es ist zuweilen so, wie wenn man …

es ist zuweilen so, wie wenn man
neue schuhe zum ersten mal trägt
womöglich grad gekauft, weil die alten
zu schäbig geworden, um damit
vor andern noch eine gute figur zu machen
zumal, wenn’s ums liebe brot geht

da trägt man sie dann einen
lieben langen tag lang
sie beginnen, am hacken zu scheuern
der schmerz wird immer akuter
der schritt immer langsamer
schließlich nach getaner arbeit
bloß noch humpeln mit
zusammengebissenen zähnen

endlich dann zu haus:
der rote fleck in der socke

(2000/20001)

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was kostet dich …

was kostet dich
die hand? die haut?
sprich mit ihr
die in deinem kopf
sich ihre jahre
kaufen läßt

und wär’ sie siebzehn
noch wie damals
was machen schon
sechsunddreißig
jahre differenz
in der erinnerung
an sie? die ich verhur’
in meinen phantasien
dirty old man to be

vergangen stehen
kahl die olivenbäume
(die jahre die jahre die jahre)
sobald sie leergepfückt

im mondschein dann
silbern die blätter

fructus zwar est
doch nicht mehr am baume

wie so anders (?) der italienische gedanken-gang!

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mitten im baum …

mitten im baum
die plastiktüte
am handgelenk
die oliven in die
hand schnipsen
an zweigen ziehen
(zwei brachen ab)
gegen die sonne
die schwarzen und
grünen früchte
erblinzeln : „morgen“
sagen, sobald
der abend kommt

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Salustius, Über die Götter und die Welt – 16,3

16,3 Zweitens: Gebete ohne Opfer sind nichts als Unterhaltungen, Unterhaltungen jedoch mit einer Seele, falls sie von Opfern begleitet werden. Denn die Unterhaltung steigert das Leben, und das Leben beseelt die Unterhaltung.

[Salustius 16,2] <<>> [Salustius 16,4]
Einleitendes

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das einzige gedicht …

das einzige gedicht
daß ein schweigen
erklingen ließe
hätte keine worte
die dichter an
dieses schweigen
heranreichten
als gar keine

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meine uhrzeit …

meine uhrzeit:

ein voller mond
in den oberen
zweigen des
walnußbaums

oder die finger
die im wegsehen
auf die knöchel
der anderen hand
zuversicht drücken

nein, nicht beten

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einst das …

einst das
so steile du
verhügelt sich
es wandern hinab
die augen und die füße

höchstes
übersteigen
kann niemand : nur
schrecken vor neuer
schatten türmenden nähe

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aussteigen orte …

aussteigen orte
gleich, wenn der
lange tunnel
hinter gallese
zu ende ist
ausstieg rechts
dann schon wieder
ein tunnel : zwei
schachteln camel
ein feuerzeug
einen caffè : im
auto dann nur mit
abblendlicht die
kurven raten
die ich kenne

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H

subjekt

schatten aus acker
acker schatten aus
aus acker schatten

prädikat

zwo aeroplane vor blau
von links nach rechts
weiß sind sie und hummen

kopula

hierós ist alles
im fall eines halles

divagando

haller die alpen und
das tor gegen england

conclusio

auch nur
ein h, sofern die
stimmritzen
(h)offen

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november : in …

november : in
amberfarben
darben blatt
und kraut und
glatt wird’s, wenn
ein regen graut

(gestern die krücken
neben der kasse im
supermarkt : sie sei
ausgerutscht)

e-mail-gedicht an LH, der mir meine leisen laubschritte per e-mail weiterdichtete und dabei den november ins feld führte

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