schupp’s

gestern abend, nachdem es mir am abend zuvor nicht gelungen war, mich hinzusetzen und die bilder in worte umzusetzen, wozu ich von Birgit Frotscher eingeladen worden war, und die schon lange auf dem kaminsims standen, und ich halb auch schon abgewunken hatte, sie mit einem alten gedicht *) abspeisend, schickte „Biggy“ mir das gedicht wieder zurück mit entsprechender bilderzuordnung, was mich aber nicht überzeugte, wodurch sie ihn mir dennoch gab, den entscheidenden:

schupp’s

zur nacht im letzten licht
leg‘ ich den gürtel des orion an
und schaukle bein und mich
weh hin den weg ins weh
find mö wie weh wie stein

wie stein umgrünt das weh’n
und krümmt ein nihilgott
mein fleisch das bebt und
wenn, wie alle nacht zuvor
am grund am grund der maare?

algenstein allverbeint
steinumalgt weißauchkein
wie-mö-wie lie-so-fliegt
die-lie-weh die-füh-gen
die-be-gen be-schwei-ben

und sphinxt du mich schlummernd
in dir vertatzt, dann laß ich mich
treiben ganz langsam zuletzt und
bevor ich den lichtschalter finde
bin ich dreimal gestolpert

——————————————
*)
nachts, da verkleide ich mich
lege den gürtel des orion an
und schaukle auf einem kamel
zu den pyramiden im tal der könige

unter dem schleier des neumonds
hänge ich mich unsichtbar
zwischen die tatzen der sphinx
die summt mir ein eiapopeia

wenn das nilkrokodil mein herz
in die unterwelt gebracht hat
erwacht mein fleisch und bebt
aber die sphinx hält meine beine fest

erst wenn ich den gürtel abgelegt
läßt sie mich schnurrend von hinnen
und bevor ich den lichtschalter finde
bin ich fünf mal gestolpert

(2002)

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