[Wo das Meer stillsteht 4,21]

Raum

vögel drücken fieberhaft luft beiseite
die seufzende oberfläche des meeres – klares, sich windendes glas

beschützt von einem apfelbaum
ein vielgepriesener apfel – eine grüne kupplerin

erträgt die rauchenden blumen
nimmt die form schneeweißer apfelschimmelflecken an

plötzlich kollabiert die ganze stadt nach hinten
strahlender sommergarten – ein toter schmetterling

in schweiß und schamhaaren verborgene münder
nehmen so vorzügliche rache an der uhr

zwei züge fahren aus den körpern
stoßen pünktlich in einem wort frontal zusammen

am mittag – ein vom gedächtnis verlassenes blaues feld
hört endlich auf, einen kahlen kopf zu bombardieren

wie der pullover des todes schrumpft
ist Hölle – so winzig, daß wir uns zu zweit nicht hinlegen können

[Wo das Meer stillsteht 4,20] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,22]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

Dieser Beitrag wurde unter wo das meer stillsteht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu [Wo das Meer stillsteht 4,21]

  1. Grau sagt:

    „zwei züge fahren aus den körpern…“ Ich war dabei.

  2. Reh Volution sagt:

    molltönerne Visionen einer vorrausgesehenen Vergangenheit – jetzt es verdichtet sich mal wieder der Verdacht und leider macht es mich so wahnsinnig traurig

    wenn Tränenflüsse die Hoffnung freisetzen würden ich schnetzelte von morgens bis abends nur Zwiebeln

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.