[Wo das Meer stillsteht 5,4]

Wo das meer stillsteht (2)

1

auf dem geteerten meer wittert ein geist-weißer vogel

seinen weg zur küste – der leuchtturm bleibt
links liegen – dort, wo wir auf unser unzeitiges ende stießen

auf dem geteerten meer ist ein anker ein zerbrochener pflug

mit sich neigenden grabsteinen – schreibt ein jahrhundert
unsere namen neu
am roten felstisch werden wir gesehen beim mittagessen
auf meerwasser – das grüne freudenfeuer der kiefernnadeln wärmt das skelett
entblößt all die rostgeschwärzten zähne – und tanzt

der kleine kirchturm preßt jeden augúst in diese nacht
ein sturm – geforderte lektüre in der lektion des todes

das licht hält ein – wo immer mehr tote sich versammeln
die ankerkette ist gerissen – der anker sank tief hinab, wo säuglinge jammern
die liebenden fest umschlungen unter dem teer

nach einem jahrhundert haben die schwärze der uhr begriffen

[Wo das Meer stillsteht 5,3] <<>> [Wo das Meer stillsteht 5,5]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

Dieser Beitrag wurde unter wo das meer stillsteht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.