vento di tramontana …

vento di tramontana
ostento distacco
– non distaccar

An Zweisprachigkeit in der Dichtung glaube ich nicht.

Paul CELAN

der satz danach beginnt bei Celan mit „doppelzüngigkeit“. aber das kann mir nicht helfen. vielleicht IST es ja eine doppelzüngigkeit, die mir zuweilen etwas in der anderen sprache besser zum ausdruck verhilft. dann aber ist es eine doppelzüngigkeit, die vor dem bewußtsein angesiedelt ist. ich nannte es schon einmal irgendwo: meine hide-yourself-languages. ob nicht auch das deutsche eine versteck-sprache ist, vermag ich nicht auszuloten. es sind immer die worte, die beieinander wohnen und miteinander krieg führen. wobei mich das paar „miteinander“ und „krieg“ überrascht. eigentlich doch wohl: gegeneinander! miteinander. Tancredi e Clorinda. ja! das ist ein krieg miteinander und nicht gegeneinander.

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die sich im fenster …

die sich im fenster
spiegelnden
brillengläser

ich brauch‘ nur
hinzuschauen

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ohrfeigenmann

forschschritt! (ha!)
krawattenwehen
„Ihnen auch einen schönen Tag!“
(als wünscht‘ er „Mahlzeit“
einer hungernden und
ergötzte sich daran)
zur frau im eingang
zum supermarkt
die sich kieend vorbeugt
und die hand ausstreckt
„Ich wünsche einen guten Tag.“
im ton der bitte
der ein bitterer ton

ich schämte stumm vorbei
tonlos mit der hand im kopf

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deine blicke …

deine blicke
gleich den lichtern
der sterne
sind nichts
als das ende
einer reise

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Our science …

Our science is from the watching of shadows

Ezra POUND, Canto 85

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schritte im laub …

schritte im laub
es gehen
die blätter
zur erde
im streichen
des windes

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das auf und ab

das auf und ab
der zehen in
den schuhen

mein reden

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Schlaflosigkeit (Salvatore Quasimodo)

SCHLAFLOSIGKEIT
Nekropole von Pantalica

ein froher hauch von gefiedertem
widerspruch dem grünen licht:
das meer in den blättern.

ich: dissonant. und alles, was mir zur freude entsteht,
zerreißt die zeit; ein schwaches echo
hegt sie davon in baumesstimme.

die liebe zu mir verloren,
unmenschliches gedächtnis:
auf die toten strahlen himmlische wundmale,
gestirnte körper steigen in die flüsse:
es mattet leise eine stunde milden regens,
oder regt ein singen in dieser ew’gen nacht.

seit jahr- und jahren schlafe ich in der
offenen grabkammer meiner erde,
algenschultern gegen graue wasser:

in der stillen luft donnern meteore.

SALVATORE QUASIMODO (dt. von mir)

INSONNIA
Necropoli di Pantàlica

Un soffio lieto d’alati
a verde lume discorde:
il mare nelle foglie.

Dissòno. E tutto che mi nasce a gioia
dilania il tempo; un’eco appena
ne serba in voce d’alberi.

Amore di me perduto,
memoria non umana:
sui morti splendono stimmate celesti,
gravi stellati scendono nei fiumi:
s’affioca un’ora di pioggia soave,
o muove un canto in questa notte eterna.

Da anni e anni, in cubicolo aperto
dormo nella mia terra,
gli omeri d’alghe contro grige acque:

nell’aria immota tuonano meteore.

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wär‘ sinn schon mein …

wär‘ sinn schon mein
wie sinn dann du
der sinn verherzt
wo sinn des sinns
sich ganz und gar
(sinnfalls) begibt

kind of unsinnspoesie

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alles blut gerinnt …

alles blut gerinnt
schorf des lebens
das uns genommen
– stück für stück –
nicht weiterfließt
aus all den kleinen
wunder-wunden

große augen : ach

als ginge die welt
durch sie in dich
hinein und wieder
hinaus : und nicht
den anderen weg

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