[Wo das Meer stillsteht 5,11]

Wo das meer stillsteht (4)

2

die tausendteilige enzyklopädie der wellen hämmert die sätze ein
steine haben den chor gelöscht
kein gedicht, das nicht grausam wäre

sein interview mit dem dichter zu beenden
kälte – fließt klümpchenweise von der schneeweißen haut
dornsträucher – ziehen des winters verhöre in die länge

immer sauber abgepflückt von der allerletzten zeile
das aas – ist immer der ort, wo küken nicht ausschlüpfen können
der reflex des meeres an einer morgenwand

laß wort und wort vor aller augen einen menschen begraben
nichts bleibt übrig als die dunkle wolke des gedichts
es wird wer – gegessen stück für stück von seinem schreiben

wie ein gebrechlicher – im brüten über seine krankheit die autobiographie
des todes aus sich sickern läßt – den tod im himmel umarmt
keine schönheit, die nicht grausam wäre

keine dichterfinger, die nicht abgesägt wären
ruhig brennt – die untergehende sonne zwischen weißen seiten
und spricht aus – eine unaussprechliche angst

[Wo das Meer stillsteht 5,10] <<>> [Wo das Meer stillsteht 5,12]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

Dieser Beitrag wurde unter wo das meer stillsteht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.