die worte wüten
und verschmieren
jedweden sinn
zu einem einheitsbrei
ich kann ihnen heute
nur abgewinnen
was auf der palette:

sehnsuchtshimmelblau
neidisches mondgelb
lippenlieberot
hoffnungsgrasgrün
prophetenbartgrau

und alles zusammen
ein schmieriges braun
wie nach dem regen an stiefeln
die klumpen aus erde und lehm

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ich lege den kopf zurück
und denke: ich denke
und seh‘ doch nur
verflochtene lichthalme
an lampenloser decke

das ist mein reisen
sobald ich abgefahren
sind alle ziele verpönt
aufstehen und aussteigen
ich habe es immer gehaßt

… ich werde auch
niemals ankommen
(dies den wartenden)

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o ihr die ihr aus himmel und hölle vertrieben ihr mörder denen viel leides geschah warum seid ihr nicht im schoß eurer mütter geblieben wo es stille war… wo es stille war… wo es stille war… wo es stille war…
was war da noch? da war noch etwas!
ja: und man schlief und man war da

[ich konnte ihn mal auswendig : den choral vom manne Baal]

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irgendwie ging’s wohl um gut und böse : der philosoph versuchte zu definieren : was dem guten nicht zustatten komme : sei böse : denn das gute wolle alles : habe insofern einen totalitären anspruch : man denke an luzifer und den lieben gott : woraufhin der journalist sich nicht entblödete : zu behaupten : das gute seien die westlichen demokratien : das böse seien der faschismus : der kommunismus : der islamismus : der philosoph indes grinste sich eins : und stellte die frage : „und der hinduismus? so là là?“

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Aints, tsvey, dray –
ven veln mir zayn fray?
hungerik, borvus, op gerisn,
fun tate-mame gar nisht visn –
Got! vi tut dos vay.

aints, tsvey, dray –
der tog vil nisht farbay,
shlepn tsigl, breyter, shtayner
un fun toyte menshn beyner.
Got! vi tut dos vay.

aints, tsvey, dray –
heyer tsu mayn geshray,
fun umbakante masn-kvorem,
kleyne kinder fun khadorem,
on mames bey zay.

aints, tsvey, dray –
gloybn mir getray,
vartn mir un hofn,
vos du host undz farsprokhn –
am Yisroyl khay!

Ester Shtub (1932 – 1944?)

Entnommen aus der Jiddischen Bibliothek der „Bibliotheca Augustana“ von Ulrich Harsch. Vgl. „kronologye fun der yidisher literaturgeshikhte

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ich vergaß heute
meine schlüssel

das ist nun das
zweite mal
seit wir uns kennen

das erste mal
wohnte ich
noch allein

Nachtrag:
The keys to. Given ! A way a lone a last a loved a
long the
(FW)
das ende vom anfang : das zum anfang übergeht

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so vertreib‘ auch ich meine zeit
weil der tag ausflockte wie
schlecht gewordene milch
und weiß (alles weiß!)
nicht so recht (wie schnee)
ob ich dir zuhören soll
oder dem radio (gestöber)
dessen themen du simultan
zu ihm weiterspinnst
am ende hab‘ ich wieder
gar nichts mitbekommen
weder das eine (schnee)
noch das andere (mich)

so weiß ich jetzt wieder nicht
wie die rüstungen der samurai aussahen
die da im radio beschrieben wurden
weiß aber daß du in genua in einem
museum japanische rüstungen gesehen hast
von denen du nur noch weißt
daß sie nicht aus eisen waren

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ich wohne dort
wo die grauen
schattenfäden fransen
im kurzen zögern
des sekundenzeigers
bevor er weiterzuckt

und im bangen warten auf
das schwellen der pulsader
zähl’ ich die stunden
die am aug’ vorüberzieh’n

ich nenn’s auch leben

[schon hängt der mond in der mitte des fensters : die wolken zeigen ihn mir gnädiglich : während ich überlegte : ob ich hier noch ein begleitwort dazuschreibe : oder nicht // da ich nun mit der mond-hommage fertig bin : ist auch der mond wieder verschwunden (eitel ist der mond! o ja!) // begleitworte: meistens, um das zu relativieren : was pathos und (nun ist er voll zu sehen, der alte mond!) roamanticism mir diktieren : (ich glaub’, er bleibt mir jetzt ein weilchen : die wolken eilen von hinnen!) // oft geht’s auf den weg : weil eine wortkombination mir beine macht : in diesem fall : „dort wo die grauen schattenfäden fransen“ // so bright so bright SHE is : I am forlorn!]

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as long as you live
you are nothing
than a may be

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