jeden tag auch nur einen text zu schreiben, der nicht den tag summiert oder einzelne ereignisse beschreibt bzw. erzählt, sondern einfach dem willen entspringt, einen text als solchen entstehen zu lassen, das bedeutet tatsächlich arbeit: die dinge befragen, sich herauswinden aus nur einem wort, einem bild. da sitze ich dann manchmal eine ganze stunde und manchmal auch länger, dann aber mit zwangsläufigen unterbrechungen. aber gerade diese disziplin wollte ich mir ja auflegen, als ich das weblog anlegte. und es gibt zeiten, da befrage ich die dinge vergebens, die sich zu bloßen benennungen reduzieren: für was? nicht hohle form, aber echolose klang- und manchmal auch nur buchstabenformen. dennoch aber lohnt sich selbst diese nur scheinbar vergebliche mühe: indem sie nicht gescheut wird, ergibt sich im schreiben selbst zuweilen ein text, wie jetzt. mag sein, daß sich morgen wieder etwas verdichtet. mag auch nicht sein.

dieses sollte man vielleicht durchaus lesen und darüber nachdenken:
http://lotman.twoday.net/stories/430221

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zwar stehen sie abgestellt beisammen
aber sobald einer von uns die füße
in sein paar stiefel hineinsteckt
dann um das andere paar stehenzulassen
und sich seine sicht der dinge zu erstiefeln

denn so ein paar stiefel
genügt sich selbst als paar

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tautropfenbeschwörer
spinnennetzleser
blattzerrupfer
steindreher
grasläufer
erd-ich

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Es ist, als löste sich alles Sprechen in ein Ur-Raunen auf, das sprachliche Unterschiede auslöscht, verbale Kommunikation aber unmöglich macht.
[Kindlers Literatur Lexikon]

Die Rede ist von A Passage to India von Edward Morgan FORSTER. Das Buch habe ich nicht gelesen, aber als ich jetzt versuchte, ein Thema für mein Weblog zu finden, daß in den letzten Tagen wohl etwas vernachlässigt wurde, erstand vor meinem inneren Auge – möglicherweise durch den letzten „indisch“ angehauchten Beitrag bedingt – die Höhlenszene [die Höhlen von Marabar: Mrs Moore besucht mit den Indern nur die erste Höhle, deren Akustik ihr ein mystisches Erlebnis vermittelt – KLL] in der Verfilmung dieses Romans, die sich mir damals nachhaltig einprägte (die Rede ist vom Beginn der 80er Jahre). Das vermengt sich auch mit dem in letzter Zeit oft angeschlagenen Echo-Thema.
„Ur-Raunen“, das führt weit zurück: „Wattebauschige Wortklumpen“ träumte ich mal meinen Vater in einem dieser Träume, in denen solch unverständliches Gemurmel sich auswächst zu einem obsessiven und dadurch bedrohlichen Code, der sich nicht entschlüsseln läßt. Tatsächlich wird dadurch alle Kommunikation unmöglich, der Schlüssel ist nicht da, bzw. umgekehrt.
Zurück aber zur Höhlenakustik und zu dem vielfach gebrochenen Echo: Es ist, als dringen so die Worte, die das Unbewußte ins Bewußtstein entläßt, als Querschläger wieder ins Unbewußte und legen Es auf diese Weise frei, so daß das Ich ihm plötzlich ohne Orientierung zwischen den Bewußtseinsstufen hilflos ausgeliefert wird, und dem „mystischen Erlebnis“ sich Tür und Tor öffnen.

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der vorige beitrag wurde doppelt gemoppelt, drum als ersatz ein ersatzgemoppel

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Hafen von Bombay

(Die Leser werden darauf hingewiesen, daß es sich um etwas ganz Spezielles handelt; wenn Sie es nicht verstehen, haben Sie wahrscheinlich eine chronische Kopferkältung – wohl bekomm’s).

Keats und Chapman wurden von der britischen Regierung mit einer geheimen Mission betraut, die einen Abstecher nach Indien mit sich brachte. Ein Kriegsschiff wartete auf sie in einem britischen Hafen. Als sie im Morgengrauen ihre Unterkünfte verließen, wurden sie eiligen Schritts zum Ort der Einschiffung gebracht. Als sie an Bord sprinten wollten, trafen sie am Dock einen gemeinsamen Freund, einen gewissen Mr Childs, der sich dort zufällig geschäftehalber im Zusammenhang mit seinem Gewerbe als Weinimporteur befand. Rasch wurden oberflächliche Höflichkeiten ausgetauscht. Keats und Chapman hechteten daraufhin an Bord des Kriegsschiffs, das unverzüglich die Anker lichtete. Die Überfahrt nach Indien erfolgte in der kürzesten Zeit, von der jemals gehört wurde, und sobald das Schiff im Hafen von Bombay vor Anker gegangen war, wurden die beiden Freunde in einer Jolle an Land gebracht. Da sie wußten, daß es sich bei ihrer Mission um eine Zeitfrage handelte, hasteten sie von den Docks aus in die angrenzenden Straßen, und als sie um eine Ecke bogen, wessen sonst sollten sie da ansichtig werden —
Mr Childs? Nein.
Nur einer Menge Inder, ihnen völlig fremd.
„Große Welt,“ bemerkte Keats.

Flann O’BRIEN, The Various Lifes of Keats and Chapman and The Brother (dt. von mir)

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morgentrübe landschaft
über der mondblaß eine sonne
sich dem auge glanzlos
eine fahle blöße gibt

„wer hat den käse zum bahnhof gerollt?“
(dorthin ging’s, indeed)

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Immer noch nicht fertig?

Wird aber die Einseitigkeit durchs von außen hineingetragene Bewußtsein des Universalen aufgehoben, das Besondere aufgestört, substituiert und abgewogen, so macht der gerechte Überblick über das Ganze das universale Unrecht sich zu eigen, das in Vertauschbarkeit und Substitution selber gelegen ist.
ADORNO, Minima Moralia

„dennoch sind es ganz eminent Ihre atmosphären, die etwas fremdes einbringen, auf das mein text keinerlei bezug nimmt, ihm also auch nicht untergelegt werden kann. umgekehrt annulliert das untergelegte fremde meinen text.“
(aus einer 2-3 Wochen zurückliegenden Mail von mir)

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flickenteppiche aus laub
lichtgesprenkeltes dunkel
auf denen füße stelzend
glotzen die augen die spähen
die hüpfend und doch vergeblich
kühler sind, wenn sie naß
einen trockenen weg suchen
lockende lichtferne wähnen
wo zwischen innen und außen
ich er geht sich wo vor dem tor
gleich hinter dem tor unter
der laterne und zurück über
den zwischenraum geht es und
schließt sich das tor mich
nach innen vom außen wohl ab

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Finisterre

Das Ende der Welt: die letzten Finger, knöchelig, rheumatisch,
Sich krampfend an Nichts. Schwarze
Mahnende Klippen, und das Meer berstend
Ohne Grund oder mit Nichts auf seiner anderen Seite,
Gebleicht durch die Gesichter der Ertrunkenen.
Jetzt ist es nur düster, ein Haufen Felsen –
Übrig gebliebene Soldaten alter, schmutziger Kriege.

[…]

Sylvia PLATH (dt. von mir)

Finsterfensterfinisterre…

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