es steh’n zwei bäume …

es steh’n zwei bäume
auf verlass’nem feld
die weh’n mir einen zauber zu
und düster ein gedanke reift
an dunklen ästen

die winken ganz im ernst

nach Emily Brontë: There are two trees in a lonely field; / They breathe a spell to me; / A dreary thought their dark boughs yield, / All waving solemnly.

die zunächst letzten beiden, dann die letzte zeile erfuhr dank den kommentaren von Sumuze folgende entwicklung

1.
die feierlich
im winde wank’n

2.
die winken ganz im ernst mir zu

3.
die winken ganz im ernst

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leer ist …

leer ist
die stelle
die die flamme
nicht erreicht

ist ein wind
der weiter
weht
als alle spitzen
die er
anspitzt
ihm zu folgen

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Leere Verheißungen eines “kleinen Jerusalem“: Web-Entertainment. Das kleine Ghetto von Pitigliano macht aus dem Städtchen keine himmlische Stadt. Aber zum ersten Mal eine Synagoge betreten: mit Käppchen. Ich dachte, es müßte sonst was passieren. Aber es passierte überhaupt nichts. Ich stand in einem nüchternen Raum und verstand gar nichts. Im Museum Fotos von Auschwitz neben liturgischem Gerät. Das sagte mir auch nichts. Und überhaupt: liturgisches Gerät!

Erst gestern lieferte ich die Übersetzung für einen Kurzführer durch ein Dommuseum ab: O du heil’jer Nagel! Um zu sagen: Liturgie ist Liturgie und somit Gottes-Dienst. Da ist für mich kein Unterschied. Vor dem Museum natürlich ein Geschäft: Alles, was koscher ist, gab’s zu kaufen. Hauptsächlich Wein. Da hat man dann etwas Exotisches zum Trinken. Jerusalem ist wohl doch nur ein Innen, Auschwitz auch. Das an ein Außen weitergegeben, im Jetzt aufhört zu existieren, eben weil es nicht mehr existiert, oder noch nicht, solange ich nicht – sagen wir – im wirklichen Jerusalem gewesen bin. So bin ich nur einer Verheißung aufgesessen, die nicht eingelöst wurde. Vielleicht ja eine beiderseitige Nichteinlösung. Wichtiger war sowieso, daß ich mit S. dort war. Und hingefahren bin ich auch nur, um mit S. zusammenzusein.

…dennoch, die Schatten, die mehr sagen, als der sie werfende Gegenstand!

…le désir, obskur sich bäumend in der Wölbung der sich in einem Punkt vereinigenden Kuppeln.
Solche Tage…! Die sich nicht wiederholen lassen…

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manchmal …

manchmal
im spiel der nachklänge
treffe man sich ja
auch wieder
die einander suchen
wie das ja
ein auch manchmal
der aufeinander
sich zuspielenden
wie in gewissen
konzerten
die ich zum ersten mal
hörte als ich
den werther las
instrumente

(die gegenwart der eklektisch aus verschiedenen zeiten hervorgeholten gegenwärtigkeiten)

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Ergänzung zum gestrigen youtube:

Das mit Auslassungen gesprochene Gedicht in der Übersetzung von Hanno Helbling:

Nachtgesang eines wandernden Hirten in Asien

Was tust du, Mond, am Himmel?, sag es mir,
was tust du, stiller Mond?
Am Abend steigst du auf,
ziehst über Wüsten hin und läßt dich nieder.
Bist du noch nicht genug
gewandert so auf immer gleichen Wegen?
Bist du’s nicht müde, diese Lande wieder
und wieder anzuschauen?
Wie ähnlich ist dein Leben
dem Leben eines Hirten.
[…]
Und dennoch magst du, einsam-ew’ger Wandrer,
im träumend-wissenden Gedanken wohl
dies Erdenleben fassen
und unser Seufzen, unser Leid verstehen;
auch dieses Sterbenmüssen, dies Erblassen
des Angesichts zuletzt,
das Schwinden von der Erde, aus dem lieben,
vertrauten Umgang einst mit den Gefährten.
Und du begreifst gewiß,
warum die Dinge sind, und kannst die Früchte
des Morgens und des Abends,
der stillen Zeit, der ungemeßnen, sehn.
Du wißt gewiß, an welchen holden Trieben
der Frühling sich ergötzt
und wem die Hitze frommt und was der Winter
mit seinem Eise schafft.
So weißt du tausend Dinge, tausend schaust du,
die sich dem schlichten Hirten nie enthüllen.
[…]
Wenn ich die Flügel hätte,
um über Wolken hin
zu fliegen und die Sterne dort zu zählen
und wie der Donner durchs Gebirg zu irren,
wär ich wohl glücklicher, du liebe Herde,
wär ich wohl glücklicher, du reiner Mond.
Wohl aber mag mein Sinn
das Wahre, lockt ihn fremdes Los, verfehlen:
wohl wird auf dieser Erde,
im Haus wie in der Höhle, mit dem Leben
auch sein Verhängnis jeglichem gegeben.

Der Schlußakkord kommt jedoch mit abgestumpften Kanten, eigentlich ja „è funesto a chi nasce il dì natale“: unheilvoll ist, wem er aufgeht, der Tag der Geburt.

