ätherrauschen in multifrequenz : erzeugt polyvalenz der kommunikatz‘ : bedingt durch sonnenflecken : est macula in te : o susanna du hast ein‘ leberfleck : den knutsch‘ ich dir noch weg : ist aber susanna im bade : then beware diana! : switch off!

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

Liebesbrief eines Jukagiren-Mädchens: Die Umrahmung a, b, c, d, e, f bezeichnet ein Zelt. Die beiden Figuren darin stellen einen jungen Mann g und ein junges Mädchen h dar. Da beide Geschlechter bei den Jukagiren fast völlig gleich gekleidet sind, werden die Figuren gleichförmig dargestellt. Die weibliche Figur ist durch einen kleinen Zopf k gekennzeichnet. Die Punkte unterhalb der Figuren stellen die Bastschuhe dar. Die Punkte in den Beinlinien geben die Knie- und Hüftgelenke an. Die beiden Figuren werden oben durch zahlreiche Linien verbunden, die das Liebesverhältnis darstellen. Die gekrümmte Linie m n bedeutet Umarmung.

Brockhaus Enzyklopädie, 17. Auflage

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

alle blumen sind zerpflückt
haben keine blätter mehr
schmucklos bleibt die antwort leer
frag’ nicht mehr: ist’s denn geglückt?

weiß nur, daß ich vorgerückt
auf dem weiten lebensmeer
grundlos ohne wiederkehr
trunk’nes schiff und ich verzückt

also schreib’ ich in die spur
die das schiff den wellen gibt
kommt die nacht, dann taste ich

dies im grunde brauch’ ich nur
daß mich welle vorwärts schiebt
und wenn nicht, dann reim’ ich: mich

[similsonetto: abba abba cde cde, name des versmaßes unbekannt (zu faul zu suchen), jedenfalls stets 7 silben]

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort

bräutlich und weiß umnebelt schreitet das land vor den altar der morgenröte, sich dem tage zu vermählen. krähenscharen krächzen hochzeitsmarsch. ein jeder spricht sein ja, ein jeder glaubt sich wahr. doch bald schon entfernt die sonnenhand das ganze drum und dran. war alles nur kulisse. nicht mehr weiß ist die braut, schwer lastet auf brauner erde ein allzulanger tag: wolken ertrinken im kalten blau der himmelsfluten. fern noch die stelle dort droben im wald, an der ein ersehnter abend den tag verbluten läßt. alles steht starr und harrt. auf ein ende.

Triffst jedoch das Trauerwort
Hebet an die Welt zu ringen
Und es sprudeln fort und fort
Leid und Qual aus allen Dingen

[wieder mal EICHENDORFF-meditationen]

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

Deine melodisch elegischen Attitüden faszinierten ringsum. Genau: Ich hatte allzeit in Rom jubelnde Intuitionen. Keine Trällerweisen, Lapalien. Äpfelschuh’ markierten meine Nachmittage, Abende! Orgastische Zeit: pulste zuckend Qualen amorwärts, ruhte nimmer, suchte Träume, trank Immortalität. Und fast verfiel unsere Wohnung. Rasende X-Chromosomen, invadierende Y-Chromosomen mäanderten Zeugung. Mutterschaft aber erschuf bald remote Camouflage.

(alphabetisch verbrämtes akrostichon)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft, zu tragen,
Was ich nicht will!

Joseph von Eichendorff

(abgesehen von der anrufung des HErrn, überrascht mich, bei Eichendorff etwas zu finden, das mich berührt, fast so, wie ich vor zwei jahren mal meinen kopf an Hölderlins pathos-schultern legte: Größeres wolltest auch du… (aber auch hier birgt sich eine lüge: ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich tatsächtlich je etwas wirklich wollte))

