spa_tien

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Es ist Heißhungerstunde

Es ist Heißhungerstunde, Stunde dir, Narr du.

Reiß aus dir das Herze.

Es schmecket salzig sein Blut, und schmecket
Säuerlich, und süßlich ist’s, wie’s dem Blut nun mal eigen

Es verleihen der Tränen
So viele immer mehr Würze ihm, deinem Herzen.

So vieler Tränen Frucht, dieses dein Herze,
Reiß es dir aus : schling’s runter : iß satt dich daran.

Giuseppe UNGARETTI

È ora famelica, l’ora tua, matto.

Strappati il cuore.

Sa il suo sangue di sale
E sa d’agro, è dolciastro essendo sangue.

Lo fanno, tanti pianti,
Sempre di più saporito, il tuo cuore.

Frutto di tanti pianti, quel tuo cuore,
Strappatelo, mangiatelo, saziati.

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legtest deine hand …

legtest deine hand
an meinen brustkorb

ob er sich noch
hebe und senke

dachte ich

und hätte tatsächlich
aufhören sollen zu atmen

denke ich

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 8,5

8,5 Auch wenn sie [die Seele] sich des Körpers als eines Werkzeuges bedient, wohnt sie nicht ihm, wie auch der Handwerker nicht in seinen Erzeugnissen wohnt: Fest steht, daß viele Mechanismen sich bewegen, ohne daß jemand sie tatsächlich berührt. Wenn sie dann oftmals vom Körper zum Irrtum verleitet wird, muß man sich dessen nicht wundern: Auch die Künste erzielen keine Wirkung, wenn ihre Werkzeuge fehlerhaft sind.

[Salustius 8,4] <<>> [Salustius 9,1]
Einleitendes

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schwimmen

[zettelwirtschaft]

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wie sich die blicke …

wie sich die blicke
verlieren
zwischen mir und dir
in der pause
im kino

als suchten sie das verlieren
und nicht das verlorene

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[Wo das Meer stillsteht 4,15]

Mann aus zement

1

unmenschlich das mondlicht – schrumpft erneut, um das künstliche
fleisch von vier himmelblauen jahreszeiten zu werden – blutverlust
wird ganzjähriges grau
das laufen der kinder als emblem für todesgewißheit

2

die toten zermahlen vom schnee, der sich in den gliedern gesammelt hat
ein zementsarg
verwandelt lebendige vögel in nägel
wildkatzen kreisen im hohen dickicht
schmutzige schwäne in emsiger brunst
reißen auf jeden tages steppdecke aus zement

3

wohin laufen – wohin nicht laufen – wohin kannst du nicht laufen

nicht laufen können

der ganze körper fest eingeschlossen in das fenster der nacht
ein leben lang klettert die eidechse eine knochenwand hinauf
tiefer sickert der ozean aus dem sand
eines steines scham – ist es, den klang schwacher herzschläge zu ertragen

4

die hand des himmels wird erbarmungslos draufknallen
immer ein bißchen spät die hilfeschreie – später nur als der tod

immer noch spielst du mit statuen
du kannst dich nur einholen, wenn du im keller lebst

[Wo das Meer stillsteht 4,14] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,16]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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hingeworfen in den blick …

hingeworfen in den blick
und zerbellt die mondmünze
auf abendliche graulbläue

grabschende äste

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nur schwach dringt …

nur schwach dringt
ins rascheln der gasflamme
ins knistern der festplatte
das seufzen der motorsäge

wie wird mir dann wieder leid tun
der freie blick über den zaun
das fehlende laub im frühjahr sommer herbst

denn alles säget er ab
er mit der motorsäge, domenico
und es barmet ihn nicht

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dem nord aus …

dem nord aus
schlüpft im wind
und handlos *)
kaltes streicheln
bestrumpft die waden
dennoch gänsehaut
in der umarmung
bebende brust
und herzgetüme

tummel du dich
dieweil netzgefangen
luftschnappend
hinab in
strumpfbedeckte waden

nord- dich entlaubend
-wind

*) „Er erinnert sich der höllischen Qualen, die ihm Ausdrücke seiner Mutter im Wachen und im Schlafen machten! Wenn der Wind mit sonderbarem Getön durch die Hütte pfiff, so nannte seine Mutter dies den ‚Handlosen Mann’, ohne weiter etwas dabei zu denken: wie manche grauenvolle Stunde, wie manche schlaflose Nacht, hat dieser ‚Handlose Mann’ ihrem Sohn noch lange nachher gemacht!“
MORITZ, Anton Reiser, zitiert nach A. Schmidt „Fragmente“

vgl. auch: /?p=2068
und: /?p=2069

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