Santaccia von der Piazza Montanara

I
Santaccia, die war aus Corneto und Kuhmamsell,
mit Handschuh’n aus Samt zu behandeln fürwahr;
unbeugsamer als härtestes Holz und ehrbar
verstand sie’s, zu befriedigen alle und sexuell.

Sie nahm jeden auffälligsten Bauerngesell –
und immer zu viert, was ganz ihr Geheimnis war:
sie stellte sich hin, einer von vorn aus der Schar
tat, was ihm behagte, einer von hinten – gell.

Um ja auch die Bauern zufrieden zu stellen
rechter Hand und linker Hand ihres Altares
ließ sie einen pro Hand bis zum Platzen anschwellen.

Damit ihnen der Preis nun nichts unzahlbares,
gab sie Hintern, Händchen und die Wildbachschnellen
je um einen Bajokko, gefragt war: Bares.

Giovanni Gioachino BELLI: Rom 12. Dezember 1832

Santaccia de Piazza Montanara

I
Santaccia era una dama de Corneto
da toccà ppe rrispetto co li guanti;
e ppiú cche fussi de castagno o abbeto,
lei sapeva dà resto a ttutti cuanti.

Pijjava li bburrini ppiú screpanti
a cquattr’a cquattro cor un zu‘ segreto:
lei stava in piede; e cquelli, uno davanti
fasceva er fatto suo, uno dereto.

Tratanto lei, pe ccontentà er villano,
a ccorno pístola e a ccorno vangelo
ne sbrigava antri dua, uno pe mmano.

E ppe ffà a ttutti poi commido er prezzo,
dava e ssoffietto, e mmanichino, e ppelo
uno pell’antro a un bajocchetto er pezzo.

(dt. von mir, mithilfe auch des Allgemeinen deutschen Reimlexikons von Peregrinus Syntax: merci!)

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 4,9

4,9 Da der Mythos in so enger Verwandtschaft zur Welt steht, feiern wir einen Ritus, der an jene Ereignisse erinnert, um dessen großartige Ordnung nachzuahmen. Welch herrlicheren Zierat gäbe es, damit zu prunken?
In Anbetracht dessen, daß auch wir vom Himmel gefallen und gemeinsam mit der Nymphe gelebt haben, sind wir als erstes niedergeschlagen und enthalten uns jeder schweren oder unreinen Speise – Dinge, die beide zusammen der Seele schaden. Es folgt darauf die Verstümmelung der Bäume und das Fasten, grad so, als ob auch wir den weiteren Fortschritt der Zeugung abschnitten. Danach Milchnahrung, wie es sich den Wiederauflebenden geziemt; und zum Abschluß Freudenbezeigungen und Kränze, wie ein erneutes Emporsteigen zu den Göttern.
[Salustius 4,8] <<>> [Salustius 4,10]

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wie sand : von einem kipper : herabrutscht : erst langsames rieseln : dann im steiler werden : jäh sich überstürzend : um dann als träger haufen : da zu liegen : (I did my duty) : glitt ich in den tag : und dachte : mehr als wach werden : brauchst du heute nicht – – – : draußen ein rascheln : ein raunen : verdächtig Er
Er: ez muste chomen ein lieht, daz moht in der vinster niht lenger sein verborgen.
Er setzte sich auf die linke schulter als windei und soufflierte mir.
Ich: schier entslief ich umbe daz.
Er: ein chreftiges zæichen.
Ich: dâne was mir niht ze wê.
Er: den leip er alles rüret.
Ich: gerne slief ich iemer dâ.
Er: here maget: div edile vnt div frie.
Ich: ein unsæligiu krâ diu begonde schrîen.
Er: mich wundert wie vch des wundern mag.
Ich: ein wîp diu getrôste mir den lîp.
Er: und darumbe tust du es och.
Ich: dannoch seit si mir dâ bî daz mîn dûme ein vinger sî.
so als daumenlutscher geoutet : lehnte ich den kopf zurück : dachte an gestern : der gespräche vielerlei facetten : allein : das aug‘ einer fliege : ist noch facettenreicher : fast kommt’s mir wenig vor : was grad geschieht : aber der tageslauf ist beschränkt : vor jedem tag : wartet ein gestern
Er: kaffee da?

zusammengegrapscht aus walther von der vogelweide, priester wernher und mechthild von magdeburg

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auf dem bahnsteig
departure platform humlet
und zum abschied malte
mein zeigefinger
ein lächeln
unter ihren nabel

