richtig ist es gewiß, aber stimmen tut es wohl nicht
Musil, II, iii, 20
Es stimmt, was Sie sagen, aber ich habe recht.
Benjamin, Über Haschisch, 93 (suhrkamp taschenbuch 21)
richtig ist es gewiß, aber stimmen tut es wohl nicht
Musil, II, iii, 20
Es stimmt, was Sie sagen, aber ich habe recht.
Benjamin, Über Haschisch, 93 (suhrkamp taschenbuch 21)
5. Wo das meer stillsteht
Wo das meer stillsteht (1)
1
blau ist immer höher – wenn deine abscheu wählt
das meer – wenn eines menschen starren das meer nötigt
doppelt öde zu sein
zurückkehren wie immer
in das gemeißelte steinohr, in dem das getrommel zunichte wird
wo winzige korallenleichen – in einen schneesturm rieseln
glänzende flecken auf toten fischen
wie der himmel, der all dein sehnen hütet
zurückkehren zur grenze – scheint grenzenlos
zurückkehren zu den klippen – sturmköpfe ringsum
deine orgel ist dazu verdammt, nach deinem tod
weiterzuspielen – melodien der verwesung tief im fleisch
wenn das blau schließlich erkannt wird – das verwundete
meer – schimmernd mit tausenden kerzen steht still
[Wo das Meer stillsteht 4,29] <<>> [Wo das Meer stillsteht 5,2]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare
schäfchenwolken:
morgen gibt es
lammbraten
hirnbutter verstrichen
auf bröseligem grün
aufquillt sonnen-schmelz
auf wendenden
wenn-denn-zungen
salbet so auch das hirn
eine lingua tremens
12,1 Aber wenn die Götter gut sind und alles machen, weshalb gibt es dann die Übel in der Welt?
Oder muß man vielmehr anfangen zu sagen, daß – gerade weil sie gut sind und alles machen – das Übel keine Natur an und für sich hat, sondern durch die Abwesenheit des Guten eingreift? Gerade so wie das Dunkel nicht an und für sich besteht, sondern durch die Abwesenheit des Lichts.
[Salustius 11,2] <<>> [Salustius 12,2]
Einleitendes
g h a e h c e t e e h a s g e k t e a c k t e s g e h a c k t e s g e h a c k h a t e s g e t e e h a h a c k e s g e t e s c k t e g e h a c k t e s g e h a h a c k t e t e e h a s g e h a c k t e e s g e s g e h a c k c k t e t h a e s g e h a c t e e h a k t e s g e h a c k t e s g e e s g e h a c k t h a e s g e h a c k t e e h a t e c k t e s g e h a c k t e s g e h a e s g h a e c k t e s g e h t e e h a a c k t e s g c k t e e h a c k t e s g e h h a a c k e s g e t e s t e e h a g e h a c k t e s g e h a c k t c k t e e h a s g e h a c k t e e s t e e h a g e s g e h a c k t e s g e h a c k t e h a s g e h a c c k t e k t t e e h a e s g e e s g e h a c k t e s g e h a h a c k t e s g e h a c k t e t e e h a s g e h c k t e a e s g e c k t e s h a g e h a c k t e s g e h a c t e e h a k t e s g e h a c k t e s c e s g e h a k t e g e h a c k t e s g e t e e h a h a c k t e s g e h a c k t e s h a
Reiß die Morgentür auf, Ra- –
Paul Celan
Deinem Reiß die
Morgentür auf
Deinem im rücken Ra-
Deinem rücken
öffnen sich die
morgentüren Deinem
fort Deinem Ra-
Deinem gehen Deinem
reiß-aus-morgen
dem tag nicht wo
er radix-los wo
er der offenen tür
in deinem rücken
die wurzel die wurzel
aus reiß die morgen
die tür die mir
im rücken der Ra-
(die türen : im rücken :
öffnen sich : deinem fortgehen)
Brechts letzte Frage
winter bedeutet schwarz werden der pinien
schnee – bedeutet in einem unbelegten raum
lampenlicht von morgens bis abends
erhellt – einen belegten friedhof
ein entkleideter schädel läßt dich noch mehr einem dichter ähneln
hängt aus dem fenster die öffentliche rolle deines letzten lebens
bedeutet einen besuch bei deinem gefrorenen lächeln
den einband von glas – die inhalte ein schneesturm
des todes repertoire – ein menü der stadt
laß den glockenklang zwischen deinen beiden endpunkten ein händeklatschen sein
zwei du – die sich einander einbilden
die häßlichen vögel der hände schreiben den falschen grauen himmel
es bedeutet, daß die toten seit langem schon
diesen grabstein außerhalb des arbeitszimmerfensters gesehen haben – wie einen beileidsbrief
das grün einer jeden piniennadel wird schließlich vermietet
läßt das widerstreitende – das noch vorhandene sein
das ganze makellose zwielicht erfindet deine verrücktheit
fragt – was denn die nacht habe
nacht ist zweimal gestorben – was kann sie noch hoffen
[Wo das Meer stillsteht 4,28] <<>> [Wo das Meer stillsteht 5,1]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare
ich hatte mir vorgenommen
den fasan unten am baum-
bestandenen ackerrain
zu fotografieren
vielleich vergesse ich deshalb
immer den fotoapparat