„Er ist wieder da. Wer hat Ihn geseh’n?“ Schlager einer gewissen Marion in den 60er Jahren. Er hingegen, hier exklusiv in effigie, voilà:

„Er ist wieder da. Wer hat Ihn geseh’n?“ Schlager einer gewissen Marion in den 60er Jahren. Er hingegen, hier exklusiv in effigie, voilà:

erdmännchen im sonnenschein
bewachen die braunen furchen
wer es aber wagt, im dunkeln
über die felder zu gehen
dem stellen sie ein bein
(keine ahnung : ob es Er-männchen sind : sie stehen still : und rühren sich nicht : ihre form erinnert an murmeltiere : sie scheinen außerdem vom lichteinfall abzuhängen : (es war so eine stunde von sonnenuntergang) : fast so : wie man zuweilen : in bestimmten WC-kacheln : grinsende grimassen : zu gewärtigen hat)
Seite 541:
Packsattel – Palmsonntag
und in all der beliebigkeit
erhebt sich eine
Palastrevolution
auch so ein ad libitum : es gibt keine wirklichen themen : aller pathos meint sich selbst : und zelebriert das eigene leiden : nicht an der welt : sondern an sich selbst : oder es findet statt : vernetzung : hier ein faden : dort ein faden : es knüpft sich alles wie von selbst : muster- und vorbildlos : quasi schon zufallsprogramme : zur erschaffung einer : aleatorischen ästhetik : deren vorgaben : in mikroprozessoren : verborgen liegen : in nanobereichen : und so werden wir alle wieder zu schneewittchen : ausgeliefert den sieben zwergen : hinter den sieben bergen : und keiner weiß : warum? : und ich fürchte : wir seien alle die böse stiefmutter : die in den spiegel schaut : in den wirklichen spiegel! : hier aber verspiegelnetzt : schauen wir hinter die sieben berge : und finden uns schlummernd : in zwergenbetten : umhegt und umpflegt : und der gesundapfel liegt stets bereit : mouse-klick genügt
die stirne wölbet sich nach vorn
als wolle sie im tête-à-tête
den pixeln sich verporen
dieweil der bildschirm dito wölbt
und sich mit poren arg verpixelt
leider aber
und ein leider
gibt es leider
immer wieder
warum haben bildschirme
eigentlich keine runzeln?
nich‘ so besonders… zensur! sonst reimt noch einer „mit der stirne schmunzeln…“ nee!
Nach drei Permutationen kam folgendes heraus (ich bin neugierig geworden, diese Methode reizt mich!):
Him der war Es Die mel hätt als sie Daß de Er im still ge Blü ihm küßt ten nun träu schim mer men durch Von müßt die Fel Die Luft der ten ging Die sacht Es Äh ren rauscht der wog ten So stern leis die klar mei Wäl war ne See die Nacht le re Und spann Flü gel te Weit aus len ih Flog Lan de durch die Als Haus stil ge flö nach sie
1. Biologisierung
Himbeeren waren es. Die Mail hätt’, als sie das Der im stillen Geblüh ihm küßten, Treu schimmern mögen. Durch Wonne müßt’ die Felderluft dirty geh’n. Die sagt es Ähren: Rauscht den Wogen so sternleis die klare Maifühlwärme. Sieh die Nacht: le roys! Und spann Flügel. Flügelte weit aus Lehnin, flog, landete, durch die als Haus still geflößte Nachsicht.
2. Biologisierung
Himbeeren waren es. Und die Mail, die sein still blühendes Er ihm küßte, hätte gern vor Treue schimmern mögen. Doch rollte durch all die Wonne Felderluft dirty & clean. Die sagt’ es in Ehren und rauscht’ in ihrem Wogen so sternleis eine klare Mai- eine fühle Klar- eine warme „mai“-Wärme. Sieh die Nacht: les roys! Und spann die Flügel! Flügel’ weit aus, lehn’ dich hinaus, flieg! Lande dort, wo dir ein Haus stille Nachsicht einflößt!
