Pasolini: Für ein ungeborenes Kind

Am Ende der schneeweißen neuen Brücke über den Tiber,
fertig gebaut von den Katholiken, um die Faschisten nicht Lügen zu strafen,
zwischen Friesen, Säulenstümpfen, falschen Fragmenten, unechten Ruinen
eine Gruppe von Frauen, die in der Sonne auf Kunden wartete.
Darunter auch Franca, eine, die aus Viterbo hierher gekommen war,
ein Mädchen, aber schon Mutter, die war am schnellsten:
lief rufend zur Tür meines Autos
so selbstsicher, daß ich sie nicht mehr enttäuschen konnte:
stieg ein, machte es sich bequem, fröhlich wie ein Junge,
und führte mich Richtung Via Cassia: bogen dann ab und
fuhren auf einer verlassenen Straße unter der Sonne
zwischen Gipsbaustellen und tripolitanischen Häuschen
und gelangten zu ihrem Platz: eine kleine Wiese
unterhalb einer Anhöhe mit Moosflechten und Grotten.
Ein altes braunes Pferd weiter hinten im feuchten Gras,
ein leeres Auto inmitten der Büsche
und nicht weit : hier und dort das Echo festlicher Böller:
rings herum war es voller Paare, junge und arme Leute.
In jenen Tagen waren mein Leben, meine Arbeit angefüllt,
keine Unausgeglichenheit, keine Angst bedrohte mich:
jahrelang war ich vorangekommen, zunächst durch die Gnade des Körpers,
– Sanftmut, Gesundheit und Begeisterung, die mir die Geburt gab,
dann durch ein Licht des Denkens, wenngleich noch unsicher,
– Liebe, Kraft und Bewußtsein, die ich mir im Leben erwarb.
Und doch, erstes und einziges ungeborenes Kind, es schmerzt mich nicht,
daß du niemals hier sein kannst, auf dieser Welt.

Pier Paolo Pasolini, A un figlio non nato

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kein rad …

kein rad
das mich
drehte

nur rad
das ich
drehe

drehen
das rad
das mich

(und dreh-
te un-
rat mich)

ungrad’
wie auch
immer

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tsalal

tsalal
die zerlallte welt
die kringel die du
die welt tsumal
tsalal
where tlatelolco
no tongue to
tlongue the
meaning
if any

wenn überhaupt

die alles-
ihr-lande

I-her-lands

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„er und sie“ …

„er und sie“
nähe bruchstraße
„laßt uns in den puff fahren!“
(immerhin fünfzig kilometer
spät abends von der kneipe)
die große leinwand
das große zucken
die marter der hände
danach
das sich-bäumen
pirógen pyrogén

und prahlen dann
ein trunk’nes schiff
bild-bild ohne bildchen

wort-sein den andern
„ich war im puff“

ihr falsches
„endlich mal ein deutscher“

und fummelte vergeblich

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klagen …

klagen
sagen

fragen
wagen

tragen
das un-
das be-
hagen

daran

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… und werde Sie mit Sicherheit verfälschen …

sie wissen ja ich
wissen ja ich bin
Literat
ja ich bin was
ich kann was ich
LIiterat
bin was ich behaupte
was ich behaupte was
LIIiterat
ich behaupte was behaupte
ich was behaupte ich
LIIIiterat
ich behaupte was ich
behaupte ich was bin
LIViterat
ich was bin ich
was bin ich was
LViterat
kann ich was bin
ich was bin ich
LVIiterat
kann ich ja bin
ich ja bin ich
LVIIiterat
ja bin ich ja
bin ich ja wissen
LVIIIiterat
ich ja wissen ich
ja wissen ich ja
LIXiterat
ich, ja, wissen sie
LänXt zuhaus

Zu: „Sie wissen ja, ich bin Literat und werde sie daher mit Sicherheit verfälschen“. Er, Stan Lafleur, nehme es mir nicht übel. Aber er lud förmlich dazu ein.

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befreit … von der Last des Man-selbst-Seins

Daß ich von ihm [Chaplin] rede, darf ich vielleicht mit einem Privileg rechtfertigen, das mir, ganz ohne mein Verdienst, zuteil wurde. Er hat mich nachgemacht; sicherlich bin ich einer der wenigen Intellektuellen, denen das widerfuhr, und die von dem Augenblick Rechenschaft zu geben vermögen. Wir waren, mit vielen anderen zusammen, in einer Villa in Malibu, am Strande außerhalb von Los Angeles, eingeladen. Einer der Gäste verabschiedete sich früher, während Chaplin neben mir stand. Ich reichte jenem, anders als Chaplin, ein wenig geistesabwesend die Hand und zuckte fast zugleich heftig zurück. Der Abschiednehmende war einer der Hauptdarsteller aus dem kurz nach dem Krieg berühmt gewordenen Film ‚The Best Years of Our Life’; er hatte im Krieg die Hand verloren und trug an deren Statt aus Eisen gefertigte, aber praktikable Klauen. Als ich die Rechte schüttelte, und sie auch noch den Druck erwiderte, erschrak ich aufs äußerste, spürte aber sofort, daß ich das dem Verletzten um keinen Preis zeigen dürfte, und verwandelte mein Schreckgesicht im Bruchteil einer Sekunde in eine verbindliche Grimasse, die weit schrecklicher gewesen sein muß. Kaum hatte der Schauspieler sich entfernt, als Chaplin bereits die Szene nachspielte. So am Grauen ist alles Lachen, das er bereitet und das einzig in solcher Nähe seine Legitimation gewinnt und sein Rettendes. Meine Erinnerung daran, und der Dank, sollte mein Glückwunsch zum fünfundsiebzigsten Geburtstag sein. – Adorno in: Ohne Leitbild. edition suhrkamp 201, S. 92 f. – 1967 (erstmals in: Neue Rundschau, 75. Jg., 3. Heft, 1964).

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gehend …

gehend

den wanderstein
in der tasche

wandimmer
der hand

ganz unten
am arm

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laufen …

laufen
im licht

ihm
immer
davon

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mir wachsen …

mir wachsen
zypressen
die brechen
was an steinen
du brachtest

mir wachsen
was lippen

die bröckeln
wo zeit

es fusselt
dein mund

Text nicht verfügbar
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