knackende kosmen
schnuppende sterne
cheshire-cat-mond
weht kühlende stille
im rascheln dich an
der kaffee läuft durch
auroren gähnet noch
in des thitonus bette
knackende kosmen
schnuppende sterne
cheshire-cat-mond
weht kühlende stille
im rascheln dich an
der kaffee läuft durch
auroren gähnet noch
in des thitonus bette
und sollte der raum
hinter der
dreihundertsiebenundachtzigsten tür
leer sein
dann hat dieser raum
auf dich gewartet
wer bloggt
der kommuniziert
ins leere
das hallt so schön
La nuict est niemands Freund.
Andreas GRYPHIUS, Verlibtes Gespenste
„Nach Rudow zu-rück-blai-benn!“, hinter seinem, Bruno Lampes, Rücken schlossen sich, klack, die automatischen Türen, und während der Zug sich anschickte, den U-Bahnhof Mehringdamm zu verlassen, bemühte sich seine Rechte, ihm so etwas wie Halt zu geben; im Verein mit der Querstange, die sich über die mittlere Sitzreihe hinzog, welche, gleich den anderen grüngepolsterten Pfühlen dieses subterranen Verkehrsmittels, durch die Bank weg restlos mit abendlichen Fahrgästen okkupiert war; auch war er mitnichten der Einzige, welcher stehenden Fußes diesem Transport sich hatte überantworten müssen. Doch nur flüchtig hatte er gewagt, seine, des warmen Julitages wegen mehr oder minder leicht bekleideten, und unter diesen im besonderen jungen weiblichen Mitreisenden in dieser stickeschwülen Luft einer näheren Betrachtung zu unterziehen, der irrigen Annahme zufolge, zur Schau gestellte Teilnahmslosigkeit vermöchte am ehesten Gewähr dafür zu leisten, einen lässigen, unbefangenen, souverän sich zu lenken wissenden oder, einen Ausdruck unserer jungen, allem, war nur immer sich auf das Begriffspaar ‚Gefühl und Härte‘ reduzieren ließ, zugetanen Generation zu gebrauchen, coolen Gesellen aus ihm zu machen, kurz, das zu sein, was er trotz aller Mühwaltung keineswegs ausstrahlte; er, dem so sehr die partnerschaftliche Partizipation eines ihm in den Fährnissen des Alltags inneren Halt gebenden und Stütze seienden Menschen fehlte, und was mit ‚Paar‘ sich nich in Verbindung bringen ließe. Einschließlich eines Paars neuer Schuhe, denn seine weißen Leisetreter zierten vorn über den großen Zehen zwei schlecht mit ‚Collonil Combi White‘ kaschierte, und also rosa durchschimmernde kreisrunde Hansaplast-Strip-Pflaster, die jeweils darunter sich befindenden Löcher, verursacht durch allzulang unbeschnitten gebliebene Zehennägel und seine Angewohnheit, im Zustande der Nervosität besagte Zehen in schnellem Rhythmus auf und ab zu bewegen, halbwegs zu verbergen. Was ihm des weiteren Unbehagen bereitete und einer gewissen Verschwitztheit bei ihm Vorschub leistete, war, daß er seine Jacke aus blauem Popelin trug, in deren Reißverschluß etliche Lücken klafften, und die innen für den Sommer etwas zu dick, für den Winter aber etwas zu dünn gefüttert war, er hatte jedoch nur diese. Weshalb er sie trotzdem anbehielt? Weil unter seinen Achseln der Schweiß wütete, und er, die Eigenschaften seines graugefärbten Secondhand-Hemdes, an dessen Kragen-Innenseite immerhin ein ‚van Laack‘, wenn auch nur ihm, Markenqualität suggerierte, kennend, nicht wollte, daß man ihn schon aufgrund des bloßen Augenscheins der Transpiration überführe. Zwar rieb er seine Nase kurz am rechten Ärmel, um unauffällig einmal schnuppern zu können, doch hatte er keinen solch sensiblen Riecher, daß er in all dem Dunstgewabere die ganz spezifische Sfumatur der chemischen Zusammensetzung seines Körpersekrets zu unterscheiden vermocht hätte. Was ihn einesteils beruhigte, aber: Wer seines Schweißes genießen will, muß ihn warm zudecken. Die Tatsache nämlich, daß er seinen rechten Arm in die Höhe reckte, hatte eine ziemliche Ausbuchtung der betreffenden Jackenhälfte zur Folge, welche dergestalt all den gnadenlos indiskreten Augen – das sie’s waren, stand für ihn sowieso von vornherein fest – ungehindert Einblick gewährte in seine gleichsam dunkel vor hinfeuchtende Intimsphäre.