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

Auf dem Weg nach Montecastrilli sah ich Ihn heute gleich neben dem „Golosauro“ (immer dienstags und freitags im nächstgelegenen Dorf gegenüber der Abzweigung zum Dorfkern: Spanferkel, Wurst und Käse) an der Straße stehen. Allerdings bemerkte Ihn erst ein zweites Hinsehen, denn ich mußte warten, bis das Auto vor mir ins Dorf abbog. Aufgefallen war mir nämlich zunächst nur das bunte Durcheinander der schwebenden Ballons, die sich im Näherkommen als aufgeblasene Menschenfiguren mit stramm abstehenden Armen und Beinen erwiesen. Als ich dann Zeit hatte, einen Blick auf den Ballonverkäufer zu werfen, erkannte ich Ihn natürlich sofort trotz seiner winterlichen Vermummungen. So ein impertinentes und gleichzeitig undefinierbares Gesicht hat sonst keiner. Das scheinbar Amorphe seiner Physiognomie scheint wie geschaffen, dem Betrachter stets sein eigenes Selbst ad absurdum zu führen. Er hob kurz das Kinn zum Zeichen, daß auch Er mich erkannt hatte, und ich bedeutete ihm mit einem Kreisen des Zeigefingers, daß ich in Kürze wieder vorbeikommen würde, Er also warten solle.
Ich machte mich endlich wieder auf den Weg, nachdem mein Vordermann mindestens fünf Autos hatte vorbeilassen müssen, bevor er abbog. Erst mal zur Tankstelle: zehn Euro Benzin fürs Nötigste. Dann nach Montecastrilli: auch dort, um Kraftstoff zu besorgen – im Billig-Supermarkt. Sonne beschien die Felder und ließ in der Ferne das schneebedeckte Massiv des Terminillo in einem matten Glanz leuchten, der sich zuweilen über gewisse Träume breitet, in denen mehr Wahrheit als Traum gaukelt.
Wieder beim „Golosauro“ angelangt, lenkte ich das Auto an den Straßenrand und stieg aus, um die Straße in Richtung Ballonverkäufer zu überqueren, der tatsächlich auf mich gewartet hatte, denn sein Kinn hob sich diesmal etwas lebhafter, auch ließ Er seine anthropomorphen Ballons am Arm kurz in die Höhe schnellen.
Ich: Was denn, verkaufst du jetzt aufgeblasene Menschen? Übrigens: ein gutes neues Jahr!
Er: Danke gleichfalls, Monsieur! Aufgeblasene Menschen? Wasserleichen!
Ich: Hübsch bunt die Wasserleichen!
Er: Nun gut, ich verkaufe das ins neue überschwappende vergangene Jahr.
Ich: Verstehe. Nicht sehr pietätvoll!
Er: Ach, Scheiß auf die Pietät! Es verbindet sich immer alles zu einem Ganzen, das Angenehme und das Unangenehme. Das Gute und das Böse.
Ich: Hat schon jemand einen Ballon gekauft?
Er: Ja, die einsam wandelnde Frau, die gigantische Meteoriten ankündigt.
Ich: Die mit der komischen Handtasche am Arm, die scheinbar ziellos durch die Gegend läuft?
Er: Exactement.
Ich: Leider fand ich gestern nur das Fragment einer neuen Warnung an die Menschheit, aber ich glaube, sie sprach von „Gotteslästerung“.
Er: Abgesehen davon: Sieh doch einmal die Farben der Ballons. Es sind die Fraben der olympischen Ringe. Auch das gehört zum vergangenen Jahr.
Ich: Wasserleichen aller Länder vereinigt Euch!
Er: So ungefähr. Außerdem schweben sie an meiner Hand. Das heißt, ich bin der Herr über ihr Schicksal.
Ich: Du meinst, du kannst sie gen Himmel schicken?
Er: Richtig.
An dieser Stelle kramte er in seinen Taschen und zog einen langen Faden hervor, an dessen einem Ende eine schwere Krampe festgebunden war.
Ich sah Ihn stirnrunzelnd an.
Er: Verdienen will ich sowieso nichts an dem Ballonverkauf. Soll ja nur das vergangene Jahr versinnbildlichen. Wenn ich also den Faden mit der Krampe hochschnellen lasse, dann macht irgendein Ballon „plopp!“ und hin ist er. Also wer explodiert, der explodiert.

Sie wandte das Gesicht, während sie mechanisch die Waffe hob. Sie konnte nicht mehr rechtzeitig schießen. Urgos Kopf zeigte einen Moment lang das Profil. An seiner Stelle der Tropfen Speichel. Die Poren offen, überhitzt. Dann platzte er: und das dumpf zischende Dröhnen. Laurie fiel auf den Rücken, betäubt von der Gewalt der Explosion.
Juan ABREU: Garbageland (nach der ital. Übersetzung)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

stumpfe lichtklingen
schneiden unscharfe
silhouetten

(jetzt, wo ich an die paar schritte draußen zurückdenke, empfinde ich mich im nachinein körperlich und geistig als wahrnehmungsschablone)

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

miszellen

1. ohrlos : die hände verstümmelt : die kopfhaut halb kahl : schwankt durch die : vorweihnachtliche u-bahn : „ich bin im auto verbrannt“ : sagt das am hals baumelnde schild

2. Rome is more than Amor

3. sprachabseitsfalle

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | Kommentar hinterlassen

A half century earlier, the only place to secret yourself around here might’ve been in a depression in the ground…
Jimmy Corrigan the Smartest Kid on Earth

Veröffentlicht unter Unkategorisiert | 7 Kommentare