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Any time you want
A write a fucken poem
Ope this book

Jack KEROUAC, Richmond Hill Blues

prrrrrrrrr

die vitrine – kloing – spiegelt
das vom tischchen – tschonk –
gespiegelte – wroam – vom mond
gespiegelte s[ssssss]onnenlicht

die sonne hat keinen spiegel (aha!)
oder ist die summe allen  – o! – lichts
das von ihr ausgegangen – geh aus
mein herz, such freud‘ such freud’…

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licht-ei, das den mond sich brütet
darin die sichel immer dicker wird
bald wölbt sie vor zur fingerkuppe,
bohrt sich ein gleißend‘ loch und

zeigt auf dich, wo du auch stehst

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Der Himmel war grau im Oktober
nur fern noch zirpen zikaden
das Laub eine mürbe Zier
"Lontano" pfeift’s: Ligeti
das Laub eine dorrende Zier
gleichmut versehrende seele
Ernst sprachen wir, kühl, im Oktober
ferne spendender, rot-roter wein
doch dachten wir lahm und wirr
sich fortkeimendes mordreimendes wort
the ghoul-haunted woodland of Weir
(pretty weird you are, aren’t you?)

es dunkelt, und welche Nacht!
es humpelt der geist
und bettelt um pracht…

[Kursive Stellen aus "Ulalume – Eine Ballade" von E.A.POE, deutsch von H. WOLLSCHLÄGER]

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links ein loch für fußgänger (die tür)

rechts ein loch für augenblicke (das fenster)

in der mitte ein loch (der bildschirm)
damit das stumme loch
in meinem gesicht sieht
was es sagen würde
wenn es den mund auftäte
(wozu ihm allerdings die nötige motivation fehlt)

nein
damit der dumme mund weiß
was potentiell gesagt werden könnte
(aber meist nicht gesagt wird)

nein
damit die geschlossenen lippen
aufeinandergepreßt bleiben können
(gram, groll, grimm)

nein
damit über die tastatur
der kopf durch konventionelle
zeichen über die cpu des pc
auf dem bildschirm auf diese
weise vermittelt anzeigt
was der mund so nicht
mehr laut sagen muß, nämlich:

wer schreibt, der schweigt

(früher gab’s sogar noch lochkarten und locher, und fiese leute nannte man arschlöcher (übrigens: lange nichts mehr von Loch Ness gehört))

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daß du heute schon so
daß du schon da bist
daß du schon jetzt

