sekundenwort …

sekundenwort
es schnebt *
in mein herz

trähnen-schmelze
und die schnee-
strähnen bergfern
weichen felsgrau

dein bart
so weiß schon!

schon …

scho… **

* [titel „schneebett“ in „sprachgitter“ (Paul Celan)]
** [vgl. „Scho“ in „Ein charmanter Bauer“ von Henscheid]

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was schlagen …

was schlagen
die nachtigallen?
wer klagt
unter ihrem schlagen
wenn nicht
die farbe gelb
in deinem
frühlingsaug’
hinter blühenden
sprachgittern

das auge
es ist immer das auge
das sein licht
an die farbe verliert

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zwei sich verwuselnde kondesstreifen …

zwei sich verwuselnde kondesstreifen : das gegenteil von kondens : im grunde : verdichten würde es sich : in umgekehrter zeitrichtung : so aber wird die welt : eines jeden : immer dichter : je mehr sie sich dem ausgangspunkt : nähert : somit das gedicht : eine implosion : sofern es denn dichten will

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 11,1

11,1 Auch die politischen Verfassungen entstehen in Übereinstimmung mit der Dreiteilung der Seele. Denn die Regierenden ähneln der Vernunft, die Krieger der Angriffslust und die Massen den Begierden.
Königtum entsteht dort, wo alles nach der Vernunft vonstatten geht und der unumschränkt Beste befiehlt; dort hingegen, wo man der Vernunft ungetrennt von der Angriffslust folgt und mehr als Einer befiehlt, entsteht die Aristokratie; während die Form, in der unter der Leitung der Begierden regiert wird und die Ehren mit den Geldziffern einhergehen, den Namen Timokratie trägt.

[Salustius 10,3] <<>> [Salustius 11,2]
Einleitendes

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tragen kann ich’s nicht …

tragen kann ich’s nicht
dein doch
dein mal
dein denn
zu leicht ist
was die hände
auf die zunge legen

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der erotik entspringt ein warencharakter …

der erotik entspringt ein warencharakter : in ihrer wahren ästhetik ist erotik ware : in der das fleisch : eingewickelt : das wir vom schlachter nach hause tragen : wir wickeln es aus : und laben uns am blut : das aus dem fleische uns rinnt : wir trinken : und trinken : und wissen nicht was : : : wohin wir uns werfen : das kann nicht postuliert werden : als wohlfühl-rezept

im winde
die rose
irrt immer
die du ihm
hinhältst

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stichwort …

stichwort
goldregen
stichflamme
lenz-ent-sprossen
umlodert
den kern
gedanken-los

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textleer

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[Wo das Meer stillsteht 4,27]

Glasbläser

von der zeit zerschnitten zu werden, ist einzige wonne
du wartest dein leben lang – auf das langsame wachsen von glasnägeln
in einen ozean getauchte glaswurzeln

die dunkelheit – wie alterndes blau
ein kind – berührt den tod in seinem gesicht
das unberührbare licht in einem meisterwerk
füllt das fläschchen eines vogels mit dem wasser von vier jahreszeiten

so zerbrechlich
wen die vergangenheit geformt, der springt in das, was gefroren – was behauptet ist

glasliebe – läßt den ozean schwach sich kräuseln
klingelnde glocken, eingebaut in dieses vogelnest
all dein schlimmstes – ist nur ein tag
heute ist, was vom unwandelbaren sturm als gestorben bekräftigt wird
ist, was keine zersetzung fürchtet – hält die augen fest geschlossen im sonnenlicht

[Wo das Meer stillsteht 4,26] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,28]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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feinsinn : fadensinn …

feinsinn : fadensinn
scheren-umzingelt
…und sieh, mir deucht,
Der Wald fängt an zu gehn.

boten-sinn : schlage-sinn
Den Doppelsinn des bösen …
sinnen-haft : und : ha!

[Macduff kommt mit
Macbeths Kopf
]

doch fädelnderweis’
komm’ ich durchs öhr
nimmer mehr der
spitzen nadel zeit

faden dünn : fein und dünn
öhr so fein : paßt nicht rein

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