käfige XIV

ins niemandsland jenseits der ohre führte eine brücke aus holz : dort stand ein gerüst wie einst vor der mauer am brandenburger tor : und von dort aus konnte man etwas mehr vom nachbardorf sehen : sah aber nur die häuser am dorfrand : niemals menschen : ab und zu einen vopo : die hatten keine augen : sondern immer ferngläser anstatt der augen : gelegentlich standen autos mit fremden kennzeichen vor der brücke : das stieg dann aufs gerüst : guckte zeigte kommentierte : und fuhr dann zur nächsten grenzübersichtsstelle : der hohe drahtzaun dann später : elektrisch geladen : sprühte funken : wenn man etwas dagegen warf : weiter dahinter die betonmauer : die auch erst später hinzukam : ein paar kilometer weiter in der ostzone-sbz-ddr : das heimatdorf meiner mutter : aber das sind andere geschichten : wie auch die beiden onkel : die von dort aus über die ohre geflohen sind : und es grölt herüber vom tresen : der jungmänner chor : auf irgendeinem samstags-schwof : da oben auf den bergen : da steht ein gerüst : da werden die weiber : elektrisch geküßt : electrocuted

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Ein Kommentar zu

  1. die „ohre“ ist ein sehr schöner flussname

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