baut sich kein haus hat kei-
nes mehr kein haus hat, baut
sich keines mehr lange brie-
fe bleiben wird schreiben le-
sen, wird wachen, wach un-
ruhig, lange bleiben wird blei-
ben, wer jetzt allein – alleen
hin und her im treiben wird
lange bleiben, wenn die blätter
wenn die unruhig hastig blätter
mehr und rasch und her – und lange
– und lange
– und lange
– und lange
unstet hasten hin und her

[Variationen zu RILKEs Herbsttag]

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aus der schwere meiner augenlider
begreife ich, warum die im handteller
bequem liegende kleine metallmaske
lidlos halb schielend halb ängstlich
und zur seite schauend keine hat
(der blick ist fast schon ein ängstlich
nach innen gewandter, die zunge
wölbt sich über die unteren zähne
und leckt halb die verwundete oberlippe,
halb läßt sie im artikulieren
von ich weiß nicht was
zischende luft aus der hitze des innen),
die auf meinem schreibtisch
dem spiel der finger zuliebe liegt:

weiter geht’s und halt die augen offen!

[gruß an norbert, der sie gemacht und mir in berlin geschenkt hat, und die hier nun schon zum zweiten mal in erscheinung tritt]

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bauchhöhlensprache
kavernöses vibrieren
WOMB
bauchsprachenhöhle
grottologische glossen
WOMB
meine mu meine mu
saß am euter strippstrappstrull
WOMB
ob der ku ob der ku
sprachhöhlenbauch
WOMB
bassophiles klangrelief
once upon a time
WOMB
there was a moocow
höhlenbauchs sprechloch
WOMB
enuma ana moo moo
WOMB

and this moocow that was coming down along the road met a nicens little boy named baby tuckoo…

[seven WOMBs read twice is one valentine]

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nachts, da verkleide ich mich
lege den gürtel des orion an
und reite auf einem kamel
zu den pyramiden im tal der könige

unter dem schleier des neumonds
kauere ich mich unsichtbar
zwischen die tatzen der sphinx
die summt mir ein eiapopeia

wenn das nilkrokodil mein herz
in die unterwelt gebracht hat
erwacht mein fleisch und bebt
aber die sphinx hält meine beine fest

erst wenn ich den gürtel abgelegt
läßt sie mich schnurrend von hinnen
und bevor ich den lichtschalter finde
bin ich fünf mal gestolpert

(Archiv: 14.1.2002)

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regennaß herabhängende
äste entlang der straße
auf der rückfahrt vom kino
der LKW vor mir
bestreute meinen weg
mit eichenlaub

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ich mit rückenschild
aufschrift: „ging allein“
(als ich in 30 jahre alten
gedichtkladden blätterte)

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ich bitte das weblog um verzeihung, bei dem ich diesen satz kopiert habe:

sogar diese gigantischen berge haben mir durchaus gefallen

er rührt mich fast zu tode!

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Wie wenig sich doch ändert im Lauf der Jahre:

14.6.1998 (22.24)
Depressionen:
1. Sich in Verzweiflung oder Melancholie verzweigende Schwermut. [Höll-Mut! Hell-Mood!]
2. In der Astronomie eine negative Höhe! [mein Sinn steht indes nach positiven Tiefen!]
3. In der Geographie eine abflußlose Landsenke unter dem Niveau des Meeresspiegels. [Und irgendwann schwappt das Mehr über einem zusammen!]
4. In der Meteorologie ein Gebiet tieferen Luftdrucks. [Druck!]
5. In der Physik vgl. Kapillaritaet [Haare!], ansonsten irgendeine zu niedrige Einstellung bei Quecksilberthermometern beim Eispunkt, die einem Wert von max. 0,06°C entspricht. [Krytpomnemotischer Quecksilbersee… ???]
6. In der Wirtschaft [sic!] Tiefstand im Konjunkturablauf.
Frei nach Brockhaus und bezogen aufs reale Leben.

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so stand sie am zaun gestern nacht:
phosphoreszierendes weiß
darunter eine ahnung von körper
leichtes wallen der falten im wind
soviel ich auch starrte und
wer reitet und harrte so spät,
daß willst, feiner knabe, sie
ich weiß nicht, durch welchen zauber
es scheinen die alten mich
holen würde so brauch‘ ich gewalt
und starrte so grauset’s am ende
in seinen armen und wiegen und
licht nur? licht nur hörest du nicht
mit mühe und not und gab einen
ruck mir und ich seh‘ es genau
und schloß die fensterläden
sei ruhig, bleibe ruhig, mein kind
und der spuk war vorbei so bang
und legte mich wieder lang so lang
und

grenzen der menschheit
heißt das nächste gedicht

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Kräh, wie’n finsterer teig steht sie da in der kalten buche, wie die inner gerupften landschaft platz nimmt und reckt’s blattlose geäst, und nach winters einfall ne schlichte beinharte nummer is mit nem eignen kram, da im nebel aus nix-zum-greifen-stoff, und kräh und buche stehn da im putz aus dunst.

Feridun ZAIMOGLU: Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft

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