dein enttäuschtes gesicht
als du feststellst
daß dein blutdruck normal ist

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DILEMMA 2 – „Und schwarze zappelnde Menschenfische: ein Mädchen mit nacktem Oberkörper sprengte kekkernd heran, und die Haut hing ihr um die verschrumpften Brüste als Spitzenkrausen; aus den Achseln wehten ihr die Arme hinterher wie zwei weiße Leinenbänder. Die roten Wischlappen am Himmel schrubbten polternd Blut. Ein langer Plattenwagen voll gekochter und gebackener Menschen schwebte auf Gummirädern lautlos vorbei.“ – Arno SCHMIDT, Aus dem Leben eines Fauns
nun habe ich mich wieder in die brennesseln gesetzt, weil ich nur halb reflektierte, was mir spontan zu einem text einfiel: wieso argumentiere ich bei Alban Nikolai Herbst mit unmenschlichkeit bei einem text, der im grunde nichts anderes beschreibt, als das, was oben auszugsweise bei Schmidt [jetzt im weiterschreiben – eine nacht lag dazwischen – kommt auch noch die lang zurück liegende lektüre von Döblins „Berge, Meere und Giganten“ hinzu] steht? Herbst selbst zitiert auch noch eine zerstörung beschreibende stelle bei Homer. was also war in Herbsts text, das mich erschreckte (und dadurch unbewußt abschreckte, und was mir bei Schmidt und Homer nicht passiert)? eine frage der sprache durchaus. Homer und Schmidt benennen (wenngleich jeder anders) nicht direkt, vergleiche und metaphern helfen den blick dennoch abwenden, machen das grauen erträglicher, weil in der sprache selbst über die realität in eine andere realität hinausgehoben, die nicht mehr dem geschehen angehört (haut / spitzenkrausen; die auf der tenne dreschenden stiere / achilles‘ über leichname stampfende rosse). im argo-text wird das geschehen kaum durch vergleiche vermittelt, und die verwendeten vergleiche (pflaumenmus, ähren, schaumküsse) verschwinden in der masse der sich verselbständigenden menschlichen innereien. und vermitteln kein darüber hinaus. das einzige bild, das doch noch distanz suggeriert, ist der fernsehapparat am schluß, der all das zeigt. vielleicht ja hier die klippe, auf die der schiffbruch-zuschauer gehoben wird, was bei Schmidt und Homer die durch die bilder geleistet wird, die über die beschriebene realität hinausheben. aber das fernsehen schafft eine allzugroße distanz, als daß es katharsis erzeugen könnte. und daß dies nun ausgerechnet das TV ist, paßt allerdings in die gegenwart, in die der text erklärtermaßen eindringen will. das ist sogar symptomatisch für eine gegenwart, die unfähig ist, sich über die brutalität der welt zu entsetzen, wenn nicht durch einen allein unter die eigene haut gehenden halb lust- halb angstschauer, wobei die sicht auf die dinge entstellt wird durch die in jenem medium öffentlich suggerierten interpretationsmodelle, die allerdings auch nur die interessen der meinungsmacher interpretieren. behauptet wird, was geglaubt werden soll. – ja, und gerade durch den fernseher wird die beschriebene apokalypse noch unmenschlicher. (was wiederum auf die gefilmten enthauptungen im Irak indirekt verweist, und nicht zuletzt auch im reflex auf die kopf-ab!-äußerungen in den zeiten der Rote Armee Fraktion (stichwort „Menschheitserfahrung als Archetypos“ [Herbst]).
fazit: der argo-text löste in mir aus, was er in jedem leser auslösen sollte: kein ablehnen des textes, sondern immer auch ein abtasten der eigenen, normalerweise unzugänglich abgespeicherten bilder. die anfängliche reaktion ist die eines nachrichten-konsumenten, der nicht über das berichtete nachdenkt, sondern es durch klischeehafte kommentare zudeckt und so in seine bedrohte heile welt hinüberretten will.

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ich wußte gar nicht
daß du heute schon so
früh nach hause kommst
ich wundere mich
daß du schon da bist
ich habe dich
später erwartet
ich war gar nicht
darauf vorbereitet
daß du schon jetzt
zurückkommst
aber immer wenn du
später kommst als
ich denke oder erwarte
denke ich
gleich ruft die polizei an
und ich stell‘ mir
einen unfall vor
und dann denke ich
gleich ruft die polizei an

ich dachte
ja, was dachte ich eigentlich…?
was wollen wir
eigentlich essen
oder wollen wir
ins kino
oder wollen wir
was du willst

oder soll ich?

