Nach langer Abwesenheit war Er mir fast schon aus dem „Sinn“. Als ich jedoch heute auf kurvenreichen Straßen aus der Provinzhauptstadt, in der ich beim Polizeipräsidium meine Aufenthaltsgenehmigung hätte verlängern lassen müssen, wovon mich dann aber der unbesetzte Schalter für EU-Staatsbürger und allzulange Warteschlangen vor den Schaltern für „sonstige“ Ausländer abhielten, schließlich nur mit einem auszufüllenden Formular hierher zurückfuhr, hatte ich ab dem vorletzten Ort vor meiner dennoch 10 km entfernten Behausung einen Mitsubishi Spacewagon mit eingeschalteter Warnblinkanlage vor mir, der natürlich langsamer fuhr als ich selbst es für meinen normalen Fahrstil gewohnt bin (ich fahre immer zu langsam oder zu schnell im Vergleich zu den anderen). Da an Überholen vorerst nicht zu denken war, auch weil ich wußte, daß weiter vorn wegen Straßenbauarbeiten eine provisorische Ampel wartete, hielt ich mich hinter dem warnenden Auto, dessen Insassen ich wegen der hohen Kopfstützen nicht leicht zu taxieren vermochte, wiewohl ich meinte, weiße Haare im dessen Rückspiegel erkennen zu dürfen: „Aha, ein Gerontomobil!“ Aber immerhin fuhr er doch schneller als gewisse Bauern mit ihren landwirtschaftlichen Gefährten, e.g. dreirädriges „Ape“-Gefährt, wenn nicht gleich Traktor oder Fiat Panda, was für deren Geschwingkeitsgefühl keinen Unterschied zu machen scheint. Vollbremsung sowieso vor der seichtesten Kurve! Die erwähnte Ampel stand selbstverständlich auf Rot, und ich versuchte wie immer, die mich „ansprechenden“ weiblichen Gesichter zu erhaschen, die mir auf der Gegenseite entgegenkamen: Kurze Gedankenflüge.
Weiter ging’s endlich zum letzten Ort vor meiner Behausung: Sambucetole. Immer noch keine Chance, den Mitsubishi mit seiner Warnblinkanlage zu überholen. Geduld, nach Sambucetole gibt’s eine lange gerade Strecke, und siehe sie war frei!
Blinker raus, beschleunigen auf 100 und mit Karacho vorbei!
Kein guter Tag heute! Gleich hinter der nächsten Kurve (die erste von vier oder fünf unübersichtlichen Kurven…) erhob sich sauerierartig ein Riesentraktor, der sich – wie sollte es sonst sein – langsam wie ein Saurier auf dem Asphalt auf Raupenketten (!) vorwärts wälzte. So also bekam ich den Mitsubishi hinter mich. Die Blinkanlage schlitzte nach wie vor den anderen Verkehrsteilnehmern Warnung ins Aug‘. „Alter Tattergreis“ – dachte ich: „Wirst wohl vergessen haben, das Ding da auszuschalten!“
Endlich gingen die Kurven in die lange Gerade über, meine eine Hand lag schon auf dem Blinker, und sobald Übersicht dem Auge sich bot: Blinker, Rückspiegel, Gas geben und vorbei! Da aber verlor ich den Mitsubishi, denn er bog gleich nach der Kurve ab in Richtung Collicello, dem meiner Behausung gegenüber am Hügelhang liegenden, an gewissen Abenden weihnachtlich einer Krippe ähnlich sehenden Dorf.
Endlich befreit schaltete ich das Autoradio an: „Alle Autofahrer, die einen Fiat Uno mit dem Kennzeichen Roma 6G9678 fahren, werden darauf hingewiesen, daß sie gleich die Geschwindigkeit drosseln und den Blinker nach recht betätigen müssen, denn sie befinden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Behausung, und ein Verfehlen der Abzweigung könnte unnützen Benzinverlust bedeuten – bei den heutigen Preisen! Demnächst weitere Nachrichten auf dieser Welle – E.R.: Euer Radio! …und sollten Sie auf Ihrem Weg einem Mitsubishi mit eingeschalteter Warnblinkanlage begegnen, denken Sie an Ihn, denn auch E.R. hat einen Akkusativ, und schenken Sie ihm Aufmerksamkeit, denn auch E.R. hat einen Dativ, und seien Sie sich Seiner gewiß, den Genitiv wird E.R. niemals verraten!“
Ich schaltete das Radio aus und bedeutet Ihm telepathisch, ich hätte einen „eingebauten Staubfilter mit vollkommen automatischer Reinigung“. (Schließlich war die Straße, in die ich tatsächlich einbiegen mußte, mitnichten asphaltiert.)

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