[Wo das Meer stillsteht 3,6]

Alle räume, die nicht da sind

schwingen toter tauben formen dunkle nacht
scharlachrotes fleisch in den achselhöhlen – eine sich übergebende schwangere
die tote taube : ein vom balkon purzelnder ball
alles, was nicht da ist, ist fett
ranzig – so wie der schrei einer toten taube die wand beschmutzt

in dir sterbende räume
sind selbst irrsinniger schlaf

alles geträumte ist nichts als irgendeines menschen seele
all der schnee, der zeit deines lebens halt macht
verwandelt mit seiner obhut einen jungen in eines baumes schatten
in die ecke getriebenes blut – vervielfältigt wie immer den frühling
blumen – betäubter noch auf dem papier vervielfältigt
du bist gezwungen, dich bei jeder anschrift niederzulegen, an der tote tauben nisten

zuhören, wie türen und fenster zugenagelt werden
tief in dir drinnen – die nachbarn alle hervorgegangen aus inzucht
waschen weiterhin mit tintiger galle, die ihnen gestern hochgekommen
wenn ein treppenhaus einstürzt – erklingen tanzschritte im himmel

die elendsten verlagerungen sind die verlagerungen eines hauses

verlagern sich in das, was nicht da ist – was weiße worte
haben, ist die zeit, die ausreicht, daß eine tote taube ihre eier ausbrütet
was du hast, ist die zeit von einem bett zum andern
eine dunkle nacht zu überschlafen und eine leiche zu hinterlassen
ein paar fleischige flügel – haben grad den mond unter wasser berührt
haben zeit einzuziehen in
den glanz, der den ozean beseitigt – werden endlich vorgezeigt, wenn es zu ende ist

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Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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mitlaute und selbstlaute
wie mitesser und selbstesser
schütteln hin und her
trommelfeld trümmerfell
kaffee kalt in karstadttasse
dunkelschlucke licht im
lauthals stimmen ritzen
fingerspitz und sonder wort‘
dann über dunkle seide
kein weiter komm‘ ich vorbei
an dir sich dreht dir sich zu

ich

(was zu reflektieren war)

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mit sechzig km/h hinter : einem weißen mercedes : auf der landstraße und : jedesmal gegenverkehr : auf geraden strecken :

das eine schwör‘ ich:
einmal auf der schnellstraße
überhol‘ ich den!

leider fuhr er geradeaus : als ich auf die schnellstraße einbog : blieb mir nichts : als ein haiku : übrig

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rinnet der joghurt aus ziegenmilch
in den mund hinein – fluidum non desit
doch klebet nun zähe der honigseim
am löffelchen fest – und mischet sich nicht
weiß aus den winkeln dann tropft es
aufs annoch so frisch=frische hemd
wischet die hand den tropfen fort
unwirsch und garstig und halb noch verpennt
das ohr aber schmauset auch dieses nicht:

wachet auf, ruft uns die stimme

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lontano

wo?

da hinten irgendwo

nicht mehr so nah

nah

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acht uhr einundzwanzig
acht uhr fünundzwanzig
andere uhren und
noch andere zeiten
zeithuren
flußbett hirn
drüberhin wälzt
geschmolzene trauer
tagelanger wolkenfluch
B-regen B-rain
aber es regnet nicht
acht uhr vierunddreißig
acht uhr neunundreißig

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 5,1

5,1 Dies gesagt, wird der nächste Schritt darin bestehen, die erste Ursache und die Klassen der ihr folgenden Götter kennenzulernen; um dann die Natur der Welt zu untersuchen; das Wesen der Intelligenz und der Seele; die Vorsehung, das Verhängnis und das Glück; die Tugend und das Laster sowie die guten und schlechten politischen Ordnungen, die sich daraus ergeben; und schließlich, von wo die Übel in die Welt einbrachen. Gewiß erforderte jedes dieser Themen eine Erörterung von beträchtlicher Länge, doch nichts verhindert vielleicht eine gedrängte Abhandlung, auch damit diejenigen, welche zuhören, nicht in vollkommener Dunkelheit gelassen werden.
[Salustius 4,10] <<>> [Salustius 5,2]

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Er trottete inmitten einer unflätigen Menge, die unterwegs war zum neuen Multispaß-Wolkenkratzer Mickey. „God is fun! God is fun!” tönte es aus den Lautprechern…

Juan ABREU: Garbageland

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staendig bimmelt GOD IS FUN
lautsprecher puhlen ohrenschmalz
regen draussen draengeln drinnen
„sie duerfen hier nicht sitzen“
GOD IS FUN virtualcarnal IS FUN
sin-los entbunden fluidum blurp
bahnhof IS FUN manymany thanks
geh leise geh leise geh leise

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im regen : unterm vordach : frierend
krähe : aus eiche heraus : fliegt in den regen hinaus : und in ihm : fort
regentropfen : in wasserlachen fallend : zeichnen kreise
das wort „liebeleistung“ : das beim lesen : irgendwie sich stülpte : aus irgendwelchen : worten : gedanken : assoziationen : und nun oben : auf dem zettel steht : sollte es heißen : „liebelei und stunk“?
vom grauen himmel : ganz zu schweigen : und seinem : stunden währenden : rülpsen : idiotischer tag

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