Germains Blumen (November 1917)

Germain
Laß, daß ich ein Weilchen die Blumen trage, die in deinem Garten gediehen
Ich will bei dir sein, wenn die Blütenblätter
Auf dem Eis der Steinplatte
Die braunen Blätter leicht berühren, und das Atmen wieder beginnt
Mitten im November
Am elften, sicher, auch um den elften herum
Waffenstillstand, und um sich greift
ein kleines Glück mit seinem Friedensfest
Sieh die Ailette, Narbe, die zu diesem See geworden, gespickt mit Segeln
Und die Fahrräder, die dort unten einander kreuzen
Kindergeschrei wie Schellengeläut statt rasender Trauerklagen
Die Kleinen laufen am Strand den Vätern in die Arme
Diese nicht toten, nicht durchsiebten, nicht füsilierten jungen Männer,
Die dem alten Jahrhundert den Rücken kehren
Und Hallo sagen zu ihrem Leben
Ganz ohne Schutzhelm und Wickelgamaschen
Germain
Leg deine Blumen mit mir nieder
Ich werde sie täglich grüßen, wenn du zurück sein wirst in der Heimat
Mach dir keine Sorgen
Leg deine Blumen nieder
Ich kümmere mich darum
Ganz sacht, ganz wie mit Fingerspitzen
Sie werden hübsch aussehen im Winter
Ich wohn’ gleich um die Ecke

>>> Original bei ‘Je peins le passage’ von Raymond Prunier

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2 Kommentare zu Germains Blumen (November 1917)

  1. ANH sagt:

    Oh-wie-schön! Wie toll-toll-schön! Und aucn noch von Raymond! Fantastisch, Helmut.

    (Ich will morgen wieder ein Arbeitsjournal schreiben und werde hierauf eigens verlinken. Nein, mach ich g l e i c h.)

    • das ist schon die nummer zwei… ich will das durchziehen… eine art frieden machen auch mit einer verhaßten vergangenheit, die unsereinem jedenfalls noch immer anhaftete. Raymond scheint damit zufrieden, also sowohl text als initiative.

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