[Wo das Meer stillsteht 4,10]

Ernte

diese enthülsten – brennend heißen dächer
scheinen auf die tenne des sommers
diese himmel, die sich selbst der sonne ausgesetzt haben, werden plötzlich schwarz

das meer schrumpft – hell glänzende silberne dachziegel
zwei bäume brausen in entgegengesetzten richtungen davon
zwei hungersnöte – in eines menschen korn gesät

der tod des nächsten jahres ist bereits vorüber
das sonnenlicht hat sich den hals gebrochen
deine augen – ebnen die stadt der blinker ein

[Wo das Meer stillsteht 4,9] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,11]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

Dieser Beitrag wurde unter wo das meer stillsteht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Kommentare zu

  1. Die Stadt der Blinker. Sofort eine n ä c h s t e Geschichte… aufblaschend, drohend, lockend… eine Art Garrafff aus Lichtzeichen…

    • parallalie sagt:

      „blinker“ hat mir ein problem gestellt : im englischen wird „flasher“ uebersetzt : was laut engl.-ital. woerterbuch „pop.“ auch der exibitionist ist. mein dt. woerterbuch gibt nur „blinkvorrichtung“. aber „drohend, lockend“ kommt dem sehr nahe. der ital. text hat: „planieren und entlarven die verrueckte stadt“. was mir nicht gefiel.

    • Ich hatte hier die Assoziation an den „Blicker“ („Blitz-Ker“). Und Enzian hat gefunden, daß der Name Bleicherode stark genug an das Wort „Blicker“ anklingt, den Spitznamen, den die alten Germanen dem Tod gegeben hatten. Sie sahen ihn weiß: bleichend und blank. Der Name wurde später latinisiert zu „Dominus Blicero“.

      Pynchon, Die Enden der Parabel.

    • parallalie sagt:

      das ueberzeugt vollkommen… wenn ich auch gestern noch eine variante à la „blinker-flunker-klunker“-stadt im kopf hatte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.