[Wo das Meer stillsteht 3,1]

3. DER HIMMEL VERSCHIEBT SICH

Gebrochener fuß unterwegs auf der mauer

jede mauer, ob sie höher wird oder nicht, kann das meer überschauen
wird dich lehren, ohne scham zu gehen
ein gebrochener fuß ist nur ein erschrockenes gesicht
das den vom knöchel verlassenen körper anschaut
unter der klippe ein berstender klang wie dein schnarchen

auch ein regnerischer sturm hat den klang hölzerner schritte
wenn alle fenster aufgehen – ein dicht versiegelter himmel
so wie an den bäumen jedes letzte laubjahr hängt
abgesägte bäume , trächtig zu jeder jahreszeit
abgenagte vogelschwärme – kreisen hinter die endstation

das weinen eines gebrochenen fußes, ob ja oder nein, ist schweigen
einmal werden zehennägel gespenstisch blaß – tauchen ein ins glas dieses meeres
stell dir einen gefängnisausbruch vor, der nicht blutet
du gelähmt an der wand – kannst nicht gehen
doch der gehende frühling ist in die wand eingemauert

zu stein geschrumpft – das nächste nackte ungelernte wort
du sollst unterschreiben für das gelächter zweier gebrochener füße
jenes gelächter, das nicht mal im schnarchen sich legt
das meer überschaut dich, als hätte ein schrecklicher erfolg
eklige fußspuren auf deinem gesicht hinterlassen

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Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

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