[und dieses war der anfang zu dem, und dazwischen klaffte und klafft ein großes loch]
Poet. Such‘, was dir fehlt, bey Tag, der unbezahlt dir scheint; Die Nacht im schwarzen Flor ist niemands Freund.
SHAKESPEARE, Timon von Athen
vermißest du dich wieder?
nachdem die nacht dich wieder
ausgesetzt im weiten meer
des wachseins?
es träumet nur der schlaf
doch schönes auch nicht immer
es träumet überhaupt
das ein‘ das andre weg
eifersücht’ge träume!
the night a blackboard
schreib! lösch aus! schreib wieder!
und wenn’s das immer gleiche
wer sich vermißt
muß hundertmal schreiben:
ich und ein gedicht
dann in augen sich verlieren
doch nicht vorm spiegel
der himmel
gewittergrau
gesponnene seide
regen
du hast heute
so große
dunkle augen
mirlitonnades
and all the tonnerres
vom Flüsterwort durchtrennt
das keine Vergangenheit kennt
weiße tränen
weintest du heute
gestern
waren’s schwarze
Ich: zu tisch, zu tisch.
Er (hechelnd): hm, lecker, fisch!
Ich: ça biche?
Er: schon fertig? hier, die postbotin gab mir diesen wisch.
Ich: was hast du mit der postbotin am hut? und immer gleich so hastiche!
Er: hast deinen französischen heute, wie? na gut: je veux le fiche!
Ich: was für ein umschlag! fast schon verschwenderisch!
Er: nicht anbrennen lassen. gegen angekokeltes bin ich allergisch!
Ich: hat dich jemand eingeladen? iche beschtimmt niche.
Er: die zweimannpackungen aus dem supermarkt sind eh zu viel für diche.
Ich: ooooo! susette! hat geschrieben: nein! ich und selfish?
Er: (beiseite) in der tat, selfish und ekelhaft egoistisch!
Ich: setz dich und isch!
Er: o danke! ein bißchen salzisch!
Ich: salzwasserfisch…
Er: und la susette, tinne tinne, pas de küsch küsch?
Ich: noch ein wort, und mit dir bin ich fertiche…
[pour le plaisir]
Salustius, Über die Götter und die Welt – 4,6
4,6 Die gemischte Art findet man in vielen Mythen und vor allem in der Erzählung vom Göttermahl, als Discordia den gold’nen Apfel warf. Die Göttinnen wetteiferten um ihn: drum sagt man, Zeus habe sie zu dem Paris geschickt; und dem erschien die Aphrodite schön, der er den Apfel reichte.
Wohlan, in dieser Erzählung bezeichnet das Mahl die überweltlichen Kräfte der Götter, weshalb sie versammelt dargestellt sind; und der gold’ne Apfel die aus den Gegensätzen hervorgegangene Welt, von der es ganz passend heißt, die Discordia habe sie geworfen. Und da die Götter um die Welt Sorge tragen, der Eine so und der Andere so, scheint es, als stritten sie des Apfels wegen; bis dann die Seele, die ihrer Empfindlichkeit gemäß lebt (denn dies ist in Wirklichkeit des Paris Identität) und weil sie in der Welt keine andere Macht sieht als die Schönheit, sagt, der Apfel stehe der Aphrodite zu.
[Salustius 4,5] <<>> [Salustius 4,7]
wind
bläht die hose
schmiegt sich erst
an die unterseite
des oberschenkels
läßt sie dann flattern
nach hinten
hebt das t-shirt leicht an
krault den bauch
dann den rücken
wind
und wärst du sturm…
ich fiele nicht um
weil ich mich
dich umarmend
gegen dich stemmte
wind