der himmel streicht …

der himmel streicht
die wolken aus der stirn
und blinzelt ein schneeaug’
von ferne

sein blick fällt auf erde
die langsam dich zuleckt
mit zungen, die triefen
von nässe und lehm

die lallen so schwer
wie der schritt eines vaters

dessen stein
dir die zähne ausbricht

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[Wo das Meer stillsteht 4,24]

Der süden

der ozean benutzt die stärke einer jeden gebärmutter-kontraktion
um den ozean zu leugnen – der stechende schmerz lebendig gebratener fische
den tod zu leugnen, ist nichts als nichtig
die blauen bücher auf dem kopf – von blinden geleugnet
sonnenlicht beleuchtet das geschlecht der jungen reiterin
doch dunkelgrüne beine am strand verbreiten gerüchte

wenn der zwölfmonatssommer dich nicht leugnet, haßt er dich
reicht dein ganzes leben – diesen einen tag zu leugnen?

ein in deinen lebenslauf eingefügter tisch
macht dich unfähig, dieser grausamen hitze zu entfliehen
eine zartgesottene leiche – prallt weiterhin mit deiner nacht zusammen
schweißtriefende wolken tränken das wörterbuch
sich an der luft zersetzender aufgeblähter fisch – geschrieben von ungeschriebenem
auf die seite unter deinem fuß, die du niemals erreichst
wieder einmal geleugnet durchs auffliegen

je mangelhafter das brüten – freudiger – desto leichter wird es zerstört

[Wo das Meer stillsteht 4,23] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,25]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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grüne messer dreht …

grüne messer dreht
der lorbeer
in den bauch des windes
sein blut orgelt
pfeifend ums haus

vor jedem fenster
mein abgeschnittenes ohr
vor jeder tür
dein lösegeld
fordernder mund

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modellie-

modellie-
modulie-
melodie-
limo die
erd‘
und kneten
ein -ren

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 9,8

9,8 Wenn dann die Schlechten in all ihrem Glück gedeihen, und die Guten in Armut leben, dann muß das nicht verwundern: da jene durch den Anreiz des Geldes alles unternehmen, diese hingegen nichts. Und wie das aufgehäufte Glück der Schlechten nicht deren Laster von Grund auf entwurzeln wird, so wird den Armen einzig die Tugend ausreichen.

[Salustius 9,7] <<>> [Salustius 10,1]
Einleitendes

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das kannst du nicht sagen …

das kannst du nicht sagen
welche „tümpel aus obst“?
wo doch nur unbeweglich
ein spiegel in der
zehntelsekunde noch
bevor der frosch
ihn durchbricht
und dein bild als welle
sich entschließt
wahr zu scheinen
im licht

kirschen der eigenliebe
ins dunkel einer vorahnung
von juni getaucht

(assoziationen zu „Harmonika“ von Paul Celan und einem berühmten haiku von Basho)

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gar nicht milde …

gar nicht milde
wie sein name
startet zephyr
auf dem schachbrett
der jahreszeiten
mit dem bauern in c4

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[Wo das Meer stillsteht 4,23]

Der norden

felder fahren schlitten – gleiten still in die vergangenheit
die straße – bestätigt lediglich, daß der himmel zerbröckelt
wie das verbrauchte weiß hinter jedem buchstaben

zeit – bloßgelegt
bei null grad – verprügelt blaßrotes dickicht den eifer des frühlings

ein fenster läuft schneller als ein hase
du wirst abgelenkt – gestopft in einen körper aus geschorenem hasenfell
die ohren hochgestellt von weißen fußstapfen
licht – festgenagelt in richtung kälte
eine so vorzügliche krankheit, das sie den menschen unbekannt
du siehst nicht – daß auch die organe des hasen den horizont verbergen
entzündung – gelächter
verschwinden gänzlich im unwandelbaren schnee

falls es erinnerung gibt
bist du vollkommener, wenn du abgeschnitten wirst

[Wo das Meer stillsteht 4,22] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,24]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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wir weben

wir weben
und weben
der teppich
ist blau
das muster
der äste
es zittert
noch grau

weiße taube
von rechts
nach links

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gestern morgen der fuchs

gestern morgen der fuchs : auf dem nachhauseweg : schaute kurz : zu mir herüber
heute mit dem auto : ins dorf : zigaretten holen
dies ist dein brot : und dies mein wein
dank- und grußrezitativ im supermarkt
ein löffelreiher : auf der überschwemmten wiese : rührt sich nicht
die abdrücke der nassen schuhe : auf dem fußabtreter
der regen : hört sich an : wie ein teppich : der schritte schluckt

bewegt sein: bewandert sein – erfahren sein – verlaufen sein

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