aber
ich liebe dich
sagte sie
sagte sie
sagte sie
sagte sie

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die geräusche machen
einen bogen um die stille
unter der glocke aus glas
die du um mich errichtet
rundum beschlagen
vom dampf der worte
und mit den fingern versuchen
fensterworte zu malen
durch die man hinaussieht

hier

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hüpfendes herz
sobald mir etwas
zu erledigen einfällt

die zeit drängt
und im kopf nur
weniges abgehakt

dafür aber
haken schlagen

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vor videoclips sitzend mit der flasche : die ich gegen das licht halte : noch ein tropfen drin? : ein kleiner vielleicht : der aber : den mund : mir öffnet : und ins innere ohr : mir flüstert :
Er: shüttlegängmadly, drum.
Ich: fast hab‘ ich statt der sprecheridentifikation „Ich“ „Sie“ schreiben wollen.
Er: redseele locker, lass, alp.
Ich: was machst du eigentlich auf meiner zunge?
Er: spiritus verborgen im letzten tropfen.
Ich: synapsenverwirrend… möcht‘ spucken.
Er: hehe!
Ich: schmeckst nach teer, whiskey – und gleich ersäuf ich dich in rotwein.
Er: Ich säi di, Jung. Bantam, zwo Tage alkoheilfro. Säuft nischt wie billigen Rotwein.
Ich: Ab durch die Mitte!
Er: wo, bittschön, soll hier die mitte sein?
Ich: zwischen drei extremen, wähl selbst die koordinaten.
Er: also doch auf blauen dunst…
Ich: kurz und gut: ich will dich nicht in meinem magen verdauen müssen: da hab‘ ich ja ein paar tage keine ruhe!
Er: Erzähl ihr mal, daß ich nach ihr gefragt hab.
Ich: Was, ich? bzw. du?
Er: Hihi!
Ich: du irritierst meine speichelabsonderung! kann mich nicht erinnern, daß du je nach ihr gefragt hättest.
Er: macht ich nicht neulich einen handstand?
Ich: ja und? Wehgetan?
Er: nö.
Ich: bist schlimmer als fleischfasern zwischen den zähnen… hol gleich einen zahnstocher…
Er: ist mir so egal! mach meinethalben zungenpiercing… der synapsen sind so viele: morgen dann werde ich dir deinen joghurt geschmacksmäßig in tomatensoße verwandeln… schlimmeres behalte ich mir natürlich vor…
Ich: (spuckt aus)
Er: (sichtlich erheitert) du mußt nicht trocken spucken.
Ich: (speichel zusammensammelnd und erneut ausspuckend)
Er: danke! hast mich genau dort abgesetzt, wo du wieder ansetzen mußt zum trinken…
Ich: ok, dann mach ich jetzt eine neue auf… aber die nächsten tage wird nicht nur meine spucke trocken sein, du selbst wirst trocken ausgehen.
bedeppert sah ich die offene rotweinflasche an. am besten ich wische die öffnung ab und desinfiziere sie. irritierend so ein sprechen im mund, daß nicht das meine ist. unangenehme erfahrung!

kursives aus: Hans Wollschläger liest „Ulysses“ (Kapitel „Rinder des Sonnesgottes“)

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wer da ist : ist auch : im jeweiligen : hier

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Der Blitz

Und zeigten sich Himmel und Erde, wie sie waren:

die Erde des Atems benommen, bleiern und zuckend;
der Himmel versperrt, tragisch, verstört und zernichtet:
weiß so weiß im schweigenden Aufruhr
erschien ein Haus, schwand gleich wieder hin;
wie ein Auge, daß weit und erschrocken
sich auftat und schloß – in schwarzer Nacht.

Giovanni PASCOLI

Il lampo

E cielo e terra si mostrò qual era:

la terra ansante, livida, in sussulto;
il cielo ingombro, tragico, disfatto:
bianca bianca nel tacito tumulto
una casa apparì sparì d’un tratto;
come un occhio, che, largo, esterrefatto,
s’aprì si chiuse, nelle notte nera.

[Nicht ein Gewitter ist gemeint, sondern die letzten Augenblicke und Worte des sterbenden Vaters: „In jenem Blitz ohne Ende […] schwand vor den Augen die hinfällig gewordene Welt“.]

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als Wolfgang Müller ihn 1977 mal kariporträtierte

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Klein wie ich war

Damals unser Garten
an der Straße nach Gladdenstedt
Mama warum darf man da nicht hin
wird man dann totgeschossen
warum ist da die Grenze
durfte man da früher rüber
wie war das Mama
darf ich mir eine Erbse pflücken
und dann immer die Marienkäfer
setzten sich auf meine Hand
ich blies sie flogen kamen wieder
dann dachte ich
jetzt spiel ich mal Krieg
und machte sie tot
das gab dann immer ein Heldenbegräbnis
richtige Erdhügel gab’s da
und dann hab‘ ich gebetet für sie
klein wie ich war

Januar 1978 (leicht überarbeitet)

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schwellen überschreiten
und schwellen als verb
im harndrang der dich weckt
mit einem roten nervenlicht
in der mitte oben, wo’s loch ist,
beim „reibung erzeugt wärme“.
wer denkt schon an segel?
die gardine zuweilen, aber jetzt
nur leichtes hin- und herruckeln.
schwellen überschreiten:
da wo ich sein werde,
da bin ich jetzt nicht.

schwelende projektionen

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Santaccia von der Piazza Montanara

II
Was nun aber die Hure Santaccia belangt,
die überall zu Vulva, Möse, Fotze ward
und dir mit Kopf und Zahl und mit Armen apart
Schwänze zu viert und zu viert auf einmal umzangt’;

kam’s vor, daß im Andrang – ihrem Ruf sei’s gedankt -,
als sie ihrer Kunst nachging in rasender Fahrt,
ein Bauernflegel im Blicke Neid offenbart’
und ganz für sich abseits stehend schauend nur prangt’.

Als bei all den Schwänzen sie den Drömmel dort sah:
O – sagte sie – pflanzt du mir denn keinen Maibaum?
Tja Süße, sagt’ er, ist kein Bajokko nicht da.

Draufhin Santaccia: Komm schon rein in die Pflaum’
oder ins Loch, daß dich zieht, und geb’s dir – jaja! –
zum Heil frommer Seelen, und halt’ nicht dich im Zaum.

Giovanni Gioachino BELLI – Rom, 12. Dezember 1832

Santaccia de Piazza Montanara

II
A pproposito duncue de Santaccia
che ddiventava fica da ogni parte,
e ccoll’arma e ccor zanto e cco le bbraccia
t’ingabbiava l’uscelli a cquarte a cquarte;

è dda sapé cc’un giorno de gran caccia,
mentre lei stava assercitanno l’arte,
un burrinello co l’invidia in faccia
s’era messo a ggodessela in disparte.

Fra ttanti uscelli in ner vedé un alocco,
Oh, disse lei, e ttu nun pianti maggio?
Bella mia, disse lui, nun ciò er bajocco.

E cquí Ssantaccia: alò, vvièccelo a mmette:
sscéjjete er búscio, e tte lo do in zoffraggio
de cuell’anime sante e bbenedette.

(dt. von mir)

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