Alcamo

AMANTE. «Rosa fresca aulentis[s]ima. Frische Rose, Duft und Aberduft. ch’apari inver’ la state,. Erscheinst, wenn sich der Sommer naht. le donne ti disiano,. Die Frauen sehnen sich nach dir. pulzell’ e maritate: Ob Jungfern noch, ob Ehefrau’n. tràgemi d’este focora, Hol mich heraus aus diesem Feuer. se t’este a bolontate;. Wenn dies dein Wille ist. per te non ajo abento notte e dia,. Um deiner ruh’ ich weder Tag noch Nacht. penzando pur di voi, madonna mia.» So immer in Gedanken an dich, mein frouwe, mein frouwe, mein frouwe.
MADONNA. «Se di meve trabàgliti,. Wenn du wegen meiner dich quälst. follia lo ti fa fare. Dann ist es Narrheit, die dich leitet. Lo mar potresti arompere, Das Meer könntest du pflügen. a venti asemenare: Und Wind hinein säen. l’abere d’esto secolo Die Habe dieser Welt. tut[t]o quanto asembrare: Und alles alles häufen. avere me non pòteri a esto monno; Mich wirst du in dieser Welt nicht haben können. avanti li cavelli m’aritonno.» Eher lasse ich mir die Haare schneiden (und so eine Nonne werden).
AMANTE. Se li cavelli artón[n]iti, Läßt du dir die Haare schneiden. avanti foss’io morto, Bevor ich sterbe. ca’n is[s]i [sí] mi pèrdera Nicht nur würd’ ich dadurch verlieren. lo solac[c]io e ’l diporto. Die Freude und den Wohlgefallen. Quando ci passo e véjoti, Komme ich hier vorüber und sehe dich. rosa fresca de l’orto, O, frische Rose des Gartens. bono conforto dónimi tut[t]ore: Bist du immer mir ein guter Trost. poniamo che s’ajúnga il nostro amore.» Laß, daß unsere Liebe sich vereint (er will es festlegen mit dem „poniamo“).
MADONNA. «Ke ’l nostro amore ajúngasi, Daß unsere Liebe sich vereint. non boglio m’atalenti: Soll mir nicht gefallen (will ich nicht, daß es mir gefällt). se ci ti trova pàremo Wenn dich hier findet Vatermein (und ist ein „padremio“ dieses „pàremo“ (klingt fast ungarisch diese Possessivendung (Marika Röck fällt mir ein))). cogli altri miei parenti, Und meine anderen Verwandten. guarda non t’ar[i]golgano Paß auf, daß sie dich nicht einholen. questi forti cor[r]enti. Diese schnellen Läufer. Como ti seppe bona la venuta, Wie das Kommen dir leicht gefallen. consiglio che ti guardi a la partuta.» Rat’ ich dir, des Gehens dich zu befleißigen.

Cielo d’Alcamo (13. Jahrhundert, Sizilianer)

Ach, es geht noch weiter, unter anderem ein: Gesucht habe ich dich in Kalabrien, in der Toskana, in der Lombardei, in Apulien, in Konstantinopel, in Genua, Pisa, Syrien, in Teutschland und Babylonien und in der ganzen Berberei. Oswald von Wolkenstein:

Durch Barbarei, Arabia,
durch Harmanei in Persia,
durch Tartarei in Suria,
durch Romanei in Türggia,
Ibernia, der sprüng hab ich vergessen.

[…]

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5 Kommentare zu Alcamo

  1. Sun-ray sagt:

    genau, immer auf der hut sein
    und das glück anderswo suchen …..
    dann braucht man nie nachdenken,
    sinnvoll handeln schon gar nicht.
    und mut kann unter solch
    tragischen umständen eh keiner erwarten.

    nicht wirklich reizvoll ….. oder?

    • parallalie sagt:

      oder: wie man das hauptsächliche ignorierend zum eigentlichen kommt, das die drei punkte in eckigen klammern für sich beanspruchen.

    • Sun-ray sagt:

      wenn es für sie das eigentliche ist,
      wäre es ja auch irgendwie schräg,
      wenn sie es nicht täten –
      insbesondere angesichts so auf
      hauptsache bestehenden lamentos vorab.

    • parallalie sagt:

      lamentos ausklammernd – dies vorab. die bedauernde feststellung nur, daß vom ersten teil keine rede ist, der mich mehr beansprucht hat, als das „eigentliche“, das corollarium, das fast wie von selbst kam. weshalb ich mich in dem, was sie schrieben, durchaus wiedererkenne. ohne. ohne? mit!

    • parallalie sagt:

      Und noch mal gelesen: Dennoch stellt sich die Frage nicht, ob das Glück hier oder anderswo zu suchen sei. Da man es ja immer potentiell bei sich hat. „genau, immer auf der hut sein“ – Wovor? Dann brauche man nicht nachdenken, wenn man das Glück anderswo suche. Selbst sinnvolles Handeln sei ausgeschlossen. Und Mut könne niemand erwarten unter solch tragischen Umständen. Wo bei mir auch nur ein Mechanismus klickte, der des Woanders, das aber ein anderes Woanders meinte, und gar kein Hinbegeben. Sondern eine sehr ferne Nähe. Der Begriff des „sinnvollen Handelns“ in diesem Zusammenhang ergibt für mich keinen Sinn, weil sinnvolles Handeln immer ein zweckgebundenes Handeln ist. Wahrscheinlich soll das Nachdenken darauf abzielen, einen Zweck zu verfolgen, aber nicht darauf, zu denken. Eigentlich wäre gerade unter tragischen Umständen Mut zu erwarten. Und sei’s der des Wiederaufstehens. Hm. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie hat der Kommentar gar nichts mit dem Text zu tun.

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