so viele worte zieh’n vorbei
und lösch‘ sie alle wieder
als wär‘ ein jedes schon für sich
paulinchen mit dem feuerzeug
asche streuet auf den weg
wer nicht ausrutschen will
so viele worte zieh’n vorbei
und lösch‘ sie alle wieder
als wär‘ ein jedes schon für sich
paulinchen mit dem feuerzeug
asche streuet auf den weg
wer nicht ausrutschen will
[Wo das Meer stillsteht 3,5]
Körper der welt
kein zahn, der sterben kann – deine oder die des krokodils
sofern diese holzskulptur nur aufrecht sitzt
an der tür – die alte traumkraft vergeudend
traummorgen : ein dunkler korridor
offene münder – wühlen an brustkörben, um fleisch zu essen
winde umwehen riesige ohrringe aus stroh
haie mit bösen absichten klettern hinter deinem rücken auf bäume
klettern auf die bank des ozeans
kein – überfluß jenseits des wahns
sofern nur weiße kataraktmuscheln mit ausgehöhlten genitalien
immer noch in augenhöhlen sinken, die sich nicht zukneifen lassen
der schiffssirenen klang auf dem meeresgrund – wie türklingeln
auf seinen reisen wurde der fremde saubergekratzt von der koralle
auf rosa knochen – briefe sind selbstverständlich erotisch
das mädchen im geburtstagsspiegel wird in eine ecke gedrängt
bettelnd – immer wieder
dein blutleerer körper drückt auf eine winzige, in schlaf versunkene seele
unentwegtes sägen
ewigkeit – ein nicht träumendes hirn ist mehr als ein traum
die dunkle vorstellungskraft eines gesichts – wringt das hirn unter den füßen aus
falschheit – gab es nur
und unwandelbar nur im licht der lampe
zwischen einem sauren aufstoßen und dem anderen ist dein magen tausende von jahren entfernt
sitzend – ozean und bäume von grüner farbe jetzt
meißeln – den himmel im weißen frühstück der geschichte
macht dich unfähig, den täglichen hunger zu fliehen
und unfähig – diese schreckliche adresse zu erreichen
wie eine fleisch fressender fisch den du an dir selbst berührst
der den korridor entlang gekommen ist – sinnesorgane : aufgesplittert in einer rose aus holz
leben – geträumtes
[Wo das Meer stillsteht 3,4] <<>> [Wo das Meer stillsteht 3,6]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare
nicht mehr blitzt das aug
wenn wie ein gott der tag beginnt
in meiner augen blindheit auf
und ich geborgen hinter fensterläden
dem tage mich verwehren muß
nein, nein, es ist september schon
und im fenster gleißt kein lichtbeginn
nur ab und zu, da beugt sich kopf
am tisch nach vorn, schaut rechts
gewahrt was gelbes stachliges
im laubwerk hinter dichtem grün
die nackten waden : prickeln schon
im kopf die schattenhand
bewaffnet an deinem kopf
als gedankenspiel
dürftest dann aber
auch nicht mehr leben
wie ein idiot und weiter
in die glotze schau’n
während Clint Eastwood
für gerechtigkeit sorgt
und hang ‚m high
Das Erhabene existiert nur in jenem Bild, das wir uns von ihm zu machen vermögen.
Raoul SCHROTT, Tropen
a propos projektionen:
O Fraue,
Nicht was du bist, bist du!
Das, was wir von dir träumen, das bist du!
Was in der dunklen Wehmut unseres begeisterten Blicks erschimmert, das bist du!
Peter ALTENBERG
jemand der im fall begriffen ist spürt die schwerkraft
nicht – das war der glücklichste gedanke eines ganzen lebens
Raoul SCHROTT, Tropen
Salustius, Über die Götter und die Welt – 4,10
4,10 Für diese Auslegung spricht auch der für die Handlung angegebene Zeitpunkt, die sich am Ende der Tag- und Nachtgleiche im Frühling vollzieht, wenn der Prozeß der Zeugung aufgehoben ist und der Tag länger wird als die Nacht: ein durchaus günstiger Zeitpunkt für die Seelen, die im Wiederaufstieg begriffen sind. Genau ans Ende der entgegengesetzten Tag- und Nachtgleiche setzt der Mythos den Raub der Kore, das heißt den Abstieg der Seelen.
Mögen die Götter selbst und die Seelen derer, welche die Mythen aufgeschrieben, uns – die wir darüber sprachen – wohlgesinnt sein.
[Salustius 4,9] <<>> [Salustius 5,1]
augen:klingen:nach
ihre schritte
fort:schreitend
durch die nacht
schießt mich
mein geist:der:zug
12.11.2003 – im zug rom-orte
A: will:nacht:haus:geh’n.
B: magst:nie:mehr?
A: wollt:ich:ja:hörst.
B: magst:an:dann?
A: kaum:lich:kaum.
B: gesten:du:al:so?
A: ja:geh‘:drum:ich.
B: bei:leib:be:leib:ert:auch.
A: seel:allein:du:tot
B: stümpt
kund tat sich bittermund
wund sucht‘ ich mütterschlund
wand mir gewitterrand
kannt‘ nicht ihr flitterband
rennt mich in schnitterhänd‘
fänd‘ lieber zitter-end‘
find‘ doch nur schütterwind
kind sich als ritter spinnt
sonnt sich im splitterblond
konnt’s ohne zwitterfront