Augustinus. Noch habe ich deine unangreifbaren innersten Wunden nicht berührt, und ich fürchte mich davor, wenn ich an den Widerspruch und an die Klagen denke, die du leichteren Angriffen entgegengestellt hast.
Petrarca. Fürchte nichts; schon habe ich mich gewöhnt, die Namen meiner Krankheiten zu hören und die Hand meines Arztes zu dulden.
Augustinus. Zwei diamantene Ketten fesseln dir beide Hände und lassen dich nicht des Todes noch des Lebens gedenken. Ohne dein Wollen können sie nicht zersprengt werden; ich besorge, du wirst nicht wollen. Du wirst sie gar nicht sehen; ihr strahlender, schmeichelnder Glanz wird dich blenden, es wird dir ergehen, wie einem Geizigen, der im Gefängniß Ketten von Gold trägt und die Freiheit zwar wünscht, aber das Gold nicht verlieren will. Das Gesetz deiner Haft aber ist dieses, daß du nicht entrinnen kannst, wenn du nicht die Ketten abwirfst.
Petrarca. Wie heißen diese beiden Ketten?
Augustinus. Liebe und Ruhm.
Petrarca. Was hör’ ich! Diese nennst du Ketten? willst sie mir nehmen, wenn ich es leide?
Augustinus. Es ist meine Absicht; ob es gelingt, weiß ich nicht. Du wirst widerstreben, als wollte ich dich der höchsten Güter berauben.

„Aus Petrarca’s Gesprächen mit dem heiligen Augustin“, in: Die Reime des Francesco Petrarca. Uebersetzt und erläutert von Karl Kekule und Ludwig von Biegeleben. Erster Band. Stuttgart und Tübingen. J. G. Cotta’scher Verlag. 1844. S. 20
ist auch kein streben, sich ketten nennen zu lassen, was frei sich bindet in aller ungebundenheit. sofern es denn gelingt. ich fürcht’, es sei vermessen.

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harrend …

harrend
die stimme
die wart mal
die steht da
will dich
stehend
dich still

harrlich
sie anzuhör’n

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hose f. …

hose f.
die meinen leib
umgibt
– nicht zwängt

so ein an-
gezogen sein

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grau sind nur …

grau sind nur
graue katzen
ist, was die
lampen lernen
nachts
wenn alle wege
schon gegangen

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donner …

donner
tönt wo
blitz
zuvor

man glaubt
ihm nicht

es ist
gehör!

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Cranium n: der (knöcherne) Schädel; wird unterteilt in Neurocranium (Hirn-) u. Viscerocranium (Gesichtsschädel). Das Neurocranium besteht aus Schädelkalotte u. Schädelbasis, das Viscerocranium aus Augen-, Nasen- u. Mundhöhle, dem Zungenbein u. dem Gehörknöchelchen. 29 Knochen, die z.T. durch Nähte (Suturae) verbunden sind, werden unterschieden: Os frontale, Os temporale, Os parietale, Os occipitale, Os sphenoidale; Os ethmoidale, Os nasale, Os lacrimale, Concha nasalis inf., Vomer, Os zygomaticum, Os palatinum, Maxilla, Mandibula, Os hyoideum; Malleus, Incus, Stapes. Vgl. Desmocranium.

Desmo׀cranium (desmal*; Krani-*) n: Bindegewebsschädel; die Teile des Schädels (Cranium*), die entwicklungsgeschichtl. als Belegknochen entstehen: Stirn- u. Scheitelbein, Schuppe u. Pars tympanica des Schläfenbeins, oberer Teil d. Schuppe des Hinterhauptbeins, Oberkiefer, Joch-, Nasen-, Tränen-, Gaumen-, Pflugscharbein, Teile des Keil- u. Siebbeins, größter Teil des Unterkiefers, Processus ant. des Hammers.

O. pubis: Schambein; Teil des Os coxae. Teile: Corpus, Ramus inferior u. superior.

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 256. Auflage, Berlin-New York 1990

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das gewicht der welt …

das gewicht der welt
dort wo der körper
sich sein hinten wählt
ja dort
am arsch
am arsch
der welt
so sitzend sich ersitzen

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mein körper der sich sucht
strebt ganz dem nabel zu
stülpt um sich wie ein strumpf
will sich nicht stopfen lassen
dient an dem licht
die lungen-stalaktiten

///

verloren? der wald ist’s
der mir folgt der meinen
schatten trinkt mich
leert ein hohler stamm:
ich blatt so zwischen
eines buches seiten

///

dem faden folgend
bis hin zu tränen
die augenscherben – und
spür’ die falten wachsen
zu ästen sich verfangen
mit schwarzen äpfeln

mal wieder blätternd in „Nel bosco“ von Elisa Biagini (sie liest am 29.-30. April in Berlin), im original:

il mio corpo che si cerca / converge all’ombelico, / si rivolta come calza / che sfugge il rammendo, / offre alla luce / le stalattiti dei polmoni.
///
perduta? è il bosco / che mi segue, che beve / la mia ombra, mi / svuota, tronco cavo : / io foglia, tra le / pagine di un libro.
///
seguo il filo / alle lacrime, / i cocci d’occhi e / sento le rughe* crescere / in rami, impigliarsi / di mele nere.

* so werden regional hier auch die raupen genannt, nicht nur die falten im gesicht, aber ich denke nicht, daß daran gedacht wird.

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das neue sofa kam …

das neue sofa kam
wiewohl erst spät

mal ausprobier’n …
und doch
so fremd mit mir
das sofa
und das eig’ne ich
(es ging nicht
mit mir fremd)

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„Warum, warum nur, bist du, Freund – so gynophil?“ Allein, was hilft’s, wenn man vergißt: „(…) Wie lautet Regel Nummer Zwölf?“ „Bleib fein galant. (…)“ (beide Zitate aus „Vom Schnee“ – Grünbein) und sich benimmt, als wollte man gleich die ganze Welt erklärt bekommen, mit der man hausieren geht.

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