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das meer, wenn es nicht
rauschte, wie stumm wäre es
grad wie die fische:

an schallschwellen
wohnen
mit offenen ohren

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alles andere als
„le grillon se tait
l’air encore frissonne – étang
sonore – dans la tête“
wenn der hörer aufgelegt
und man selber
zum frosch wird
von dem Bashos haiku
nur die wellen
beschreibt

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testaccio : stadtviertel zwischen monte coccio : dem scherbenberg schlechthin : aufgehäuft von den alten römern : aus tonscherben : und tiber : geradlinige straßen : an die das alte schlachthaus grenzte : also aß man dort entsprechend : in der mitte der platz mit den gärten : etwas bewölkt : etwas wind : noch kein schwitzen : über die trinkwasserfontäne beugen : und das loch unten mit dem finger zuhalten : dann spritzt einem das wasser aus dem oberen loch in den mund : ihr rotes haar schon : ihr opernhafter gang : sie ist überhaupt eine oper : und begeben uns zu unserer aufführung : in eine kaschemme : in der normalerweise möbelpacker : rentner : handwerker aus benachbarten werkstätten : sich ihre brote belegen lassen : und zu bier oder wein : verzehren : sitzen bleiben : weitersprechen : prahlen : erzählen : was ihnen ungeheuerliches passiert ist : überzeugen wollen : daß nur ihre vorgehensweise funktioniert : sie thunfisch und tomaten : ich mortadella und provolone : das sprechen fast ein recitativo zuweilen : sie improvisiert kleine arien : ich tu nur so und brumme ab und zu : verabredung für übermorgen : dann aber „ciliegiolo di narni“ (denominazione di origine controllata) : der hat einen körper wie du : und alles ich plötzlich dupliziert : alles du vertripelt : ver-true-pelt : hinaufgestemmt durch erinnerungs-säulen : nicht die tristen : die andern : die es wert waren : und so im sein : sich wieder kleine juwelen : er-leben : und nicht milchzähne von jungfrauen sammeln : daraus dem kaiser seine jubelzahl zu kombinieren : und als präsent zu überreichen : es sei denn : man wolle es allegorisch verstehen : und den pluralis majestatis : im „wir sind“ : anrufen : und die jungfräulichen milchzähne : dito verstehen : daß sie nämlich nichts sind : als keimendes : auf gefilden im plural

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Er: geh schau: wie ich da einen handstand mach!
Ich: ah, so schaust heut aus: muß ein hologramm aus deiner jugend sein.
Er: (sichtlich irritiert) habest du mir etwa ein alter zugetraut?
Ich: ein alter zutrauen? meist schätzt man das ab…
Er: (jetzt bös guckend) ich dürfte wohl schon des öfteren betont haben, ich sei weder wesenhaft noch altersmäßig zu fixieren.
Ich: jo, stimmt. wiewohl du sehr altklug zuweilen daher redest.
Er: alter schützt vor jugend nicht, und jugend nicht vor weisheit.
Ich: weisheit des brahmanen.
Er: ruckedigu.
Ich: hübsche sätze stehen ja drin, aber es kommt doch etwas didaktisch daher. man glaubt nicht, es seien wirklich erkenntnisse.
Er: allein, auf ihn einzulassen lohnte der mühe.
Ich: auf den kinderschreck der römischen campagna mit seinen langen haaren.
Er: verrückert halt.
Ich: wo ich das gelesen, das liegt immer noch in niedersachsen.
Er: tja, home is where my books are, wie du mal sagtest.
Ich: and we are all going homers.
Er: na, den „liebesfrühling“ hast du immerhin hier stehen.
Ich: und „amaryllis“.
Er: nun weißt du wieder, worin du blättern kannst in mußestunden, falls nicht grad wieder risotto ansteht!
Ich: keinen durst heut?
Er: nicht wirklich, aber was drinkmäßiges wär mir schon recht… entschuldigung: scho recht.
Ich: scho… also whiskey?
Er: scho recht.
viel sagten wir nicht mehr. nickten uns zu, wenn eine sternschnuppe aus der milchstraße herausfiel, seufzten ab und an wohlig à la „ach ja, du weißt schon“…

bild aus: HERZMANOVSKY-ORLANDO, Der Gaulschreck im Rosennetz (im netz das faksimile der ausgabe 1928 mit den zeichnungen: http://www.literature.at/webinterface/library/ALO-BOOK_V01?objid=12084

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eine links-herum-rührung
oder
eine rechts-herum-rührung
ändert nichts daran
daß es sich
um ein rührstück handelt
in das hinein sätze
verrührt werden
die eher nach
pantomimik heischen
denn nach wieder-worten

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als wir telefonierten
(als wir telefonierten
(als wir telefonierten
(als wir telefonierten
(als wir telefonierten
(als wir telefonierten)))))

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