August NATTERER: Weltachse mit Hase *)

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Ein leichter Nebelschleier wallte über die Wiese, umhüllte spielerisch sein Herz, das wie in Watte gehüllt dumpfer an sein inneres Ohr schlug. Weit hinten erschien groß und weiß ein Schemen, das zwei Lichtkegel in den Abendschleier zeichnete. Ein Auto? Wär’ Gertrud ihm nachgefahren? Ihn heimzuholen? Er kam kaum dazu, einen ersten Schritt gertenwärts zu tun, als er auch schon stolperte: langhin: pardauz! stak seine Nase im feuchten Klee. Die kühle Nässe ließ Bruno Lampe am ganzen Körper vibrieren, und noch bevor es ihm gelang, den Blick zu heben, stellte er sich beseligt vor, nun würde sie auf ihn zueilen – denn gewiß war sie es, hatte ihn längst gesehen, den Desperado im Klee -: „Bruno…“ – nur dieses, eine weiche, fragende Miene, zwei Hände, die sein Gesicht berührten. Coming home, show me the way to… Endlich hatte er aufgeblickt, einer der Lichtkegel verschwand für einen kurzen Moment, tauchte gleich wieder auf, seinen Dauergedankenstrich fortzusetzen: auch vermochte er nun besser zu sehen – ach, es war nichts Automobiles. Runde Formen, die Lichter weit höher als bei einem Volkswagen Rabbit, von weiß umgeben auch diese, und noch mehr weiß – bis er einen großen weißen Hasen erkannte.
Er spürte, wie unter ihm plötzlich ein Stück Erde fehlte, in das er nachzusacken drohte, und daß das Loch immer größer wurde. Aufzustehen verspürte er keine Kraft in sich, streckte also alle viere von sich, sich so gut als möglich im grünen Klee festzukrallen, bäumte sich wohl auch auf, sackte wieder nach. Er preßte seine Wange ins kühle Grün, sah noch einmal auf. Das Licht krümmte sich gleich einer silbernen Brücke zu ihm herab, eine auf die Erde geworfene Milchstraße, die unter ihm hinweg ins Loch hineinglitt, ihm jeglichen Halt nahm, ins große Loch hinabrutschen ließ – immer tiefer – – immer tiefer —

[17.11.1984 – schlußfragment eines projekt gebliebenen romans]

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Ein Kommentar zu

  1. fremde sagt:

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