Zibibbo

Der Blick sei die Waage. Die alles ausbalanciert, nämlich hinaus-, was nicht hineingehört.

die sprachlichen vorstellungen gehen meist von der sog. schlüsselwaage aus, der früher gebräuchlisten form der wage; sie besteht aus einem hebel, dem wagebalken, zu dessen beiden enden die wagschalen hangen und an dessen befestigtem mittelpunkt die zunge in einer schere, dem wagekolben, sich bewegt und durch ihr gleichstehen oder ihre abweichung von diesem das gewichtsverhältnis der beiden schalen anzeigt.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Band 27. W-Wegzwiesel.

In Sizilien seien die Autos der Carabinieri länger als anderswo in Italien. Nämlich so viel länger als das zweite B der Beschriftung ist, mit dem sie in der dortigen Aussprache leben müssen: Carabbinieri. Der Blick ist die Zunge. Die Schere das Wort. Die sie abschneidet. Und dorthin führt, wo kein Zahn sich zeigt, weil der Witz sowieso uralt ist, und wahrscheinlich niemand mehr etwas von ihm weiß, und darum auch keiner darüber lacht, und somit auch keine Lachzähne zeigt.

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du kannst es nicht …

du kannst es nicht
wiederholen
ohne es wieder-
zuholen dich selbst
wiederholend ohne
dich dabei wieder-
zufinden wie du dich
wiederfindest dort
am morgen nach
dem schlaf im bett

bestenfalls

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du kannst es nicht …

du kannst es nicht
wiederholen
ohne es wieder-
zuholen dich selbst
wiederholend ohne
dich dabei wieder-
zufinden wie du dich
wiederfindest dort
am morgen nach
dem schlaf im bett

bestenfalls

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Grecanico

Sich verlieren im Verlieren im Wald. Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Fast so, als äße man statt Reis nur noch die einzelnen Reiskörner. Aber es läßt sich nicht Alles in viele kleine Einheiten auflösen. Das Sehen ist kein Film, der aus Einzelbildern besteht. Auch ein Text besteht nicht aus seinen einzelnen Wörtern. Ein Wörterbuch besteht aus einzelnen Wörtern. Ein Film besteht aus einzelnen Bildern, die so gezeigt werden, daß man sie sehen kann, aber doch so, wie man nicht wirklich sieht. Der Berg bleibt oft stundenlang verschwunden. Oft ist er stundenlang zu sehen. Die Übergänge erfordern ein Auge, das den Wald zu sehen vermag, der keine Bäume hat. Das alles heißt nichts Anderes, als daß ich versuche, die Zeit zu empfinden, ohne auf die Uhr zu schauen. Die Zeit so zu empfinden, bedeutet aber Leben. Aber überall wird mir gesagt, wie spät es ist.

I saw no living thing within; naught was there but bones [die eines Wals]. Cutting me a green measuring-rod, I once more dived within the skeleton. From their arrow-slit in the skull, the priests perceived me taking the altitude of the final rib. „How now!“ they shouted; „Dar’st thou measure this our god! That’s for us!“ „Aye, priests – well, how long do ye make him, then?“ But thereupon a fierce contest rose among them, concerning feet and inches; they cracked each other’s sconces with their yardsticks – the great skull echoed – and seizing that lucky chance, I quickly concluded my own admeasurements“, und hier nun meine Würdigung: Vermessung? Eine Vermessenheit!

Uwe Nettelbeck: Wie seit 5000 Jahren, in: Die Republik 109 (2000) – Eine Würdigung eines (Melville) und seines Buchs (Moby Dick)

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in ehren halten …

in ehren halten
ihn ehrend halten
haltend ihn ehren
hallten ihm ehren
nachhaltig
hall’ ich ihm nach

ich trotze dem
und trotzdem

nicht wirklich
zu schätzen
weil keine
gängige münze

(anht er’s?)

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Kaffee

Le silence. – Délices du silence. – Il faut que les pensées naissent de l’âme et les paroles du silence. – Un silence attentif. Das Schweigen. – Wonnen des Schweigens. – Die Gedanken müssen der Seele und die Worte dem Schweigen entspringen. – Ein aufmerksames Schweigen. Parmi les trois étendues, il faut compter le temps, l’espace et le silence. L’espace est dans le temps, le silence est dans l’espace. Die Zeit, der Raum und das Schweigen die Dimensionen, die zählen. Der Raum ist in der Zeit, das Schweigen ist im Raum.
Das Schweigen gibt Raum, und Raum muß dem gegeben werden, wovon nicht gesprochen werden kann.

Stefan Ripplinger: Einige Ansichten unter freiem Himmel. Joseph Joubert (1754-1824), in: Die Republik 110, 2001.

Die immer wieder Überraschungen bereit hält, wie diesen Joubert. In diesem Heft. Und paßt auch zu solchen Tagen, an denen man wie Kafka vor dem Grab steht, das auf einen wartet. Aber zu sagen, daß es selbst geschaufelt sei, löst andere Bilderketten aus, die mich von Bertrand Moranes Grab sehr weit wegführen in eine schwarzweiße Bilderwelt, in der das Sterben immer einen voraussetzt, der es verursacht, und ich meine nicht den Tod.

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die steine …

die steine
denen
das auge
zu (ge) hört

hört hört

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Santepietre

ma lasciatemi sognare
Guido Gozzano

Worüber, non saprei. Was mich betrifft. Nüchtern betrachtet, und so nüchtern, wie ein „brut“ in einem Text, wo ich „nüchtern“ erwartet hätte. Was mir auch erst hinterher einfiel. Daß wohl der / die, der’s / die’s schrieb, es auch nicht schreiben konnte, weil sein / ihr eigener Zustand dem wohl nicht so war, und er / sie deshalb ein „stocktrocken“ vorzog, das ihn / sie so aufs Trockene brachte mitsamt seinen / ihren Schäfchen. Meine Schäfchen hütet mein Aug’ und läßt sie dort, wo sie sind. Denn es sitzt sonst niemand in meinem Boot.

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es ist nicht wichtig …

es ist nicht wichtig
es hat kein gewicht
es wiegt nichts
nur so viel
wie, wenn man sagte
(basicly):
Er… tragen!

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brot gesucht …

brot gesucht
kartoffeln gefunden
ein profil
und mich
vors keksregal gestellt
die nein nein nein
die halben herzen
selbst wenn ich
ja sagte
bliebe ein sì
ungesagt
ob nur verschwiegen
ist auch nicht gesagt

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