alles reden ein anhäufen : um aus dem vielen : den einen text zu finden
alles schweigen ein leerräumen : um dem einen text : platz zu schaffen

vgl. Eugen GOMRINGER:

schweigen schweigen schweigen
schweigen schweigen schweigen
schweigen schweigen
schweigen schweigen schweigen
schweigen schweigen schweigen
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käfige VII

line of beauty : fleischerhaken der schönheit : zum abhängen des schinkens : im einem schwall aus stickigem rauch : hängt aber ein schinken am haken : dann hat dies etwas schönes : eine art den magen beruhigende ästhetik : er transponiert das sich im dreck suhlende schwein : in ein erhabenes : weniger schön sind allerdings : die dick per hand abgesäbelten : schwer zu kauenden : schinkenscheiben

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Also steuerten wir mit trauriger Seele von dannen
Odyssee, IX (ü Voß)

früh schon winkte im traume geizende zeithur’ : verderblich
sei’s zu schlafen des morgens, weckte mich sechzig sekunden
vor dem bimmeln des weckers : starrende augen und warten –
finger bäumet sich hoch, die wellen des schmerzenden schalles
jach ins reich sich des schweigens fliehen zu heißen : umsonst war´s :
pflichtbewußt mich zur arbeit mahnend erstand ich des bettes

(nach dem versfuß der zitierten zeile)

(auch als reminiszenz hierzu durchaus)

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 7,1

7,1 Es ist jedoch notwendig, daß die Welt selbst unvergänglich und immer schon gewesen sei.
[Salustius 6,5] <<>> [Salustius 7,2]

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Er: schwirren die gedanken gleich zugvögeln aufgescheucht von frisch gesäter saat?
Ich: irren nur gleich kompaßlosen schiffen auf nimmer endender flut.
Er: und nicht mal trunken deine schiffe, nur hölzern schwer und ungelenk.
Ich: halten ausschau nach piraten, sich kapern zu lassen.
Er: zu lassen?
Ich: so werden’s dann gestohlene gedanken, vergessen irgendwann auf ödem eiland.
Er: das dann ein sturmwind und das abtauen der polkappen zu einem namenlosen vineta macht.
Ich: was man nicht weiß, das sucht man nicht.
Er: und deine gedanken bleiben mir gestohlen.
Ich: auch mir. so bleib’ ich denn gedankenlos.
Er: möcht’ meinen, du seiest nur der ablenkung bedürftig.
Ich: das hast du gut geraten.
Er: und rat’s dir zu.

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ich zögere
und warte
bevor ich mich
der nächsten ecke
nähere
weil ich noch nicht weiß
was mich erwarten soll

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käfige VI

zimmer
zimmer und küche
zimmer küche und bad
zimmer küche bad und fernseher
zimmer küche bad fernseher und pc
zimmer küche bad fernseher pc und fenster
zimmer küche bad fernseher pc fenster und tür
zimmer küche bad fernseher pc fenster tür und telefon
zimmer küche bad fernseher pc fenster tür telefon und balkon
zimmer küche bad fernseher pc fenster tür telefon balkon und du
du zimmer
du küche
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du fenster
du tür
du telefon
du balkon
du du

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[Wo das Meer stillsteht 4,5]

Die gestalt der gespenster

1

die erste sommerzikade beginnt zu weinen
die augen der toten mutter – haben dich nie verlassen
wie der himmel, den sie nacht nennen

oder was sie tag nennen
oder drückendes blau ist reiner schwarzer marmor an den wänden

eine lippe wurde zart wie gras geschnitzt
und eine zunge so verletzlich, daß sie nicht aufhören kann zu schreien
was auch immer gerufen wurde – vom tod geliehenes fleisch
wieder stirbt schatten – wird nur abgestoßen, um menschliche haut zu werden
großer weißer vogel – winziges baby

baumflügel schlagen
vom licht – gleiten furchtbar auf das licht zu, das dich bloßstellt

[Wo das Meer stillsteht 4,4] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,6]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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am tag der toten
toter tag
die sonne ist gestorben
die sterne nicht auferstanden
von den toten

am tag der toten
aller heiligen
sind auch alle tot
fahren alle zu den toten
heut’ dem leben
graben grab

nur der himmel grölt
und zucket grinsen
toter tag
dich tötet tod
allein

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Trotzdem fuhr er bis irgendwo hinauf und ging seine inneren Steigen dann zu Fuß wieder runter.
Alban Nikolai HERBST, Thetis, 345

Wenn das nicht die Beschreibung einer Kopfstiege ist, dann weiß ich auch nicht.

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