die türen …

die türen
in den schleusen
warten darauf
aufs offene
meer hinaus
zu fahren

doch die tränen
die heim
ins auge kehren
haben
keinen grund

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in die nase steigt …

in die nase steigt
aufgewühlt vom hund
zu erde faulendes gras
im licht einer spät-
nachmittagssonne
kleinstfliegen flirren
wie von der landstraße
die laute der reifen
und motoren auf asphalt
dann aus dem lichtfleck
unten auf dem nur halb
gepflügten feld steigt
schwarz-weiß die nebel-
krähe und ins blickfeld
senkt taumelnd sich
ein schmetterling

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zur hur geh‘ ich …

zur hur geh’ ich
zur hur mit den
gespreizten schenkeln
zur hur bettet sich
das haupt ins
feuchte bett
zur hur geh’ ich
wie die sonn’
sich breitet
in den acker
zur hur geh’ ich
und laß mich selbst
beackern
die hur und ich
wir wollen uns
begatten

die hur bist du
und ich bezahl dich nicht
die hur bist du
und weißt es nicht
die hur bist du
und bist es nicht

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.unkenflug …

.unkenflug
..romschlag
..fälle von
..geheurer
.ragweite
unbegonnen
seiend

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schwamm über …

schwamm über
die verkreidete tafel
(tag geht ab)
warten auf mich
die muskeln
die mein aufstehen
bewirken (rechtes
bein auf den boden
ellbogen auf den
tisch gestemmt
beanspruchung
des oberschenkels
und der atemorgane
(preßluft!))

in einer halben
stunde schließt
der zigarettenladen

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Zu Werner Söllner „Zweite Natur“

Zweite Natur

Staunend
über die Ausdauer, mit der das Lebendige
lebt, über die Phantasie
der Triebe, schau ich zu, wie der Garten
langsam verwildert.

Ich weiß, ohne irgendein Recht, da
zu sein, bin ich hier. Fristlos kündbar
sitz ich am Zaun, arglos fertig
gemacht unter einem fremden Stern, herbeizitiert
in die Haut, diese einmalige Geschichte,
und bereite mich vor, während
der fleißige Nachbar das Gras
von der Klinge wischt, damit sie
nicht rostet.

Im gemieteten Paradies nenn ich
nichts Nennenswertes mein eigen, nur
eine machtlose Art Liebe, die fremd gehen wird
mit dem Tod, nur die paar gepackten
Buchstaben, auf denen ich sitze, nur
die Erinnerung, das fleißige Lieschen
meiner Irrtümer, stetig wachsende
Zweifel, meine zweite Natur.

Sicher, auch traurig geworden
auf natürliche Weise, als ich erwachte
und den Schlüssel blutrot im Gras
sah, ohne mich bücken zu können. Wenn
ich wüßte, wer das getan hat, ich würde
hingehn. Aber so bleibe ich, ungefragt
staunend, am Zaun, so beuge ich mich
vorläufig über ein Blatt, verliebt
in etwas, ohne Hoffnung
auf mehr.

Werner Söllner

dritte natur

staunend
über die wiederholbarkeit
der worte oder
was wächst, das wächst
wildes, widerndes denken

mich zu kündigen
braucht es keiner frist
als derjenigen der
angstquartale
vor denen der nachbar
den es nicht gibt,
scheut und drum nicht rostet.
zäune ums gras
damit es nicht fliehen kann.

mein eigen, ein ent-
eignetes eigen
von der liebe enteignet
die – auf bankkonten‘
transferiert –
keine zinsen mehr brachte
es sei denn:
sollzinsen

und wie ich einst
die schlüssel hinwarf
im zorn
über irgendeinen zaun
und an einen kanal dachte
mir den atem zu benehmen –
zaun, ja
ihn allmorgendlich markierend
wie ein hund
als wäre noch hoffnung da.

moi même

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gespräche

gespräche mit dem zimmer
gespräche mit dem fenster
gespräche mit dem bildschirm

ein raum
und zwei flächen
das wort : der blick
wie fremd dann
eines ertrunkenen bein
das dem dichter
im aufgeschlagenen buch
den weg weist
als kompaßnadel
no meer no more no mar

gespräche mit dem schweigen
gespräche mit dem kaugummi
gespräche mit der flasche

eine stille
und zwei mundgeräusche
das wort : der laut
wie mannahatta
lackawanna
im aufgeschlagenen buch
laut malend
vorwärts segeln

gespräche mit dem du
gespräche mit dem nicht-du
gespräche mit der abwesenheit

deine schweigende
gegenwart
und zwei schweigende
abwesenheiten
deine un-heimliche stille
das wort : ein schweigen
Bau Wort dein Lerchennest
Im Moos meines Herzens

der dichter
im aufgeschlagenen buch
der dichter lügt

[kursiv: Yvan Goll in Paul Celans übersetzung]

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lauscher …

lauscher
am innenohr
die lücke
im laut
zu erspähen
fürs auge

fenstersprache
sprachfenster

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windgelüste …

windgelüste
drängeln dich
in ihr flü-
ihr flügel-
flüster-sein

die augen
zittern an
blattes spitze
wie die asche
an der
zigarette

rauch quillt
aus dem mund
asche tropft

(ach, kein see!
buckow ist weit)

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auf dem …

auf dem
fußboden
ist endlich
vor meinen
augen
der licht-
fleck weg!

(als haiku?)

vor meinen augen
endlich vom erdboden ver-
schwunden der lichtfleck

(pragmatisch?)

endlich
ist es
dunkel

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