Er: die wüste lebt!
Ich: es ist zwar scirocco, aber wie kommst du darauf?
Er: durch den scirocco natürlich. nimm an, ich sei eine afrikanische heuschrecke, die er vor deiner haustüre absetzt.
Ich: dennoch ersteht mir nicht das bild einer lebenden wüste. ich denke bei wüste entweder an timbuktu oder an die bier-werbung von einst, auf der ein glas bier als fata morgana in der wüste erscheint.
Er: genau: durst ist schlimmer als heimweh.
Ich: und manch einer heiratet seine verlobte nicht, weil die hochzeitsreise nach hawaii gehen soll, es aber auf hawaii partout kein bier gibt.
Er: genau: durst ist schlimmer als heimweh.
Ich: du wiederholst dich.
Er wölbte seine lippen vor, sah irgendwie schräg nach oben in die luft und schlenkerte dabei mit einem bein hin und her, dann mit dem andern, neigte den kopf auf die andere seite, sah wieder schräg nach oben, als wolle Er durch diese Seine bewegungen und gesten etwas materialisieren. Er hörte auch sofort damit auf, als Er sah, daß ich den kühlschrank öffnete.
Er: nur peroni heute?
unbemerkt gab ich der flasche vor dem öffnen einen klaps von unten, drückte ihm die flasche in die hand und öffnete sie, bevor er auch nur pieps sagen konnte. er ließ natürlich sofort seinen kopf vorschnellen, sobald er es unnormal zischen hörte, und sein mund fing an, schaum zu schlürfen.
Er: koffschteinfflaschter? schüttelgängmadly?
Ich: du weiß doch, die straßen hier sind nicht die besten.
die flasche schien sich beruhigt zu haben. argwöhnischer blick und:
Er: l’écume des jours?
Ich: l’écume de la bière.
Er: (schüttelt mit angeekeltem gesicht seine hand, und sich zum wasserhahn wendend) sag mal, wie kommt’s eigentlich, daß du heute so entspannt aussiehst?
Ich: ich aß heute in gesellschaft mit ihrer stimme.
Er: du bist pervers! alle reden von telefonsex und du treibst hier telefonfressorgien!
Ich: gleich wieder griechisch denken und an die bacchen, die zerreißenden! die herzzerreißenden herzenfresserinnen!
Er: (rülpsend nach einem riesenzug aus der flasche) boaaah…
Ich: wohl bekomm’s.
Er: leistest du mir denn keine gesellschaft heute? vian schon wieder…
Ich: arachecoeur, ja… stimmt. (öffnet den kühlschrank) so, eine pulle für dich, eine für mich.
Er: du trinkst entschieden zu viel!
Ich: das höre ich öfter, sobald ich irgendwas alkoholisches in der hand halte.
Er: ich bin nur ein nichts, ich darf das!
Ich: und icke? um’s mal berlinernd zu formulieren…
Er: … ’n armet lichtchen, wo der gasmann selber weinen tut, wenn er ma‘ den gaszähler kontrollieren kommt… um’s ma hugenottisch avec esprit zu formulieren…
Ich: je nu, die leute, die gas vergeuden, wollen sich meistens umbringen damit!
Er: wohl wahr. na, prösterchen er hatte sich die zweite flasche selber aufgemacht!
Ich: wenn du rülpsen mußt, halt dir die hand vor den mund.
Er: etepetete…
Ich: selber rülpsend
Er: lacht
Ich: etepetete… selber lachend
Er: wer lacht, entspannt sich.
Ich: also relax… laß uns auf die terrasse gehen, im kühlschrank ist noch genug stoff…
Er: gebongt…
Lange noch saßen wir unterm halbmond, lange noch ernsthaft scherzend.

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