb. anfang des 4. jh.s), geschrieben zu einer zeit, als die heidnische religion bereits dem christentum zu unterliegen begann. also in gewissem sinne eine die götter lehrende götterdämmerung, wie oft im untergang erst evident wird, was sonst im alltäglichen zur routine ward.
also wieder einmal eine übersetzung, oder besser: eine nachbildung dessen, was ich übersetzend zu durchdringen vermocht. nichts anderes ist dieses mein übersetzen außerhalb aller ökonomischen zwänge. das übersetzen, daß sich diesen zwängen nicht entzieht, betrifft allemal völlig andere texte (z.zt. „nützliche informationen zu den fernsehgebühren“ und die technische beschreibung einer „automatischen schweißanlage“). der text selbst ist kurz: etwa 25-26 buchseiten auf italienisch (mit griechischem originaltext gegenüber), aufgeteilt in 21 kapitel (die übersetzung wird auf dem italienischen basieren, da ich leider kein griechisch kann. bei fragen zum text werde ich jedoch gern versuchen, die textstellen aus dem griechischen original zu transkribieren, auf die sich eventuelle fragen beziehen).
möge es der erkenntnis dienen: im nächsten beitrag kapitel 1,1.

diese absicht ist auch in gewissem sinne autobiographisch motiviert, dieweil ich so auf dem italischen lande lebe, wie das etwa auch in „Ein Kampf um Rom“ an gewissen stellen beschrieben wird. und immer, wenn vom dorf die kirchenglocke herüberschallt, dann stell’ ich mir vor, einen altar für die feldgötter herzurichten. (fast schon eine auflehnung gegen die 10 gebote (und den entsprechenden lutherischen katechismus, den ich einst auswendig lernen mußte)).

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abstellen des motors
stilles duftendes gras
die aus den stiefeln
befreiten socken voller
geheckselter halme
rauchen, den hund
in die klemme nehmen
zurücklehnen, lauschen
gewitterträchtiges schweigen

[genrebild]

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Er habe eine nacht in der heidnischen kultstätte auf dem gipfel oberhalb von Cesi verbracht, ohne sich rühren zu können, denn auf seiner brust habe eine viper ihm mit ihrer zunge vorwürfe gemacht, was er sich denn erlaube, hier zwischen diesen vor alters den göttern zu ehren aufgeschichteten steinen seinen weißbiervorrat auszusaufen, um dann um so besser den sternen eins vorschnarchen zu können, dies sei, so die viper, kein obdachlosenasyl, dies seien die häuser der guten und der bösen götter, denn es gebe keine güte ohne missetat, drum dürfe er sich nicht wundern, daß er zwar obdach, aber auch sie, die viper, vorgefunden habe.

William war der Überzeugung, daß das, was Jesus für die Erwählten war, Judas Ischariot für die Übergangenen bedeutete. Nichts in der Schöpfung bleibt ohne Ausgleich und entsprechenden Gegenpol.
Thomas PYNCHON, Die Enden der Parabel

so also sei Er immer noch unterwegs nach Rom, denn erst am frühen morgen habe sie ihn verlassen. geküßt habe sie ihn nicht…

was Er damit meinte, verstehe ich allerdings nicht.

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[Wo das Meer stillsteht 2,11]

Der turm des komponisten

2

die einzige schlacht ist die zwischen klang und schweigen
du hörst die leiche den deckel öffnen und sich durch das erdreich arbeiten

der letzte tag ist endlich zu einem blassen brief gelangt
verzögerte zeit, grad genug, um zu vergessen

deklamierend im ungewohnten tonfall eines blutroten vogels
werden die toten erweckt und erliegen erneut dem tod

du erliegst      einem leben auf der seite einer partitur
wie ein strandräuber      den die zusammengebissenen zähne der tauben geschulmeistert

schreiben      das auf dem gesicht wachsende gras folgt dem strom des winters
das fleisch kehrt unsichtbar zurück

fleisch      das sich in der komposition verliert      das jetzt noch weiter gegangen
so wie es – das licht verneinend – von note zu note sich bewegt

[Wo das Meer stillsteht 2,10] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,12]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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Ein Buch ist keine Gurke.

Der neue italienische Kulturminister Rocco Buttiglione gestern auf der Turiner Buchmesse.

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Er: hast du es gehört?
Ich: schon wieder strohsandalen!
Er: antwortete er.
Ich: zen-priester suchen nach flöhen, sobald die meditation beendet.
Er: nun hat er ein kind und kennt die namen aller dorfhunde.
Ich: das bild, das der führer nicht zu lesen versteht, das zeigt er nicht.
Er: auch die prostituierte ändert ihren namen, sobald das spiel zu öde wird.
Ich: die fingerlose nonne: du lächelst sie an, doch sie lächelt nur.
Er: ja, sie schnitt ihn sich ab, weil sie als prostituierte ein gelübde getan.
Ich: soll ich die tür noch länger aufhalten?
Er: warum so ungeduldig?
Ich: das haus wird dunkel!
Er: und ich der lichtbringer, der luzifer…
Ich: ja, zum teufel, so meinte ich das nicht.
Er: dann laß nur brav den hund vor der tür liegen und vertraue auf die elektrizität.

ein zynischer diener meinerseits überzeugte Ihn endlich. und, o wunder, diesmal kramte er aus seinen tiefen taschen zehn flaschen weißbier, denn – so seine worte – Er sei gerade aus niederbayern zurück, wolle hier nur kurz rast machen, um dann weiter nach rom zu pilgern. indes goß er vorsichtig sein weißbier ins weißbierglas, mein einziges, das ich ihm gastfreundlich angeboten hatte, ich selbst nuckelte an der flasche…

Er: gebenedeit seist du.
Ich: mit sechzehn darf man anfangen zu rauchen. ich tu’s aber seit dem fünfzehnten.
Er: ich weiß. hast du mal eine für mich?
Ich: bedien Er sich. dein glück, daß ich kurz vorher im dorf war.
Er: wegen der hübschen jungen bedienung?
Ich: magari! nachdem er sein weib zu sehr gescholten, kocht er den reis.
Er: wenn der ostwind bläst, schickt mir euren duft, o pflaumenblüten, mag auch euer herr abwesend sein, vergeßt nicht den frühling.
Ich: komm schon, wir sind mitten im mai.
Er: also gut, deinen ohren zum tort: de-her mai-ist ge-kommen, die bäu-me schlaaaaaaaaaaaaaa-gen aus… zumzumzum.

ich fürchte, der abend wird noch lang…

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komischer vogel
holt tsitschilp tsitschilp
ständig zwitschernd luft
haspele selbst nach luft
als würden mir wolken
den hals verstopfen

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[Wo das Meer stillsteht 2,10]

Der turm des komponisten

1

die richtung der holzbrücke ist die faule richtung toter fische
regen      schwarz gefärbt von einem silbersee

stein      so zerfallen, daß wurzeln ihn greifen
haßwurzel, so daß efeu fleisch durchdringt

spei aus den regenklang      sommer wie angeschimmeltes fell
vogelsang stürzt sich in die hungrige ohrenfalle

hören      ward zu einer bresche im morgendämmer
alles, was im turm eingegraben, klingt hinaus in die musik

der aufgedunsene kopf eines verrückten taucht auf an der oberfläche
läßt den himmel wieder und wieder auseinanderfallen      rüttelt rasend die letzte nacht

doch nie wieder wird die letzte nacht vorübergeh’n      du
ganz umgeben von trüben fenstern, die sich nur den schmerzen einer person öffnen

[Wo das Meer stillsteht 2,9] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,11]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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