aus dem licht
heraustretend
treppauf
stufende schatten
meiner dunkel-
heit folgen
aus dem licht
heraustretend
treppauf
stufende schatten
meiner dunkel-
heit folgen
[Wo das Meer stillsteht 2,3]
Haus als schatten
das ist dein haus ein haus als schatten
ein gebäude auf einem rasen weitet das zwielicht
vogelsang herabgeschossen vom himmel zarte laubzungen
diskutieren abermals den erschöpften sturm
erschöpft auch die schatten blinde in reih und glied
fallen verblüfft über den steilhang
das ist dein haus haus ohne dich
du wirst geschuldet wie des alptraums schulden
eine maus springt zu boden, erkrankt und gleitet
maus als schatten
schwärzer und schwärzer das gesicht
mund rosenrot beißt auf die pforte der elegie
beim sterben des tages begibst du dich in eine modernde kerze
wie vier wände, die tonlos leben nachahmen
schlängelt licht sich unter die erde, rittlings auf zerbrechlichstem stein
schlängelt sich in dich ein eigentümer als schatten
öffnet hitzig den balkon der nacht beschaut die kulisse
noch eine wildkatze auf der jagd nach ihrer angst
noch ein schädel findet sein ende, angenagelt an die sterne
ein unkraut-ähnliches silberweiß
gelähmte dunkeltürme steil aufrecht wie ein prägestempel
löschen das ein jahr alte du, das eines tages alt werden wird
wie schreckliches mondlicht dies leere land löschen wird
[Wo das Meer stillsteht 2,2] <<>> [Wo das Meer stillsteht 2,4]
sing a song!
schrieb ich
in der vergangenheit
der ersten zeile
die vergangen ist
wie die zweite zeile
in der vergangenheit
der vergangenheit
die vergangen vergangen
die nicht
ist
aber
wa(h)r

hitler mit traurigen kinderaugen. mitleid heischend. ein mensch auch er… wie du und ich…
wer kann so etwas glauben? scheint ein film über bruno ganz zu sein, der bruno ganz spielt, wie üblich… so bieder das bild (ich hab’s ausgeschnitten aus dem „corriere della sera“ von gestern: links eine zärtlich überrascht lächelnde eva braun, rechts ein skeptisch-gutmütig blickender albert speer (im hintergrund ein stillleben im stil 50er jahre (das hakenkreuz an speers arm wirkt sehr faschingsmäßig))). da ich nun dieses foto gesehen habe (einige vielleicht unbewußt schon vorher), steht fest: diesen film werde ich mir NICHT ansehen. wie alle anderen vor allem deutschen filme, die sich VERSÖHNEN wollen mit der NAZI-VERGANGENHEIT! da gibt es nichts versöhnliches! nichts menschliches, und seien es die vertrautesten und bravsten schauspielergesichter. da ist nichts heim-liches, nur un-heimliches! der einzige deutsche film, der dieses grauen vielleicht adäquat darzustellen verstand (soweit ich es selbst sehen konnte, und das in der schule meinerzeit), war „Die Brücke“…
den deutschen muß das selbstmitleid (die „betroffenheit“, wie’s neudeutsch wohl oft heißt) ausgetrieben werden!
was fehlte:
die geste des entkorkens
– der mund war zu gierig
diese haiku-geschichte beeinflußt mich uuungemein, dauernd kommen dreizeiler aus meiner tastatur. das da oben hat aber nur 16 silben, ich bitte um nachsicht.
alle türen
führen in die leere
die in dir ist
kein haiku, also nicht b=b=b
synopsis-p.s.
und jede flucht
in die irre
die ich bin.
mein p.p.s.
und wenn’s
der himmel wär‘
der leersteht
weil er nicht
in dir ist?
telefonieren:
plötzlich explodiert
eine stimme am
anderen ende
der leitung
körperlos
verwandle ich mich
in fragen, bitten
antworten, hm’s
und ah’s
[kommunikation der augentiere, der fingertiere, der stimmbandtiere, der ohrentiere]
| O, DEINE HÄNDE
Sind meine Kinder. Immer spiel ich Soldaten Wie ich sie liebe
Else Lasker-Schüler about Gottfried Benn |
O LE TUE MANI
Sono i miei figli. Gioco sempre ai soldati O quanto le amo
Traduzione per Tiziana |
Franz Gutbier (2)
gläserklirren, mir selbst fiel ungeschickterweise die kippe auf den fußboden, so daß ich kurz vom hocker rutschen mußte, um die glut zwischen schuhsohle und fliesen zu zerreiben. er selbst nickte kurz dem wirt zu und ließ dazu ein meckerndes „ja-a-a“ hören, als wolle er damit ein bonmot des kneipiers quittieren, das mir beim abwärtsrutschen entgangen war. zudem hatten meine ohren einen moment lang abgeschaltet, wie es mir oft geschieht in gesellschaft. wahrscheinlich eine physiologische notwendigkeit, ein schwimmen im allgemeinen rauschen ringsum, in dem alle stimmen sich gegenseitig er- und aufheben, von denen ich gern alles wahrnehmen würde, was aber nicht geht. mich vor dieser unbehagen provozierenden unmöglichkeit zu schützen, schalte ich ab.
„tja, also Leinestraße“, hub er wieder an, zu allem überfluß habe er damals stets nach dahlem fahren müssen, „studienhalber“. das ewige rumstehen und –sitzen in der u-bahn habe ihn ziemlich genervt. um sich die zeit zu vertreiben, habe er stets alle beschriftungen zuerst vorwärts und dann rückwärts gelesen. aber mit der zeit habe er pfiffig werden müssen, denn die angenehmen augenblicke seien doch zu rar gewesen. er habe versucht, bücher und zeitungen zu lesen, halt woanders zu sein mit seinen gedanken, statt situationen nachzuempfinden und -zuleiden, wie sie in den kontaktanzeigen eines bekannten stadtmagazins (er nannte hier den namen) den grundton einer kontaktarmen, aber auch „hasch-mich-ich-bin-der-frühling-ängstlichen“ einsamkeit angeschlagen hätten. als habe ein jeder sein „hortus-conclusus-herzchen“ gegen eindringlinge zu verteidigen.
diesmal war ich an der reihe, dem wirt zeige- und mittelfinger hinzuhalten.
black is black is black
dies die botschaft der sterne
der mond grinst sich eins
[dank an hartmut abendschein („hab“) für den button]