das simulieren …

das simulieren
der kurven durch mähliches
drehen des lenkrads

dank der hydraulisch unter-
stützten betätigungskraft
beziehungsweise des
zur betätigung des lenk-
rads reduzierten aufwands
an kraft, ohne wild mit den
armen händen zu fuchteln

sprich servolenkung
so in der mittagshitze
(kein yoghurt mehr da!)

varianten: (weinvorrat alle!) (kartoffeln kaufen!) (zigaretten : ja!) (ich muß raus muß ich!)

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daß deine …

daß deine
breiten lippen
mich hätten
so lange
zögern
lassen

hätte ich
auch nicht
gedacht

(vor dem
überqueren
einer breiten
straße)

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Drei Gedichte eingeschickt für einen Preis, den’s am 17.8. auf dem Terminillo gibt in knapp unter 2000 m Höhe. T. natürlich wieder, die mich darauf hinwies. Die zu sehen mir seit meiner Rückkehr im Januar aus Berlin nicht mehr gelungen ist. Also eine Gelegenheit eher dafür. Dann aber wollte ich doch wieder nicht und überzeugte T. von der Lächerlichkeit des Preises. Am nächsten Tag kam eine SMS von S. aus S., ob ich’s nicht doch noch probieren wollte. Wieder an T. geschrieben, die schon überzeugt war von meinen Argumenten. Und dann am letzten Tag einfach geschickt. Was wird, das wird. Keine Nachricht von Elisa Biagini. An die ich nun vor einem Monat meine Übersetzungen geschickt habe. Urlaub? (Erwähnt hatt’ ich’s hier u.a.). Oder wie T., die gleichaltrige, überzeugender Enthusiasmus des Augenblicks, und dann die Idee schon als Wirklichkeit abhakend. Wie ich. Manchmal. Auch. Und sich sonnen in diesen Ideen, als erlebte man sie schon in einer anderen Realität. Aber mittlerweile würde ich eher S. wiedersehen wollen. Morgen ihre Reise zurück von S. nach Tuscania, dann wohl zu den ‚roten Häusern’ oberhalb von Orvieto, wo sich die Grenzen zwischen Umbrien, Latium und Toskana berühren. Mein Auto steht in der Garage. Morgen vorsorglich tanken!

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schweigend …

schweigend
es denken daß
schweigend
du denkst
was schweigen
und denken
einander
sich geben

den gedanken

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Soratte mal wieder

Scharen führt er zum Streit und erweckt die Geschäfte des Eisens.
Teils Fescennias Spitzen, und teils die gerechte Faliscus,
Teils soractische Höhen bewohnt’s, und flavinische Felder,
Auch des ciminischen Sees Bergwald, und die Haine Capenas,
Gleich in geordnetem Tritt gehn all’, und besingen den König:

Vergil, vii, 694 ff., Voß.

„dem Iuppiter Anxurus, dem Zeus in seinem jugendlichen Leuchten, dem ein Pythagoreer des 20. Jahrhunderts u. Z., Evelino Leonardi, diese Zeilen widmete: ‚Aus der Wurzel SUR, die Glänzen bedeutet, hat man im Sanskrit Suria, die Sonne. Und dann haben wir unseren Soratte, den Berg der Sonne, sacrum Phoebo Soracte, wie Silius sagt; und bei Terracina den Tempel für An-Sur, den nicht Erloschenen, den Unlöschbaren, die Sonne.“

Nach diesem Text.

Schutz des geweihten Soracte, der Ewigen höchster, Apollo,
Den wir zuerst anflehn, dem fichtener Brand in dem Stapel
Flammt und dem im Vertrauen der Frömmigkeit mitten durch Feuer
Auf viel glühende Kohlen wir Dienenden setzen den Fußtritt!

Vergil, xi, 785 ff., Voß.

Weil ich die Idee hatte, mir ein dreidimensionales Modell des Soratte anzufertigen und es in eine Schneekugel zu setzen, damit es wie bei Horaz auf ihn schneit, und ich zum Souvenir-Trödler werde. Ich sah ihn vor der Dunkelheit sich im Dunst ausflocken. Darum vielleicht. Vielleicht auch, weil ich selbst verflockt auf das Setzen des Niederschlags wartete, so zwischen Routine und Nichtroutine. Aber ich bin auch schon mal nach Jerusalem geflogen, um der Lasker-Schüler eine Rose aufs Grab am Ölberg zu legen. Doch auf den Soracte werde ich bald fahren. Mobil, wie ich jetzt bin.

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der dativ …

der dativ
der ortsbe-
stimmung
der sandalen
wenn du sagst
„geben und
nicht machen“
wo die zehen
die finger bis
zehn zählen
und ich bei

geschlossenen
augen meinen
ort bestimm‘

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lontano

Etwas bewußt inszenieren. Damit es nicht ins Banale zurücksinkt als: Ich habe ein neues Auto. Und? Da das neue Auto einen CD-Player hat, steckte ich mir György Ligetis „The Ligeti Project II“ ein, auf dem „Lontano“ zu hören ist. Ganz im Bewußtsein der Eingangssequenz zu Kubricks „Shining“: die Autofahrt zum Overlook Hotel. Und die hörte ich dann, als ich das neue Auto von Terni bis Orte fuhr, und von Orte bis Amelia, und von Amelia bis zu meiner Overlook Wohnung, die sie ist. Aber „Shining“ findet nicht hier statt. „Shining“ hat bereits stattgefunden. Im vorherigen Overlook Hotel. Man fand mich erfroren im Labyrinth. Bevor ich hier auftau(ch)te. Aussichten aber haben viele Himmelsrichtungen, je mehr sie überblicken (overlook), räumliche und zeitliche. Immerhin bin ich endlich das Auto los, das einst dem Schwiegervater gehörte. Wenn das kein Grund war…

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haselnuß …

haselnuß
pistazien

eis essen
im schatten

geradeaus
die straße

die vor
dir liegt

in der sonne
am frühen

nachmittag
corso tacito

wie hinge-
schwiegen

in seinem
namen

langsam
gehen dann

dort wo die
häuser dir

dunkel
deine gestalt

vorwerfen
und sie ver-

schwinden lassen

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Die andere Sprache wieder, in der ich mit mir rede, seit ich an sie denk’. Was folglich ein Mir-ihr-reden ist. Die Adresse bestimmt die Sprache. Welten-Bummler. „Deine Vergangenheit mit mir, an die du scheinbar nicht mehr denken willst.“ Was ein anderes Mit-mir-der-mir-scheinbar-zu-entsprechen-scheint-reden gewesen ist. Und mich entläßt mit einem „Schönes Leben“, wie sie’s meinem Nachnamen wünschte. Nicht mir. Alice Doesn’t Live Here Anymore. Und ich nicht mehr dort. Soweit zu den Adressen. Und den Absendern.

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durch den wald …

durch den wald
stein der da liegt
an weges rand
rüssel und schnabel
katzenkopf und
mädchenlippen
mit dem ohr
eines elefanten
das alles hört

angehoben und
wieder hingelegt

die schwere sprache
der steine am rand

(5.7.08)

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