erdenschwer einer sonne untertan
bis hinauf zu den hüften im staub
hände rudern, häufen noch mehr staub
um hals und kinn, füllen mund, nase
ohren und leer geword’ne augenhöhlen
die schon längst unterschlupf bieten
den fossilien deiner vorvergangenheit

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(…)
Doch wenn einmal ein Löwe vor euch steht,
Sollt ihr nicht das Insekt auf ihm besingen.

Georg Herwegh, Den Naturdichtern

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vor den türen warten
ohne anzuklopfen
bis sie verwittern oder
jemand herauskommt:
straucheln soll er und
das haus soll brennen
das mein draußen
durch ein drinnen
offenbart

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[Wo das Meer stillsteht 2,16]

Gewalt im wald

an gebrochenen hälsen verknotet      zieht der himmel den kragen hoch
noch wüten schlachtrufe      der himmel hat begonnen, fleisch zu essen
wälder senken ihre köpfe      und der himmel lacht in weiter ferne
baumstümpfe stapeln sich      der himmel hat vergessen

das ist die gewalt, die du jeden tag siehst

grüne füße laufen herdenweis’
dem tode zu in einem schweigen, das immer tödlicher wird
hören den himmel      zufrieden füllen sie die erde hinter sich

gewitter      verwandelt dich in ein durchweichtes hackbrett
wie süß dem ohr ein messer, das auf den rücken einhackt
die grammophonnadel des sonnenlichts kratzt auf den jahresringen      nie werden sie wieder kreischen
baumstämme       erreichten mit mühe die wahrheit ihrer verwendung

das ist alltägliche gewalt

himmel      fällt den wald, denn er wird menschlich
denn menschen bluten nicht jeden tag
grad so wie du      in frieden und ruhe      deinen endlosen tick genießt

das ist alltag

[Wo das Meer stillsteht 2,15] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,17]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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das grüne getreide
reglos wie gelähmt
nur die ähren neigen
doch kein nicken
auch kein nein

das grimme gedonner
rasant hat’s gezuckt
nur die wolken schweigen
deinen blicken
dunkelschein

ein grobes geraschel
ruppig kommt’s gestürmt
und die blätter zeigen
nun den rücken
sind nicht dein

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Geh‘ ich, so wird der Schade größer!
Bleib‘ ich, so wird es auch nicht besser!

GOETHE, Zahme Xenien IV

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ertrunken im vogel-ich
dessen eierschale
zu dick für den
kraftlosen schnabel

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 3,2

3,2 Daß die Mythen göttlich sind, ist eine Schlußfolgerung, die sich aus denen ziehen läßt, die davon Gebrauch gemacht haben. Unter den Dichtern, die angehauchten; unter den Philosophen, die besten; die, welche die Mysterien gestiftet. Schließlich bedienten sich die Götter selbst der Mythen in den Orakeln.

[Salustius 3,1] <<>> [Salustius 3,3]

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Er: weißt du, daß ich briefmarken sammle, deren gummi brausepulver mit waldmeistergeschmack enthält?
Ich: und ich hab‘ im garten artischocken, deren herzen nur für mich schlagen.
Er: also sind wir mal wieder dazu auserwählt, mit leeren händen dazustehen.
Ich: möchtest du ein kaugummi?
Er: (macht böse schlitzaugen)

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scharwonzen
ich bin versessen
auf scharwonzen
dieses unnachahmliche
scharwonzenprickeln
wenn sie hauchzart
im ohr langsam
dahinschmelzen
und im letzten
sehnsuchtsping
verklingen

und dann minutenlang
das starren auf den punkt
im raum, wo dieses
„ping“ entstanden

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