nein, du setzt dich jetzt nicht hierher. dachte mir schon, daß du lauerst, hättest ja meine kurze abwesenheit ausnutzen können, aber ich wette, du warst scharf auf das drallbusige mädchen hinter der theke, weshalb sonst hätte es so merkwürdig im kofferraum geklappert, leere flaschen hatte ich dieses mal nicht dabei. nein, das mit den „halbgaren träumen“ und der „sehnsucht nach gedankenlosigkeit“ war so aus der luft gegriffen wie du selber, das vom himmel gelogene blau. (komisch, das mädchen hinter der theke fragte erst, ob ich die blaue variante meiner zigarettenmarke haben wolle). erstens: wären die träume gar, wären sie keine mehr; zweitens, sehnte ich mich nach gedankenlosigkeit, müßte ich schon auf die körperliche voraussetzung dafür verzichten wollen, sprich: eigenhändige beförderung ins jenseits.
dich als schutzengel aufzuwerfen, grenzt an anmaßung. deine flügel borgst du dir zuweilen von winzigen singvögeln, und wahrscheinlich haust du in den leeren nestern, die sie in den nunmehr fast blätterlosen bäumen hinterlassen haben. wer weiß, ob nicht schon vorher. dabei denke ich kleine gesprenkelte eier, die mal zerborsten am boden lagen. oder du schwirrst als insekt (fliege, motte, wanze usw.) um die lampe oder kriechst über den bildschirm oder saust „ping“ gegen den metallenen lampenschirm. nein, nichts englisches ist an dir. du könntest höchstens als eine der pausbäckigen barockputten mit säuglingsantlitz und -geist fungieren, deren flügel aus den ohren hervorsprießen, weil sie nicht einmal einen körper haben, weshalb sie nun wirklich geschlechtslos sind, da ganz dem geist entsprungen, der z.b. das jüngste gericht in der sixtinischen kapelle mit feigenblättern und lendenschürzen bemalte.
einzig deine zeit- und ortsungebundenheit mag mir vielleicht noch von nutzen sein. wart’s ab.
ich mag eben nicht, wenn meine stelle hier einnimmst.
geister wollen gerufen sein.

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7 Kommentare zu

  1. synopsis sagt:

    faszinierend, auch ich verwendete heut abend den begriff „englisch“ in diesem zusammenhang*. (die „engelsfreundin“ war da, ich berichtete von einer angerissener diskussion…)

    LLL, in kurzzeitiger wut. auf bestimmtes. vieles. vielleicht mehr. nur diesmal nicht auf sich selbst. neu.

    edit:
    LLL, vokale erwartend. *g*
    (wut hat sich im schlaf verflüchtigt. angenehmer so.)

    • laralia sagt:

      abschied nehmen von der schweigemauer abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer
      abschied nehmen von der schweigemauer

      :

      http://www.utopie1.de/miller/abbruch0.htm

    • parallalie sagt:

      von den mauern
      denn dort lauern
      zwischen

    • synopsis sagt:

      zwischen
      zeilenleser
      kauern
      in den
      nischen vom
      dazwischen
      überdauern
      trauermauern
      schauerbauer
      dauerlauern
      in den träumen
      vom versäumen
      zwischenzeilich
      aufzuräumen
      keilen die da
      zeilenweilen
      zwischennischen
      auszuwischen
      neue mauern
      aufzumischen.

      (pff *g*)

    • parallalie sagt:

      vielschichtige mauer : das kind wird den mauern des anstands geopfert : das kind wird auf die hohe mauer gesetzt : damit es nicht nach hinten und dahinter fällt : hey teacher, leave us kids alone : ich will meinen schneemann wiederhaben : der mich mal krank machen sollte : eines nachts umarmte ich ihn : damit ich nicht in die schule gehen mußte

    • laralia sagt:

      in tiefen brunnengrundlosen vergangenen zeiten,
      als das wort dämon noch den positiven klang von offenbarung hatte
      und sich der gott abrahams bis aufs blut massakrierte mit anderen göttern, wurde das erstgeborene männliche kind ( der „eingeborene sohn“) in den grundstein eines neu zu bauenden hauses eingemauert:
      auf dass die hausgemeinschaft wachse, blühe und gedeihe …

      ca 5000 jahre später opferte, so die legende, der gott abrahams, isaaks und jakobs, seinen eingeboreren sohn, dem er zusammen mit dem heiligen geist qua dogmatik wesensgleich ist, sich also samt geist selbst, um nicht mehr zornig sein zu müssen über die menschen, die solch einem blutdrünstigen moloch nicht mehr opfern wollten…
      beim bau der stalinallee in berlin wurden bauarbeiter, die dabei tödlich verunglückten, einfach schnell mit vermauert, anders hätte man die normen nicht einhalten können … so einer meiner nachbarn, der damals mit dabei gewesen war…

    • parallalie sagt:

      staatlich und religiös sanktionierte „lupara bianca“ (‚weißes‘ jagdgewehr mit verkürzten läufen), so werden die leute apostrophiert, die spurlos verschwunden wahrscheinlich ein opfer der mafia geworden, womöglich eingeschlossen in einen block zement am grund des meeres.

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