hodie, aber ohne den Rest

Denn hin und wieder eine wohlangewandte Stunde oder ein wohlangewandter Tag ist mehr ein Werk des Zufalls, als ein Werk der Kunst. – Die Lebenskunst muß durch alle Stunden und Minuten durchgehen, wie die Regel durch das Werk. – Dazu ist nöthig, daß der Mensch in jedem Augenblick wisse und empfinde, daß er lebe, welches ohne den festen Gedanken an den Tod unmöglich ist.
Karl Philipp Moritz, zitiert in: Uwe Nettelbeck, Der Kommentar, in: Die Republik, Nr. 120-122 (September 2006) – Nicht klar ist mir, ob er aus ‚Andreas Hartknopf’ oder ‚Andreas Hartknopfs Predigerjahren’ zitiert, aber es ist gleichgültig für den Inhalt, und mir kommt’s sogar ungelegen, es nicht zu wissen, weil ich bisher weder das eine noch das andere gelesen. Ein Pro-Memento-Mori-Zitat, und wär’s nicht so plausibel, wie Moritz es zu sagen versteht, es hätte mich ein paar Falten um die Nase herum gekostet. Aber Moritz bejaht. „Cras tibi“ ist Hohn.

Auf dem Rücken, den sie mir zuerst zuwandte, knüpfte mehrfach eine tätowierte Hand einen tätowierten BH von hinten auf, ihre Haare waren rot und schwarz gefärbt, auf dem rechten Oberarm, den sie mir dann zuwandte, ein tätowiertes Gerippe. Freitag in der U-Bahn. Schön war sie nicht. Schön die Erscheinung. Was heißt schon schön? Aber immerhin sagte sie „Nein“. Auch sie wird etwas begriffen haben. Im Zug kramte ich einen Euro heraus und gab ihn einer, die „santini“ verkaufte, das sind Heiligenbildchen: „non serve“, sagte ich, als sie mir zwei zur Auswahl hinhielt.

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