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DILEMMA – ich lese eine behauptung, die genau das negiert, was für mich hingegen affirmativ gilt. etwa in der art „ich habe weder das noch das gemacht“ („das“ und „das“ stehen für werte, die für mich latent negativ besetzt sind), dem mein „ich habe das und das gemacht“ (und hier desavouieren „das“ und „das“ mich als einen, der sich gegen diese zugeständnisse an scheinbar unabwendbares nicht hat wehren können) entgegensteht. diese das-bin-ich-nicht-sätze, die mir ins auge springen und mich dabei ertappen, das darin so formulierte andere als modellhaft hinstellen zu wollen, dem ich nicht entspreche. das bewirkt natürlich nicht der schreiber, was weiß der schreiber von mir? das bewirkt der leser! – es ist, als behauptete ich: „ich stecke meinen zeigefinger nicht in den arsch“.
nein, hier kommen ganz andere überlegungen ins feld, die ganz deutlich mit dem schreiben zu tun haben und möglicherweise auf diesem umweg auch mit dem bloggen selbst, oder mehr noch: mit dem niemandsland zwischen dem persönlichen tagebuch und dem anspruch, über das persönliche hinauszugehen und darum etwas zu schaffen (denn tagebuch ist nicht unbedingt ein kreatives unternehmen, denn es rekonstruiert schlimmstenfalls den im idealfall reflektierten unkreativen alltag, um dann als rechenschaftsbericht dazustehen). zum einen die brutale offenheit ganz eminent sich selbst gegenüber als voraussetzung für die nach außen gekehrte schreibende offenheit (offen – öffentlich), was das tagebuch in eine FREUDsche couch verwandelt oder es in ein instrument verwandelt, den lesern im sinne einer verzweifelten ich-behauptung ihr eigenes im vergleich zum ich des schreibenden minderwertiges ich um die ohren zu schlagen und zu erniedrigen (auch wenn der schreiber dies nicht bewußt veranschlagt): denn alle selbstbehauptung will sich gegenüber dem nicht identischen anderen durchsetzen, sich über ihn bzw. es hinwegsetzen. zum anderen die umwandlung des reflektierten in sprachliche reflexe einer sich im schreiben gebärenden welt… schönes bild: etwas, das sich selbst gebärt: fortpflanzung der einzeller: primitivstes leben! – also von vorn: zum einen die beschreibung eines allen gängigen geschmacksmustern zuwiderlaufenden ich, das so sich selbst auf die sprünge hilft und sich seiner selbst vergewissert (das unreflektierte ich); zum andern das sich in beziehung setzende ich, wobei es aus den vielfältigen beziehungen ein ganz eigenes geflecht und eine extrem individuelle eigenwelt entstehen läßt, wohin immer auch diese beziehungen sich verzweigen (das sich reflektierende ich).
und was hat das jetzt mit dieser – ja doch von ANH – initiierten diskussion zu tun (denn hier liegt der ausgangspunkt für diesen text!): um „antiquierte sprache“, um „poetische sprache“, um „bloggen“ und „sich verschiebende zeitachsen“? scheinbar nichts, ginge es nicht um schreiben und lesen tout court.
für mich persönlich gilt nach wie vor dieses: die scheinbare öffentlichkeit dieses blogs zwingt mich, mich zu äußern und zu veräußerlichen. und gar nicht so, wie ich das als student damals tat mit einem blatt papier vor mir, das ich am ende nur noch vollkritzelte mit hieroglyphen, die ich am nächsten tag gar nicht mehr verstand, geschweige denn guthieß. was nicht heißt, daß ich nicht auch hier zuweilen „bereue“. die öffentlichkeit zwingt zu einer art kontrolle, sogar zu einer selbstzensur: nicht alle themen sind für mich auf diese weise ansprechbar, besonders die nicht, die „ans eingemachte“ gehen: darum meine obigen ausführungen, sie können nur von mir ausgehen, was sonst wäre mein schreiben. das sogenannte „eingemachte“ bedarf einer behutsamen annäherung, das entsprechende „einweckglas“ könnte sonst einen fürchterlichen gestank von sich geben und die luft nachhaltig verpesten. ich muß vorsichtig sein! schließlich lebe ich nur dieses leben, und ich möchte es mir so lebenswert wie möglich erhalten.
allerdings bin ich zu sehr auf mich selbst bezogen und zu sehr erschreckt mich, was seit beginn dieses blogs an „literaturbetrieb“ in meine ja doch recht isolierte welt einbricht (aber es gilt auch: „schaden“ führt zu klugheit), als daß ich sehr viel weiter eingehen könnte auf dahinter liegende „gängige“ theorien. darum: immer aus dem hohlen bauch heraus (der ist natürlich auch nur hohl, weil er gerade fertig ist mit verdauen, denn ganz ohne nahrung geht’s auch nicht, auch wenn eine andere diät auf dem programm steht).

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fotokopierte daseinsberechtigung:
paß, kaufvertrag, steuerbescheid –
seltsame, von hinter schaltern sitzenden
damen mit geheuchelter freundlichkeit
überreichte oder in anonymen büros
lustlos „erstellte“ spuren meiner selbst
um sie dann als ich-bin-nachweis
hinter schaltern sitzenden damen
mit geheuchelter freundlichkeit zu überreichen

dann lieber spurlos verschwiegen
weil alle worte die spur der gedanken
in diese hineintrampelnd verwischen

die lust, mit dem auto mitten
durch eine pfütze zu fahren

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