als ich zum halbmond aufschaute
da sah ich fünf krähen fliegen
von osten nach westen, da graute
dem tag – als wollt‘ er mich trügen –
ein knäuel von wolken und taute
dämmernd dahin. jetzt aber lügen
sterne mir vor eine ach so vertraute
welt aus lichtern so fein, und fügen
zusammen, was einst nur erbaute
das in sanfter wiege schaukelnde liegen.

Dieser Beitrag wurde unter Unkategorisiert veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu

  1. parallalie sagt:

    wie schnell sich so ein text lesen läßt! ich würde gern verweilen, die dauer war so kurz… paradoxerweise…

    • laralia sagt:

      die schatten, sagte das kind,
      die schatten
      die kommen
      von der nacht
      die hat sie in den tag gepuckt
      die waren noch übrig
      als der tag die nacht gegessen hat

    • laralia sagt:

      Opa Lemme las Hellmood vor …

      Oma Franke deklamierte rührend am Kochtopf … und sparte dabei Salz:

      [unbekannter Verfasser]
      Die Rossdecke oder die Vergeltung
      Der Weihnachtstag fing an zu lichten,
      ein Nordwind heulte durch den Forst
      und stürzte schneebeladene Fichten,
      der Adler floh in seinem Horst

      Da kauerte gebeugt vor Jammer,
      ein Greis in seiner öden Kammer,
      sein Haar, es glänzte silberweiß,
      gleich seinem Bart wie Reif und Eis-

      Der Alte schob sich einen Sessel,
      dicht an des Marmorherdesrand
      um vor des Frostes harter Fessel
      zu lösen, die erstarrte Hand.

      Doch kaum erwärmt vom Hauch der Flammen,
      fährt er vor Schrecken hoch zusammen,
      denn Balduin sein Sohn, tritt barsch
      mit Donnerwetter ins Gemach.

      »Marsch fort, was habt ihr hier zu schaffen,
      vergesst ihr, dass ich hier Burgherr bin?
      Mir blüht allein der Lebensgarten und
      Ihr seid mir ein Dorn darin.«

      »Ach Sohn gedenke, dass heut der Heiland geboren ward,
      seid ihm zu Ehren nicht so hart,
      denn dein Gedächtnis wird dir sagen, wie oft ich einst
      an diesen Tagen, dir freundliche Geschenke bot
      und du verwehrst mir Dach und Brot.«

      Doch nur verstockter ward der Ritter,
      je mehr der Greis ins Herz ihm bat
      und tobte wie das Ungewitter,
      dass um die Burg her Bäume brach.
      Und am Ende, legte er an seinem Vater gar die Hände
      Und zieht, der schreckliche Barbar, zur Tür an seinem greisen Haar.

      »Verschone mein, ich will gar weichen,
      will ewig meiden deine Tür, doch Balduin –
      ein kleines Zeichen der Menschlichkeit erweise mir.

      Du hörst die Winterstürme rasen,
      siehst meines Rocks zerschlissene Fasen,
      drum gönne mir ein Reisekleid,
      dass gegen Frost mir Schutz verleiht.«

      »Die Wohltat soll euch widerfahren!« sprach Balduin
      Und wandte sich an sein Söhnlein von zehn Jahren,
      das horchend jetzt ins Zimmer schlich.

      »Georg, im Stall, in einer Ecke, hängt eine wollene
      Pferdedecke, die hole du und wirf sie diesem Alten zu.«

      Der Knabe ging und kam, wie lange sprach Balduin
      »Hast du verweilt und ach was seh’ ich, böser Knabe
      wer hat die Decke halb geteilt?«

      »Ich!« sprach der Knabe ohne Schrecken.
      »Sie reicht schon um ihn zu bedecken,
      die andere Hälfte dieser gleich,
      verwahr ich Väterchen für euch.«

      Mit tränenfeuchtem Blick gewandt zum Himmel,
      setzt er den Fuß ins Weltgetümmel,
      doch Balduin schloss vergnügt die Pforte,
      belächelte des Knaben Worte
      und zwanzig Jahre später, ließ Georg
      auch ihn ins Elend zieh’n.

    • laralia sagt:

      die dauer war so kurz… das dauerte auch Friedrich Nietzsche:

      „… den jede Lust will Ewigkeit…“

      jedoch: das wäre keine Lust, die ewig währte, sondern eine gleichförmige
      Qual

  2. laralia sagt:

    das in sanfter wiege schaukelnde liegen: Idyllen aus Messina.

    Prinz Vogelfrei.

    So hang ich denn auf krummem Aste
    Hoch über Meer und Hügelchen:
    Ein Vogel lud mich her zu Gaste
    Ich flog ihm nach und rast‘ und raste
    Und schlage mit den Flügelchen.

    Das weisse Meer ist eingeschlafen,
    Es schläft mir jedes Weh und Ach.
    Vergessen hab‘ ich Ziel und Hafen,
    Vergessen Furcht und Lob und Strafen:
    Jetzt flieg ich jedem Vogel nach.

    Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben!
    Stäts Bein vor Bein macht müd und schwer!
    Ich lass mich von den Winden heben,
    Ich liebe es, mit Flügeln schweben
    Und hinter jedem Vogel her.

    Vernunft? – das ist ein bös Geschäfte:
    Vernunft und Zunge stolpern viel!
    Das Fliegen gab mir neue Kräfte
    Und lehrt‘ mich schönere Geschäfte,
    Gesang und Scherz und Liederspiel.

    Einsam zu denken – das ist weise.
    Einsam zu singen – das ist dumm!
    So horcht mir denn auf meine Weise
    Und setzt euch still um mich im Kreise,
    Ihr schönen Vögelchen, herum!

    Friedrich – der nie nihilistische Nietzsche

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.