angespannt bis zum zerreißen : reißwölfe! : an allen enden ziehen : warteschlangen und hofftiere : die davonlaufen : sobald ich die hand : nach ihnen ausstrecke : wenn ich so weitermache : kommt eines tages ein neuer nachbar : der wird seine pitbulls frei herumlaufen lassen : die werden durch das loch im zaun schlüpfen : und niemand wird mehr aus dem haus können : draußen verwest der zerfleischte kadaver des hundes : wahrscheinlich wurde aus versehen die tür nicht abgeschlossen : den pitbulls gelingt es sie zu öffnen : ich muß mich im letzten zimmer verschanzen : kann nirgends mehr hin : das kratzen ein endloses crescendo : das telefon im anderen zimmer : wie soll ich meiner frau bescheid sagen : die noch nicht zurück ist : sie wird ahnungslos aus dem auto steigen : die tür öffnen : und zack! : aufs vordach steigen? : sie aufspießen? : womit? : à la Little Big Man? : und wenn das nicht passiert : werde ich mit sicherheit das unfreiwillige opfer eines zugunglücks : bei meiner nächsten fahrt nach Rom : oder der reifen platzt plötzlich auf der schnellstraße : oder blutrünstige räuber brechen ein : fesseln mich an einen stuhl und kleben mir den mund zu : die nase dann natürlich verstopft : so daß ich elendiglich ersticke : und die weit aufgerissenen augen meiner frau : wer weiß wohin trage : und wenn ich jetzt noch weiterschreibe : brennt wahrscheinlich das süppchen auch noch an : und dann stehe ich erst recht doof da

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alles, was oben steht, also zuletzt geschrieben wurde, schaut mich an (wenn ich es denn selber auch wieder und immer wieder anschaue), als wollte ich es verlassen dort stehen lassen, angewurzelt im scheinbar endgültig unfertigen. ich solle ihm doch noch ein ästchen dazumalen, ein blättchen anheften, ein fitzelchen mehr blau zwischen die äste tupfen, es meinethalben auch unter dem schleier eines neuen textes verschwinden lassen. nur eben nicht so lassen, wie es sei. in seiner blöße.

das neue, das immer wieder neue, um das monotone „immer wieder“ als alt und vergangen verdrängen zu können, und um „immer wieder“ seine eigene gestalt unter frischen gewändern zu verbergen, deren frische solange vorreicht, wie das bewußtsein braucht, zu sich selbst zurückzukehren.

schnell einen neuen beitrag, damit die letzte oder vorletzte peinlichkeit nicht an erster stelle bleibt.
[parallalie, 18.7.2004]

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sich im wind kräuseln

[…] und getilgt von kreisender Wallung
Schwand in dem Spiegel das Bild. Da es unter ihm zitternd hinwegfloh
.“
[OVID, Narcissus und Echo]

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neulich die hundert kilometer
bis zum meer gefahren
ein zigarette geraucht
und wieder zurück

das meer war grau

Was du erblickst, ist Schatten des widerstrahlenden Bildes.
Nichts hat jenes von sich; mit dir nur kommt es, und weilt es;
Auch entwicht es mit dir, wenn du zu entweichen vermöchtest
.
[OVID, Narcissus und Echo]

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in der muschel der nacht
wachsen zuweilen perlen
um die splitter des tages

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Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr

und stürb‘ ich nun
wer weint‘ um mich
ich armer mensch
ich elendswicht

mag auch die sonn‘ nicht leiden
mit ihrem eklen eklen licht
mag nicht der vögel tirrilier‘
auch das nur höll- und qual-pläsier

Auff Knyen / krumb / bald blind / fast taub /
so lihg ich schluchtzend hihr im Staub /
die Pulse zittren mir und klopffen /
weh / wie auß mir die Trähnen tropffen!

o lasset mich ein gräslein schau’n
wie’s zittret in dem heuchelwind
ganz zart dann will ich’s streicheln
ganz zart dann will ich’s beißen