Mit Leopardi beginnt und vollendet sich die Moderne als Epoche des Nichts. Mit dem Mond versinkt auch der Sinn.
Stefan Ripplinger, Monduntergang – Leopardi, in: Auch. Aufsätze zur Literatur

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Canto notturno di un pastore errante nell’Asia

Giacomo LEOPARDI, Canto notturno di un pastore errante nell’Asia

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sonnenkick …

sonnenkick
ins schwimmbad
den weißen
wölkchen
untertan
die gegen all
das blau
rebellierten

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Aus meiner Theorie der Freude (piacere) folgt, daß der Mensch, der immer nach einer unendlichen Freude strebt, die ihn vollkommen zufriedenstelle, immer etwas wünscht und erhofft, das er nicht begreifen kann. Und so ist es tatsächlich. Alle menschlichen Wünsche und Hoffnungen, auch diejenigen hinsichtlich ganz bestimmter Güter bzw. Freuden, und auch wenn sie bereits andere Male erfahren wurden, sind niemals vollkommen klar und deutlich und genau, enthalten dennoch stets eine unklare Vorstellung, und beziehen sich stets auf einen Gegenstand, den man unklar wahrnimmt. Daher und aus keinem anderen Grund ist die Hoffnung besser als die Freude, da sie jenes Unendliche enthält, das die Wirklichkeit nicht enthalten kann. Und dies kann man hauptsächlich in der Liebe sehen, wo die Leidenschaft und das Leben und das Handeln der Seele lebhafter denn je sind, wo der Wunsch und die Hoffnung ebenfalls lebhafter und empfindlicher sind und mehr als unter den anderen Umständen hervortreten. Man beachte, daß einerseits der Wunsch und die Hoffnung des wahren Liebenden verwirrter, unbestimmter, ungenauer ist als bei denen, die von einer beliebigen anderen Leidenschaft beseelt sind; und es ist dies ein (bereits von anderen bemerktes) Kennzeichen der Liebe, dem Menschen eine unendliche Vorstellung vorzuhalten (d. i. von der Empfindung her unendlicher als die von den anderen Leidenschaften vorgehaltenen), die er weniger als andere Vorstellungen begreifen kann usw. Andererseits beachte man, daß diese Leidenschaft gerade aufgrund dieses von der Liebe untrennbaren Unendlichen inmitten der Stürme, in denen sie sich befindet, die Quelle der größten Freuden ist, die der Mensch an sich erleben kann. (6. Mai 1821)
Giacomo LEOPARDI, Zibaldone

Alles ist übel. Das heißt, alles was ist, ist übel; jedes Ding, das da ist, ist übel; jedes Ding ist da um des Übels willen; das Dasein ist ein Übel und übel bestellt; Zweck des Universums ist das Übel; die Ordnung und der Staat, die Gesetze, der natürliche Verlauf des Universums sind nichts als übel, noch auch auf anderes gerichtet als das Übel. Es gibt kein anderes Gut als das Nichtsein: nichts anderes Gutes als das, was nicht ist; die Dinge sind keine Dinge: alle Dinge sind böse. Alles Bestehende, die Gesamtheit der bestehenden Welten; das Universum, nichts als ein Muttermal, ein Stäubchen in der Metaphysik. Das Dasein ist gemäß seiner Natur und seines Wesens, die ihr eigen und allgemein, eine Unvollkommenheit, eine Regelwidrigkeit, eine Ungeheuerlichkeit. Aber diese Unvollkommenheit ist ein Geringes, ein Muttermal fürwahr, denn alle Welten, die da sind, wie viele und wie groß sie auch immer sein mögen, gewiß aber nicht unendlich, weder an Zahl noch an Größe, sind daher unendlich klein im Vergleich zu dem, was das Universum sein könnte, wäre es unendlich; und das ganze Dasein ist unendlich klein im Vergleich zur wahren Unendlichkeit des – sozusagen – Nicht-Daseins, des Nichts […]
Giacomo LEOPARDI, Zibaldone

Das hat jetzt jedoch nichts damit zu tun, daß es heute zu keiner Verabredung gekommen ist… ich suchte nur andere Emotionen… und fand sie.

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Heute ihr Geburtstag. Hätte ich keine Glückwünsche geschickt, hätte ich mich auf ihre Polemik eingelassen, die in ihrem – wie ich die Mail jetzt nenne – „Entlassungsschreiben“ deutlich zum Ausdruck kam. So machte ich es simpel und fast schon aufrichtig. Wobei ich nicht weiß, welchen wie gearteten Freiraum dieses „fast“ jetzt läßt. Sie, überrascht, meinte in der Antwort-SMS, ihr Dank sei wohl ebenso unerwartet. Nein. Sofern einer agiert, und nicht reagiert. Auch so ein Fehler all der Jahre: immer nur reagiert. Gewisse Erkenntnisse fallen manchmal wie Groschen auf den Grund dessen, was man als Automat nicht erkannt hat. In diesem Sinne dann S. angerufen: Morgen?

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meine lächel- …

meine lächel-
pausen zwischen
fensterflügeln
in der küche
rauchend und durch
den spalt spähend
der fensterläden

heute trug sie
– leib – ein leibchen
so eng und gelb
so gelb und eng

ich indes mich
spiegelnd machte
ihn lang ganz lang
den oberkörper
den nackten bis
unterhalb des
umbilicus
mundi (doch…)

aber mich nun
zu sehen mit
augen die ihr
gehör’n – geht nicht…

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