Der Originaltext befindet sich u.a. hier:
http://www.thokra.de/html/eiche10.html#a277
fortwährende kälte
und dennoch mag ich
den ofen nicht anstellen
als wollte ich das
was mich innen quält
auf die haut ableiten
was der psyche recht
ist dem körper oft unbill
Schwirrend in blassen Sonnenstrahlen ein atomisierter Er, vielstimmig wirr und imperativ:
„Bedenke darin, daß sei See. Keine he! Höhlenrufe. Auf! Sprich du selbst. Kehr dich auf, schön ruhig zu sein, dich aus Nieren in viel Vertrauter’s für besondere Allweilknaben über ein Wunderwahrzeichen (bei „nicht“ hör „nicht“! hörst du allen zu?) mehr denn in Wipfeln im weit-ersten Rudel My(r)then zu versehren. Tost dich der Weg, birgst du den Mann. Nicht wolle „kann“. Schwirr ab! Lerne harren, kürzen in der Dünung die Besinn-Aber. Du selbst sei „Laß mich mal“, so daß Sau aber auch bedingt zu umwägen. Aber zuweilen dann beschleicht Ich die Bedenk-Gründe. Meine nicht A-Menschen im grünen Berg sind das dichte Schlecht, gereinicht im Kirmes-Dorf, doch machen das nicht mehr die Wiederseh-Winke. An Gedanken traben empor bessere Einstpläne, beenden mehr, als daß Ausredenbindemittel mehrten. Etwas sei Du, dem Willmir von Ferne darfst du nicht glauben. Behalt’s und sei klein. Aber Glück liegt geistig. Beschiß und Dung ist konzentrierter Mist. Wohldeuten beleistet mehr zum Grunde, was nichts als ein Denkdran und Willstdu“
„Ich habe nichts verstanden!“ versuchte ich dem flirrenden Staub zu sagen.
Da schob sich eine Wolke vor die Sonne, und aller Staub ward zu Nichts.
[zunächst doppelt synthetisierter, dann zurückbiologisierter Text]
Nachtrag:
Ich hab’s nochmal probiert, diesmal mit einem Venetianischen Epigramm:
Schönen Mannes Ei ist’s, was bei Leda sinnt. Tau doch den Ränkenmann, den b(e)rüh(r), und wie! Er sich was weh getan? Er ist ein Gern, nie können doch Dichtende genesen. Es staunend tauschen, nie gödeln. Tadelbesen, Freund, meinte dich nur fort.
Aber ob das zu irgendetwas führt? Eine Spielerei, vielleicht um Sprache als solche zu kneten, inhaltlich nur lose zusammenhängend (gerade dachte ich an mozzarella-fäden).
schwarztransfer
dunkelübertragung
finstertelepathie
düsternis
drag & drop
miszellen
gute tropfen machen froh : besonders die von sevekow (neuköllner reminiszenzen 1977-1984)
(ansonsten vgl. http://www.einzelhandelspoesie.de (gefunden über http://log.netbib.de) – also poesie, die aus dem reim ihren eigentlichen gehalt zieht und im reim ihre botschaft kulminieren läßt, die da lautet: „icke“ : besuche fleißig parallalie / langweilen wirst du da dich nie bzw. dich du da nie bzw. da dich du nie usw.)
auch heute wieder meinen unterhalt bestritten : wobei ich allerdings bestreite : daß mir das unterhaltung verschafft
„miszellen“-tage: tage, an denen ich nur flicken zurechtschneide, dafür aber nicht das passende loch finde. in den tatsächlich vorhandenen löchern puhlt der finger (wenn er nicht gerade einen popel aus der nase holt oder die duftnote des nabels an sie heranführt), und das auge findet keinen passenden flicken.
sehr tief muß ich wohl geschlafen haben : nachdem mir im zug die augen zugefallen waren : (die zeilen hatten begonnen sich zu verheddern : die augen schafften es nicht mehr : das gesicht der frau gegenüber zu bewundern : das grün der felder ward zu einem einheitsbrei) : aber irgendwann : es muß im vorletzten tunnel gewesen sein : donnerte mich ein entgegenkommender zug aus der völligen abwesenheit meines schlafs : nicht alle waren wachgeworden : die da zurückpendelten zu ihren behausungen und ehemännern und ehefrauen und kindern und eltern : die zu beginn der fahrt ihre üblichen handygespräche geführt hatten : „ich sitz’ jetzt im zug“ : „hast du gegessen?“ : (so eine typisch italienische frage : an alle, die zu dem gehören : was man gemeinhin als familie bezeichnet) : dann kurzes wiedererkennen der landschaft vor dem letzten tunnel : signal zum fertigmachen : blick nach unten : und entdecken : daß der kaugummi mir im schlaf : aus dem mund : auf den schal gefallen war : (fehlt nur noch, daß ich anfange zu sabbern)