Ein Glaß / ein Graß / ein Hauch / ein Traum

[kursive Stellen aus dem „Faust“ (GOETHE) bzw. aus „Des Schäfers Dafnis Freß-, Sauff- und Venuslieder“ (HOLZ)]

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Vergeßt nicht, daß das wahre Geschäft des Krieges im Kaufen und Verkaufen besteht. Mord und Gewalt ergeben sich von selbst, das kann man Amateuren überlassen. Die Dimensionen des Sterbens im Krieg haben eine ganze Reihe nützlicher Effekte. Sie geben ein vordergründiges Spektakel ab, das die wirkliche Dynamik des Krieges zu verschleiern hilft. Sie liefern das Rohmaterial, das ins Buch der Geschichte eingetragen wird, um Kindern beizubringen, daß die Geschichte, Schlacht um Schlacht, aus einer Folge von Gewaltakten besteht, wodurch sie auf das Leben als Erwachsene gut vorbereitet werden. Vor allem aber ist das massenhafte Sterben ein Anreiz für die kleinen Leute, für die da unten, sich um ihr Stück vom Kuchen zu balgen, solange sie’s noch essen können. Der wahre Krieg ist ein Kult der Märkte.

PYNCHON, Die Enden der Parabel

Bei den Meldungen über Luftangriffe fehlen selten die Namen der Firmen, welche die Flugzeuge hergestellt haben: Focke-Wulff, Heinkel, Lancaster erscheinen dort, wo früher einmal von Kürassieren, Ulanen und Husaren die Rede war. Der Mechanismus der Reproduktion des Lebens, seiner Beherrschung und seiner Vernichtung ist unmittelbar der gleiche, und demgemäß werden Industrie, Staat und Reklame fusioniert. Die alte Übertreibung skeptischer Liberaler, der Krieg sei ein Geschäft, hat sich erfüllt: die Staatsmacht hat selbst den Schein der Unabhängigkeit vom partikularen Profitinteresse aufgegeben und stellt sich wie stets schon real, nun auch ideologisch in dessen Dienst. Jede lobende Erwähnung der Hauptfirma in der Städtezerstörung hilft ihr den guten Namen machen, um dessentwillen ihr dann die besten Aufträge beim Wiederaufbau zufallen.

ADORNO, Minima Moralia

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the holy book in your mother-tongue
(DIECKMANN, Guantánamo)

wieder in Rom heute und wieder der Islam im zug: nachdem die junge frau mit kopftuch und großer brille, die sich neben mich gesetzt hatte, zunächst etwas über biochemie auf englisch gelesen hatte, kramte sie ihren italienischen Koran hervor und begann ab dieser sure:

(ich schielte ab und zu von HERBSTs „Sizilischer Reise“ (so bett- und bahnlektüre) nach rechts)

[und hat nicht die verlinkte Koran-seite dieselbe hintergrundfarbe wie die Dschungel?! – nein, doch nicht, der Dschungel-farbton hat einen stich mehr ins dunklere]

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wes nach du schaust
des nacht dich haust

sternenzwink überhand
maul reißt glitzerz(w)ang‘

allerwege dieweildieruh‘
auch du auch du

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kopflastige bäume
im sturmwind
und schnellkopplung
(bis zum einschnappen):
sinnlose sinne
(hauptsache, die augen sehen: ich schaue vom bildschirm zum fenster, oft führen die texturen des himmels (sofern nicht alles grau in grau) und darunter (in reihenfolge) die baumkronen, der grüne streifen gras & gestrüpp, der braune ackerklumpen und die in alles hineinragenden zweige des walnußbaums zu dem, was ich suchte: worte für worte)
hacket auf wortgipfeln
nicht ein der adler
auf stummen leib?
lieget nicht schnee auch schon
auf nahen gipfeln?
wer betet jetzt am altar
aus grauer vorzeit
hoch oben im frost?

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