immer die gleichen …

immer die gleichen
läden gesichter
ich weiß
schon nicht mehr
wie ich grüßen soll

unverbindlich fort
mit verzogenen
gesichtsmuskeln

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hindert nicht …

hindert nicht
der erde lauf
das wort
das lauernde
und weiß am
ende selbst nicht
was da hindert
oder was
behindert wird?

wie hier?

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die wasser aber …

die wasser aber
verliefen sich
in der leere
und das wüste
blieb hängen
da wo sich scheiden
die geister

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auf den bahnsteigen …

auf den bahnsteigen
stehen und warten
auf pendlerzüge
in der du-feier
all derer, die sich
wiedererkennen
im wollenden du

so seh’ ich sie : ganz
aus der nähe und
höre weg : als wär’
mir ich als du selbst
schon ein unnahbar
fernes gebären
von nähe : drum sag’
ich du : wenn ich ich
und doch nicht sein will

und immer hoff’ ich
sie säßen alle
im zug vis-à-vis

der aussieht als führe er
wo ich doch selber fahre

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deine perlen …

deine perlen
suchen andre
reue
wenn sie fallen
wo die tische
neue
süße suchet
heim – und sag nicht :
treue!

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lengua casi muda …

lengua casi muda

fast stumm die sprach
die zung
faßt sprach die zung
(sprach fast die zung)
fast stumme zung
die sprach

lingua quasi muta

wird salz auf deiner haut
wo nacht und nacht
fast stumm schon
zungen reden
wo

der zung ist stumm zumut

verzurrt die sprach
zu stummen
was

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Über dem Meere des Lebens

Ich stand auf einer Klippe, –
Stürz‘ ich mich ins Meer?..
Was bringt mir das Schicksal:
Freude oder Plärrn?

Vielleicht wird’s mir gelingen…
Vielleicht ja bin ich hin…
Heupferdchen, die springen,
Sehen nicht wohin.

1883

(dt. von Eric Boerner : http://home.arcor.de/berick/illeguan/prutkov.htm )

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jetzt gehen …

jetzt gehen
und davor
aufstehen
dann vergehen
und sich unterstehen

stop and go
zu schreiben

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der finger …

der finger
der in ihren
bauchfalten
liest, was
ihre augen
ihre worte
nicht sagen

so sollst du
buchstabieren
dein du-sein
in ihrem sie-sein

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wer wird noch sagen können …

wer wird noch sagen können
ich hätte keinen mut, ginge nicht
unter leute und sei nicht begeisterungsfähig?
schlange stand ich heute, fast
eine halbe stunde auf der post;
die ganze reihe entlang, schritt
für schritt, schnupperte am
gräßlichen geruch der männer
der alten und auch der frauen, spürte
wie hände meinen hintern berührten
die hüften vorwärts schoben. erkannte
den ekel wieder und ließ ihn dort
wo er war, mein körper
angefüllt mit schweiß, viel fehlte nicht
an einer pneumonie. nicht um eigenliebe
geht’s : um die abscheu vor den andern
wo ich mich wiedererkenne.

Patrizia Cavalli, in: Poesie (1974-1992), Turin 1992 (dt. von mir)

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