himmel und erde?
frag den horizont

 

durch das
ungesalzene brot
tropfte das frische olivenöl
auf meine gespreizten hände
um beim hineinbeißen
fettete es meine federn ein
lang‘ schon hatte ich die
katze beobachtet
und machte es ihr gleich
nur, daß meine ungelenke
vogelzunge nicht viel
auszurichten vermochte

da beschloß ich
in die morgenröte zu fliegen
aus der mir der krähen
gekrächz entgegenkam

da nahm aurora als zünglein
den allerersten strahl
der sonne über berges grat
drückte meine hände
an ihre drallen
apfelsinenbrüste
wie hätte ich mich da
losreißen können?
strahl um strahl
schwanden sie
und ich dahin

(Archiv 9.1.2002 – hinzugefügt am 24.12.2004)

Dieser Beitrag wurde unter Unkategorisiert veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu

  1. luise sagt:

    „Beides“, wird er antworten, der Horizont.

    • parallalie sagt:

      und wär‘ er nicht, gäb’s weder das eine noch das andere…

    • luise sagt:

      Doch, vielleicht schon, aber in anderer Form, kein Himmel, keine Erde, ein Stück zusammenhängender Kulisse, vielleicht.

    • parallalie sagt:

      abgesehen davon, daß hier nicht von „oder“ die rede war: „ein stück zusammenhängender kulisse“, das wäre das tohuwabohu dessen, was war, bevor das anfängt, wovon die schöpfungsgeschichte berichtet. und liebe gott schied himmel von erde… aber wie? er machte einen horizont! also er nahm den dicken filzstift und machte „zack!“: das ist die grenze zwischen oben und unten. und jeder, der einen filzstift in die hand nimmt und „zack!“ macht, der teilt dem und diesem die erde und dem diesem den himmel zu

      am liebsten sind mir die ausgezackten striche, die beulenstriche, die striche mit dem grellen sonnenpunkt am beginn und am ende des tages, das heißt, der horizont hat durchaus löcher, in denen sich himmel und erde vereinigen, aber nicht immer…

    • Denken Sie an Ihr Nebelgedicht. Und denken Sie an die Meere. Darin fließen, wo Seele ist, die Farben aquarellen ineinander, und einen Horizont – gibt es nicht. (Sogar die Sonne verdoppelt sich mitunter, in den gelösten Atmosphäreteilchen wie im Wasser.)

      Und ohnedies, wie der Regenbogen, an dessen Füßen ein Schatz steht, gibt es den Horizont nicht. Er ist von der flachen Erde zurückgeblieben, man stürzte, gäbe es ihn, jenseits in den Okeanos hinab.

    • parallalie sagt:

      vgl. ergänzung oben

      dennoch definieren sich erde und himmel durch den horizont: ein abstraktes hilfsmittel, um zu wissen wo man steht, daraus mögen sich nuancierungen und aufhebungen ergeben: wer aber grenzen setzt, will darüber hinaus.

  2. Pingback: III, 418 – lapsus linguae e non solo | Die Dschungel. Anderswelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.